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Orthopädie und Unfallchirurgie

, Volume 9, Issue 1, pp 53–53 | Cite as

In memoriam Prof. Dr. Walter Blauth

Abschied vom Pionier der Schulterchirurgie

  • Joachim Hassenpflug
Aus den Verbänden DGOOC

Am 7. September 2018 verstarb Prof. Dr. Walter Blauth, langjähriges Vorstandsmitglied der DGOOC und deren Ehrenmitglied, im Alter von 94 Jahren. Zu den Auszeichnungen des „Pioniers der Schulterchirurgie“ gehören der Lexer-Preis für rekonstruktive Orthopädie und Chirurgie und die Dieffenbach-Büste „in Würdigung seiner außerordentlichen Verdienste um die Unfallheilkunde“.

Geboren in Eschenau an der Glahn, studierte Blauth ab 1946 Medizin in Mainz. Stationen seiner chirurgischen und orthopädischen Ausbildung und Arbeit waren Kaiserslautern, Heidelberg und Tübingen. 1967 habilitierte er zum Thema „Der kongenitale Femurdefekt“. Von 1972 bis 1990 hatte er den Lehrstuhl für Orthopädie an der Universität Kiel inne.

Blauth verfolgte in der klinischen Arbeit und wissenschaftlichen Tätigkeit ein vielfältiges Spektrum orthopädischer Fragestellungen sowie operativer und konservativer Therapieansätze. Er entwarf schon früh wegweisende neue Operationsverfahren bei schweren Thalidomidschäden zur Behandlung von Tibia-, Fibula- und Radiusaplasie zur Korrektur von Klumphandfehlstellungen sowie zur Stabilisierung von angeborenen Unterschenkelpseudarthrosen, später ergänzt durch ein umfassendes Klassifikationssystem von Hand- und Fußfehlbildungen. Operative Schwerpunkte waren rekonstruktive Korrekturen von Fehlstellungen, gelenkerhaltende und mobilisierende Eingriffe sowie künstlicher Ge-lenkersatz.

Mit viel Enthusiasmus gab er seine beeindruckende Präzision und Systematik im operativen Vorgehen an seine Mitarbeiter weiter und verdeutlichte immer wieder beispielhaft auch den hohen Stellenwert der qualifizierten Nachbehandlung. So entstanden „Standardwerke“ zur operativen Behandlung von Handfehlbildungen und Kniegelenkserkrankungen und zum nachfolgenden konservativen Programm der funktionellen Weiterbehandlung, stets in enger Absprache mit Physiotherapeuten, Orthopädietechnikern und orthopädischen Schuhmachermeistern.

Die von ihm schon Anfang der 1970er-Jahre entwickelte Knieendoprothese basierte auf dem Prinzip einer kondylären Lastübertragung ohne axiale Belastung der Gelenksachse und wurde ebenso im Biomechaniklabor überprüft wie die Doppelbündelrekonstruktion des vorderen Kreuzbandes aus der Quadrizepssehne.

Der vertrauens- und respektvolle Umgang mit den Patienten, ausführliche Anamnesegespräche und eigenhändige Untersuchungen waren für ihn wesentlich. Die sorgsame Abstimmung von Operationsindikationen und Analyse der Ergebnisse auch im weiteren Heilungsverlauf sowie akkurat vorbereitete Chefvisiten bezeugen das vorbildliche, alle klinischen Bereiche durchziehende Verantwortungsgefühl für seine Patienten.

Die gleiche Sorgfalt spiegelt seine wissenschaftliche Arbeit wider: In über 300 Veröffentlichungen, darunter Standardwerke ihrer Zeit zur Hand- und Kniechirurgie, konnte Professor Blauth sein operatives Vorgehen auch bei komplexen Indikationen akribisch und mit Konzentration auf das Wesentliche weitergeben, wie auch in der von ihm aufgebauten Zeitschrift „Operative Orthopädie und Traumatologie“, die nun von seinem Sohn Prof. Dr. Michael Blauth engagiert weitergeführt wird.

Ebenso war ihm die studentische Lehre ein großes Anliegen, anschaulich aufbereitet und dank problembezogener, systematischer Vermittlung für alle Beteiligten ein nachhaltiger Gewinn. Blauth führte auch als einer der ersten auf deutschen Kongressen Kurse zur körperlichen Untersuchung zum Beispiel von Knie- und Schultergelenken durch.

Prof. Dr. Walter Blauth

* 20. März 1924

† 7. September 2018

© M. Blauth

Mit seiner großen Verlässlichkeit war für ihn immer klar, „der Handschlag gilt“. Der Verlust dieser Gewissheit auch in der Hochschullandschaft hat ihn in den letzten Jahren seiner Tätigkeit zunehmend enttäuscht.

Als Mitglied im Pfälzer und im Tübinger Kunstverein bewahrte er sein lebenslanges Interesse an bildender Kunst, war aber auch in seiner Kieler Zeit immer noch fußballbegeistert für den FC Kaiserslautern.

Mit Professor Blauth haben wir einen großen Vertreter der deutschen Orthopädie verloren. Wir verdanken ihm viel und werden sein Andenken stets in Ehren bewahren.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Joachim Hassenpflug
    • 1
  1. 1.KronshagenDeutschland

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