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Orthopädie und Unfallchirurgie

, Volume 8, Issue 4, pp 34–34 | Cite as

Ergebnisse der zweiten BVOU-Umfrage

Kooperationsverträge bleiben Thema

  • Peter Heppt
Aus den Verbänden BVOU
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Um eine Übersicht über die aktuellen Vertragskonditionen und den Stand der Änderungen nach der Einführung des Antikorruptionsgesetzes zu gewinnen, führte der BVOU auf der Basis der zurückliegenden Umfrage im März 2017 im April 2018 nochmals eine anonyme Online-Umfrage durch, die um Fragen zur Vergütungsbasis ergänzt wurde. Sie ist nicht repräsentativ, bietet aber einen Einblick in das Vertragsgeschehen.

Über das Online-Portal „SurveyMonkey“ wurden den Teilnehmern 23 Fragen gestellt. Vollständig beantwortet wurden 2018 nur 86 Fragebögen — nach 306 Fragebögen 2017. Gründe für die deutlich geringere Antwortrate sind die 2018 geänderte Systematik der BVOU-Mitgliederverwaltung (gezielter E-Mail-Versand des Umfrage-Links ausschließlich an niedergelassene, ambulant oder stationär tätige Operateure und Belegärzte) sowie die aktuell offenbar geringere Brisanz des Themas.

Umfrageergebnisse 2018 im Vergleich zu 2017

  • Trotz der in der Umfrage einleitend als Definition vorgegebenen Begrifflichkeiten Beleg-, Konsiliar-, Kooperations- und Honorararzt besteht, wie bei der Umfrage 2017, eine erhebliche Unsicherheit, welche Vertragsart Basis der eigenen Tätigkeit an der Klinik ist. Dabei wird oft — vermutlich meist fälschlich — von einer Belegarzttätigkeit ausgegangen.

  • 38 % der Kollegen sind an zwei oder drei Kliniken tätig (2017: 26 %)

  • Kooperationsärzte gibt es in allen Versorgungsstufen, am häufigsten in Häusern der Grund- und Regelversorgung. Kollegen, die an Universitätskliniken operieren, hatten sich nur 2017 beteiligt.

  • Bei unverändert 40 % öffentlichen Klinikträgern waren 2018 deutlich mehr private als konfessionelle Träger vertreten.

  • Die operativen Schwerpunkte waren in etwa gleicher Häufigkeit Endoprothetik und arthroskopisch-rekonstruktive Eingriffe und wie 2017 zu 15 % Wirbelsäuleneingriffe.

  • Eine Kündigung bestehender Verträge aufgrund des Antikorruptionsgesetzes erfolgte 2018 nur bei 32 %. 2017 hatten bereits 35 % eine Kündigung angegeben.

  • Die Kooperation mit der Klinik bezeichnen unverändert 80 % als gut oder sehr gut.

  • Eine juristische Prüfung der Verträge mit der Klinik war abgeschlossen bei 45 % (2017: 37 %) und läuft bei derzeit 12 %.

  • Knapp 50 % der Operateure versichern die Haftpflichtrisiken selbst.

  • OP-Assistenzen stellt überwiegend die Klinik, Visiten erfolgen bei zirka 90 % regelmäßig durch den Kooperationsarzt, eine Rufbereitschaft ist bereits in 60 % der Verträge festgelegt.

  • OP-Assistenzen: Als Basis der Vergütung werden neben dem früher üblichen DRG-Anteil, der INEK-Kalkulation der Arztkosten und einer GOÄ-Basis wohl aufgrund der vertraglichen Anpassungen an das Antikorruptionsgesetz weitere Kriterien wie pauschale Angestelltengehälter und neuerdings auch Stundenlöhne vereinbart, die im Mittel bei 73 € und damit unter den im EBM kalkulierten Arztkosten liegen.

  • Bei den gekündigten Verträgen ist die Vergütung in 93 % der Fälle gefallen, im Mittel um 23 %.

Bewertung der Umfrageergebnisse

Unverändert gegenüber 2017 zeigen die Ergebnisse der neuerlichen Umfrage, dass in nahezu allen Fällen mit geänderten Verträgen deutliche Vergütungsabschläge der betroffenen Kooperationsärzte festzustellen sind. Ob diesem Nachteil ein Gewinn im Sinne einer höheren Rechtssicherheit bezüglich der Regelungen des Antikorruptionsgesetzes gegenübersteht, bleibt abzuwarten und darf bezweifelt werden.

Zu fordern ist eine Stärkung und Ausweitung des Belegarztsystems als rechtssicheres Modell einer sektorenübergreifenden Versorgung, wie sie derzeit vom „Aktionsbündnis Belegarztwesen“ des Spitzenverbands der Fachärzte Deutschlands (SpiFa) zusammen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung propagiert wird.

Keine Beschleunigung des Hamsterrads

Im Zentrum der gemeinsamen Bemühungen muss in O und U die Vermeidung jeglicher Verträge mit unzureichender Vergütung der ärztlichen Leistung stehen. Die Gefahr einer weiteren Abwertung der ärztlichen Tätigkeit mit Konsequenzen in den Systemen der DRG-, EBM- und GOÄ-basierten Vergütung wäre bei den kommunizierenden Röhren unserer Vergütungssysteme sonst unausweichlich. Eine dem vorauseilenden Gehorsam geschuldete Absenkung der Vergütung bei fraglicher Rechtssicherheit ist abzulehnen, da eine weitere Beschleunigung des Hamsterrads die unmittelbare Konsequenz wäre.

Details zu den Umfrageergebnissen: www.bvou.net; Stichwort Kooperationsverträge

Dr. Peter Heppt

© privat

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Authors and Affiliations

  • Peter Heppt
    • 1
  1. 1.ErlangenDeutschland

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