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Orthopädie und Unfallchirurgie

, Volume 8, Issue 5, pp 53–53 | Cite as

Arbeitsgemeinschaft Bindegewebsforschung und Arthrosis deformans

Leitlinie Gonarthrose im Fokus

  • Johannes Stöve
Aus den Verbänden DGOOC
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Die neue S2k-Leitlinie Gonarthrose ist seit Januar 2018 online verfügbar. Die von einem 21-köpfigen Expertengremium erstellte Leitlinie konnte nach eingehender Diskussion und Abstimmung mit den maßgeblichen Fachgesellschaften und Sektionen konsentiert werden. Sie richtet sich an Ärzte sowie Angehörige der Gesundheitsfachberufe und auch an Patienten. Die Therapieempfehlungen zielen auf Patienten mit klinischer Beschwerdesymptomatik und radiologischen Arthrosezeichen.

Patienten sollen leitliniengerecht therapiert und über die Wirksamkeit der unterschiedlichen Maßnahmen informiert werden.

© PhotographyGyMK / Adobe Stock (Symboldbild mitFotomodell)

Patientenführung und -therapie

Die Lebensqualität und Mobilität der Patienten kann bereits durch allgemeine Maßnahmen verbessert werden, wie etwa Aufklärung, Information und Beratung über sinnvolle Verhaltensmaßnahmen. Motiviert sollen Patienten sich an der Behandlung beteiligen und Verantwortung dafür mit übernehmen. Zur präventiven Information und Motivationsberatung gehört eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung. Die Therapieangebote sind daher individuell zu gestalten. Die Möglichkeiten müssen dem Patienten in einer für ihn verständlichen Art und Weise dargelegt werden, um ihm eine informierte Entscheidung zu ermöglichen.

Als konservative Maßnahme soll Bewegungstherapie in Form von Kraft-, Ausdauer- und Beweglichkeitstraining durchgeführt werden. Die Bewegungstherapie ist dabei sowohl im Wasser als auch zu Land sinnvoll. Anwendungen (wie Balneotherapie, biomechanische Hilfen, physikalische Therapie, Akupunktur) sind dann zu empfehlen, wenn aufgrund von Co-Morbiditäten andere Maßnahmen nicht möglich sind.

Ein Algorithmus für die medikamentöse Therapie wird in der Leitlinie vorgeschlagen.

Eine Vielzahl Therapien, die bereits eine breite Anwendung gefunden haben, lassen sich aufgrund der Datenlage nicht einschätzen oder können nicht auf einem Soll-/Sollte-Niveau empfohlen werden. Es fehlen methodisch hochwertige Studien, die eine Wirksamkeit vieler Interventionen bei Gonarthrose nachweisen. Nur für einige wenige Therapien ist die Datenlage so klar, dass von einer Anwendung abgeraten wird (z. B. Vibrationstraining, Infrarottherapie, Neuromuskuläre elektrische Stimulation, Gabe von Paracetamol, kein chondroprotektiver Effekt von Chondroitinsulfat oder Glucosamin).

Gelenkerhaltende Operationen sind bei einer Fehlstellung oder bei ausgewählten Meniskuspathologien indiziert. Gelenkersetzende Operationen sind bei ausbleibendem konservativen Therapieerfolg zu diskutieren (siehe auch Leitlinie Indikation Knieendoprothese).

Unterschiedliche Optionen

Die neue S2k-Leitlinie Gonarthrose gibt keine Empfehlung für Patienten mit chondralen Defekten oder fokaler Früharthrose ohne radiologische Arthrosezeichen. Die Therapieoptionen für diese Patienten unterscheiden sich grundlegend und sind Gegenstand von Untersuchungen zur Chondroplastik.

Die AG hat seit Veröffentlichung der Leitlinie zahlreiche Presseanfragen bearbeitet. Häufig geht es darum, die geringe Wirksamkeit etablierter Therapien zu kritisieren und alternative Verfahren, die noch nicht ausreichend untersucht sind, positiv darzustellen. Die Patienten werden dadurch weiter verunsichert, denn verständlicherweise werden alternative Verfahren von chronischen Arthrosepatienten hoffnungsvoll angenommen. Unser Ziel ist es, dass Patienten leitliniengerecht therapiert und über die Wirksamkeit der unterschiedlichen Maßnahmen informiert werden.

Prof. Dr. Johannes Stöve

© J. Stöve

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Johannes Stöve
    • 1
  1. 1.LudwigshafenDeutschland

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