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Sonderprojekte ATZ/MTZ

, Volume 22, Supplement 2, pp 66–66 | Cite as

Automatisiertes Fahren Herausforderung mit Chancen und Risiken

  • Barbara Lenz
Gastkommentar
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Die vollständige Automatisierung des Fahrens wird eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre werden. Dies gilt nicht nur für die weitere technische Entwicklung. Ebenso wichtig ist die Frage, was wir aus den neuen technischen Möglichkeiten machen, vor allem: Wird es uns gelingen, Mobilität und Verkehr damit nicht nur komfortabler, sondern auch nachhaltiger zu gestalten? Tatsächlich sind die Erwartungen hoch, dass mit der Automatisierung neue Gestaltungsmöglichkeiten vor allem für den Straßenverkehr zur Verfügung stehen werden. Besondere Aufmerksamkeit haben Szenarien für Lissabon und jüngst auch Helsinki erfahren, die scheinbar den Nachweis erbringen, dass vollautomatisierte Fahrzeuge in der Lage sein werden, den vorhandenen Verkehr vollständig aufzunehmen und abzuwickeln, und das mit einer Flotte, die lediglich ein Zehntel des heutigen Fahrzeugbestands umfasst. Übersehen wird dabei gerne, dass diesen Szenarien die Annahme zugrunde liegt, dass der Mobilitätsbedarf komplett im Ride-Sharing-Modus befriedigt wird. Damit ist die dramatische Erhöhung des Besetzungsgrads in den Fahrzeugen der eigentliche Grund für Effizienz- und Kapazitätsgewinne; die Automatisierung wirkt allenfalls Effizienz unterstützend.

Deutlich realitätsnaher erscheinen Zukunftsbilder, die von einem Mix an privatem Fahrzeugbesitz und dem Sharing von Fahrzeugen und Fahrten ausgehen. Allerdings setzen auch diese Erwartungen voraus, dass die Menschen das Unterwegssein in einem vollautomatisierten Fahrzeug nicht nur ertragen, sondern schätzen werden. Derzeit liegen erst wenige Untersuchungen vor, die sich mit der Frage auseinandersetzen, was das Fahren in einem vollautomatisierten Auto attraktiv macht. Ob es tatsächlich — wie immer wieder argumentiert — die Möglichkeit sein wird, sich im Fahrzeug produktiven Tätigkeiten zuzuwenden, ist offen, wenn man bedenkt, dass derzeit 45 Prozent aller Wege mit dem Auto weniger als eine Viertelstunde dauern.

Vollautomatisiertes Fahren ist eine verlockende Option für die Mobilität von morgen. Während wir diese Option realisieren, sollten wir uns auch über ihre Auswirkungen — über Chancen ebenso wie über Risiken — Klarheit verschaffen. Gleichzeitig muss der Blick geweitet werden auf Gestaltungsmöglichkeiten des Verkehrs, die sich jenseits der Automatisierung des Straßenverkehrs mit Auto und Lkw ergeben. Zusätzlich müssen Möglichkeiten der Automatisierung im Schienenverkehr, auch in Kombination mit dem Straßenverkehr als Chancen wahrgenommen werden, um Mobilität nicht nur komfortabler zu machen, sondern auch, um Nachhaltigkeitsziele zu verwirklichen.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2017

Authors and Affiliations

  • Barbara Lenz
    • 1
  1. 1.DLR - Institut für VerkehrsforschungBerlin-AdlershofDeutschland

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