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Orthopädie und Unfallchirurgie

, Volume 9, Issue 1, pp 42–42 | Cite as

Jahrestreffen 2018 in Brandenburg

„So viele Berichte, so viele Fragen“

  • Petra Höfert
Aus den Verbänden BVOU

Die Brandenburger Orthopäden begaben sich im Herbst 2018 für ihr Jahrestreffen tief in den Naturpark Schorfheide.

Dr. Jan Brzezinski aus Werder an der Havel gab den Auftakt zum wissenschaftlichen Programm und referierte über Injektionen an Sehnen, Kortisontherapie und Alternativen. — Es gibt wenig Publikationen zu diesem Thema. Auf alle Fälle scheint ACP-Eigenbluttherapie hilfreich und im Kommen zu sein! Am wichtigsten seien Entspannungs- und Lockerungstherapie, Selbstmassage und Eigeninitiative, das Anheben der eigenen Schmerzschwelle und das Zusammenreißen.

Dr. Boris Brand, Neckarsulm, hielt einen fesselnden Vortrag über Gehirnerschütterung im Sport, den bisherigen Wissensstand und den praktischen Umgang damit. Erst seit 2014 sei die chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE) in Deutschland ein Thema. Als Beispiel für eine Concussion führte Brand das Blackout des Torhüters Loris Karius beim Champions League Finale 2018 an.

Es war das erste Jahrestreffen, das Dr. Ulrike Fischer, Potsdam, in ihrer Funktion als Landesvorsitzende organisierte. Sie gab nicht nur Wissenschaft und Politik Zeit und Raum, sondern brachte auch ihren Sohn Paul samt Sängerin Lisa, Keyboard und Gitarre mit. Sie sorgten mit Musik für eine positive Emotionsbilanz am Abend.

Dr. Martin Bohl-Bühler, auch aus Potsdam, forderte am Samstag die Aufmerksamkeit aller zum Thema Spondylarthritiden (SpA): Die mittlere Diagnoseverzögerung betrage in Deutschland immer noch zehn Jahre! Die Überlappung der Spondylarthritiden sei die Regel (reaktive Arthritis, Psoriasis-Arthritis, ankylosierende Spondylitis, juvenile SpA, undifferenzierte SpA, Arthritis bei CED Crohn, Colitis ulcerosa). „Man sieht sie nur, wenn man hinschaut“, so Bohl-Bühler. Psoriasis-Arthritis sei als internistisches Problem vergesellschaftet mit Diabetes, Hyperlipidämie, Hypertonie und KHK. Glukokortikoide hätten systemisch nur fraglichen Nutzen. Die lokale Anwendung sei wirksamer, die Trefferquote bei sonografiegesteuerter ISG-Injektion läge jedoch nur bei 40 %! — Ich merkte mir außerdem, dass Psoriatiker zur Dissimulation neigen.

Blumen für eine tolle Organisation — Dr. Henning Leunert, Dr. Ulrike Fischer

© J. Kuno

Die Bizepssehne als misshandelter und missverstandener Freund (mistreated and misunderstood friend laut Kevin Stone) und ihre Pathologie war das Thema von PD Dr. Karsten Labs aus Berlin. Laut Yamaguchi sei sie der „Appendix der Schulter“, ihre Funktion relativ gering, die Schmerzkomponente groß. Die steigende Anzahl von Publikationen führe zu einem neuen Wissenschaftszweig, der Bicepscologie (P. Boileau AAOS 2012 San Francisco). — Ich merkte mir: Das MRT ist nur so gut wie sein Betreiber und was der Radiologe kennt!

Dann wird es frustrierend: Kai-Uwe Krüger von der KVB Brandenburg ist angereist, um über den Stand der Telematik-Infrastruktur zu berichten: Wer bis März 2019 die Komponenten bestelle, brauche keine Honorarkürzungen zu befürchten. Außerdem sei ein neuer Konnektor zugelassen. Man müsse mindestens drei Hausbesuche im Quartal machen, um ein mobiles Kartenlesegerät erstattet zu bekommen. Den Arztausweis eHBA gäbe es noch nicht. — Ich bin erstaunt, mit welcher Gelassenheit Herr Krüger alle Fragen und bissigen Bemerkungen erträgt. Wir wissen alle, dass wir uns dem Fortschritt nicht verschließen können. Aber Herr Spahn peitscht dieses Gesetz gnadenlos durch und wir müssen viel Energie aufbringen und unseren Arbeitsalltag durcheinanderwirbeln, ohne dass ein Nutzen für alle Beteiligten erkennbar wäre.

Die BVOU-Mitgliederversammlung schloss das Treffen ab: Henning Leunert, Teltow, bis vor einem Jahr unser Brandenburger Oberhaupt, nun im geschäftsführenden Vorstand des BVOU, überbrachte die Neuigkeiten. Er zeigte ein Kurzvideo, in dem Herr Spahn sagt, dass niemand gezwungen wäre, Kassenarzt zu sein: Was für eine Wertschätzung unserer Arbeit durch unseren Gesundheitsminister!

38 von 166 berufstätigen Brandenburger BVOU-Mitgliedern waren an diesem Wochenende im Herbst 2018 anwesend: nicht mal ein Viertel! Warum war das so? Sind alle durch das Internet weitergebildet? Spielt der kollegiale Austausch keine Rolle mehr? Ist es allgemeine Politikverdrossenheit? Innere Kündigung? Kein Mittel zur Verbesserung der Work-Life-Balance? Wo sind die jungen Leute?

„So viele Berichte, so viele Fragen.“ (Bertolt Brecht)

Dr. Petra Höfert

© P. Höfert

Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Petra Höfert
    • 1
  1. 1.PotsdamDeutschland

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