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Orthopädie und Unfallchirurgie

, Volume 8, Issue 4, pp 22–22 | Cite as

Behandlungsspielraum mit Hürden

Neue AWMF-Leitlinie Gonarthrose
  • Jörg Jerosch
Aus unserem Fach Versorgung und Standards
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Die S2K-Leitlinie Gonarthrose gibt es seit Anfang 2018 als AWMF-Leitlinie im Internet, hinsichtlich Diagnostik und nicht operativer Gonarthrosetherapie aber mit einigen Besonderheiten bestückt, die doch erhebliche klinische und juristische Relevanz haben.

Unter Leitung von Prof. Dr. Johannes Stöve und Kollegen, Ludwigshafen, wurde in den letzten Jahren eine neue S2K-Leitlinie Gonarthrose erarbeitet. Im Rahmen der Diagnostik hat sich die Leitlinienkommission darauf verständigt, keine Kernspintomografie mehr bei Verdacht auf Gonarthrose zu fordern. Das Röntgen sei völlig ausreichend, idealerweise als belastete Aufnahme. Diese Regelung vermag in der Praxis eine Hilfestellung für solche Patienten geben, die bei jeder Gelegenheit einen Kernspin verlangen. Ihnen kann nun guten Gewissens leitliniengerecht mitgeteilt werden, dass ein Röntgenbild zur weiteren Abklärung genügt.

Algorithmus der medikamentösen Therapie der Gonarthrose

Gl = gastrointestinal; Kl = Kontraindikation; KV = kardiovaskulär; NSAR = traditionelle NSAR + COX-2-Inhibitor; PPI = Protonenpumpeninhibitor; UW = unerwünschte Wirkungen

Beratung zum Lebensstil

Für die nicht operative Arthrosetherapie doziert ein wenig überraschendes Ergebnis, wonach über allem die Beratung der Patienten hinsichtlich des allgemeinen Lebenswandels steht. Gemeint sind unter anderem Gewichtskontrolle sowie körperliche Aktivität. Derartige Empfehlungen gibt die EULAR jedoch schon seit 2005. Dieser Bereich wurde als motivationale Beratung beschrieben.

Eine erhebliche Überarbeitung erfährt allerdings die medikamentöse Therapie bei Gonarthrose. Die Analyse des dafür typischen Patientengutes zeigt, dass in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle Patienten betroffen sind, die älter sind, mehr als eine Komorbidität aufweisen und bereits multiple Komedikationen haben. Hier ergeben sich erhebliche Kontraindikationen aus gastrointestinaler und kardiovaskulärer Sicht.

Medikamentöse Therapie

NSAR stehen weiterhin oben auf der Therapieliste, aber nur noch in topischer Anwendungsform. Paracetamol ist ganz rausgefallen. Bei analgetisch nur schwacher Wirkung führt dessen rezeptfreie Verfügbarkeit für den Patienten rasch zu einer hohen Selbstmedikation, die jedoch in hepatotoxischen Werten münden kann. Bei Verwendung von Novalgin ist auf eine konsequente Risiko- und Sicherheitsaufklärung zu achten.

NSAR sollten nur bei Patienten mit normalem gastrointestinalen und kardiovaskulären Risiko Anwendung finden. Sofern eine Kontraindikation besteht, ist laut Leitlinie die Gabe von Glukosamin oral, Hyaluronsäure intraartikulär oder Kortikosteroide intraartikulär angezeigt. In der Kommunikation mit Patienten hinsichtlich intraartikulärer Injektionen kann auf das geringe Infektrisiko durchaus hingewiesen werden (1 : 30.000 laut Robert Koch-Institut).

Opioide spielen in der Gonarthrosetherapie leitliniengerecht nur eine untergeordnete Rolle. Die Indikation gilt nur für eine kurzzeitige Therapie mit niedriger Dosierung bis zur Durchführung einer knieprothetischen Versorgung, oder bei Patienten, die vom Grundsatz her nicht operabel sind.

Besondere klinische Relevanz hat die neue Leitlinie somit in diesen Punkten:
  • Diagnostik: Ein Röntgenbild als Belastungsaufnahme ist ausreichend.

  • Therapie: Die Indikation für NSAR ist bei vielen Patienten aufgrund der Komorbidität und -medikation kontraindiziert. In diesen Fällen ist die Glukosamingabe oral, die intraartikuläre Hyaluronsäure oder Kortikoidtherapie leitliniengerecht (Abb. 1).

Leitlinie Gonarthrose unter: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/033-004.html

Prof. Dr. Dr. h.c. Jörg Jerosch

© J. Jerosch

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Jörg Jerosch
    • 1
  1. 1.NeussDeutschland

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