Orthopädie und Unfallchirurgie

, Volume 8, Issue 2, pp 45–45 | Cite as

Nachruf

Prof. Dr. Günther Mayer
  • Wolfram Neumann
Namen
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„Herr Prof. Dr. Günther Mayer — ein langjähriger Hochschullehrer an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, der ehemalige Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik, ein renommierter Orthopäde, aber insbesondere ein Arzt aus Leidenschaft und Überzeugung; ein überaus fleißiger und verlässlicher Mensch, ein charakterstarker Mann mit unsentimentaler Nüchternheit, aber zugleich mit wiederkehrendem — fast schelmischem — sächsischem Humor.

Prof. Dr. Günther Mayer, * 6.5.1934, † 4.1.2018

© Universität Greifswald

Im gesegneten Alter von 83 Jahren — wach, klug, wissbegierig und interessiert an dem Tun anderer, aber zunehmend gezeichnet von stärker werdenden Gebrechen und Schmerzen, von immer häufigeren Klinikaufenthalten — ist Herr Prof. Mayer am 4. Januar 2018 nach einem außerordentlich schaffensreichen Leben friedlich eingeschlafen.“

Dies bescheinigt ihm sein langjähriger Mitarbeiter und Chefarzt Dr. Dirk Ganzer aus Neubrandenburg. Am 6.5.1934 in Prag als Sohn eines Handwerkers geboren, floh er wie viele Sudetendeutsche nach Sachsen (Kamenz), wo er 1953 sein Abitur ablegte. Er studierte Humanmedizin an der Humboldt-Universität und der Medizinischen Akademie in Dresden und begann die Ausbildung zum Facharzt für Orthopädie am Kreiskrankenhaus Sonnenberg, um die Facharztausbildung dann über Prof. Peter Friedrich Matzen von 1963 bis 1965 in Leipzig anzuschließen.

Nach der Anerkennung als Facharzt am 1.12.1965 wurde er zunächst an einer kleinen Klinik in Klettwitz (Niederlausitz) leitender Oberarzt und übernahm 1969, durch Prof. Matzen unterstützt, die Chefarztstelle an der 90-Bettenklinik Orthopädie im Bezirkskrankenhaus Hoyerswerda. Hier führte er die moderne operative Orthopädie ein, wie er sie in Leipzig gelernt hatte, und führte ohne Freistellung neben seiner Arbeit Tierversuche zum Stabilitätsverhalten von Osteosynthesen mit äußerer Knochenfixation bei Prof. Johannes Hellinger in Dresden durch, der ihn am 28.6.1979 habilitierte.

Dass er dann bereits am 1.12.1980 zum ordentlichen Professor und Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik in Greifswald berufen wurde, hat uns parteilose, habilitierte Universitätsoberärzte zumindest überrascht.

In den folgenden Jahren durfte er an den begehrten Kliniken in Bern, Basel, Straßburg und London hospitieren und viele Kongresse im „nicht sozialistischen Währungssystem“/Ausland besuchen. Aber auch Moskau, Nowosibirsk und Sofia standen auf seinem Programm.

Was sich bisher wie eine Karriere auf der Parteischiene anhört, entspricht jedoch nur bedingt der Realität. Aus tiefster Überzeugung darf ich sagen, dass er seine Aufgaben in Greifswald fachlich und menschlich hervorragend gelöst hat. Er übernahm die Klinik von Prof. Hartmut Zippel, die in einem Mehrfamilienhaus in Greifswald untergebracht war, bei der der Einbau eines Fahrstuhls eine fantastische Neuerung bedeutete.

Die zunehmende wissenschaftliche und klinische Bedeutung dieser orthopädischen Klinik und die hervorragende Arbeit von Prof. Günther Mayer führten zum Bau einer neuen Klinik, die 1992 bezogen werden konnte.

Doch zuvor 1990 wurden laut Gesetz viele Universitätsdirektoren abgesetzt und entlassen oder zu Oberärzten „degradiert.“ Nicht so in Greifswald — hier wehrten sich die ärztlichen Mitarbeiter nach der „Degradierung“ gegen diese Verordnung von oben und unter Verzicht auf den eigenen Aufstieg bestanden sie darauf, ihren bisherigen Chef zu behalten — welch großartiges menschliches Signal!

So wurde Prof. Mayer wieder eingesetzt und konnte bis zur Emeritierung die großen Vorteile des Gesundheitswesens des „Kapitalismus“ genießen.

Die experimentelle Orthopädie, insbesondere die Knorpelforschung — schon immer ein Schwerpunkt in der Orthopädischen Universitätsklinik Greifswald — erhielt nach der Wende ebenso neue Möglichkeiten, wie auch die Perspektiven der Fachärzte, sich niederzulassen.

Trotzdem stand für Prof. Mayer die Publizierung klinischer wissenschaftlicher Ergebnisse vom Vordergrund. 180 Publikationen, sieben Monografien und gleich drei Buchbeiträge dokumentieren seinen enormen Fleiß.

Bis 1989 war er als Schatzmeister im Vorstand der Orthopädischen Gesellschaft der DDR und in vielen anderen Funktionen tätig und sorgte dafür, dass Hüftendoprothesen für den Bedarf der ehemaligen DDR und des sozialistischen Auslands in guter Qualität und ausreichend zur Verfügung standen.

Auch nach der Emeritierung konnte er sich intensiver seiner Vorliebe für Johann Sebastian Bach und guter Literatur widmen.

Wir haben mit Prof. Dr. Günther Mayer einen hervorragenden Menschen, Kollegen und Freund verloren, der in den vielen von ihm ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen sowie in seinen Publikationen noch lange weiterleben wird.

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Authors and Affiliations

  • Wolfram Neumann
    • 1
  1. 1.MagdeburgDeutschland

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