Advertisement

Humboldts Gegenwart im 19. Jahrhundert

  • Bernhard HurchEmail author
Open Access
Themenbeitrag
  • 108 Downloads

Zusammenfassung

Es gibt in der Literatur die weit verbreitete Auffassung, Wilhelm von Humboldt sei im 19. Jahrhundert zwar als Geistesgröße verehrt, aber letztlich nicht gelesen und rezipiert worden. Als Grund hierfür wird die zunehmend naturwissenschaftliche Orientierung der sich institutionalisierenden Sprachwissenschaft angenommen. Der vorliegende Artikel versammelt eine Reihe von Argumenten und Evidenzen, die diese Interpretation widerlegen und nachweisen, daß Humboldts Oeuvre wesentlich zur Entwicklung des Fachs beigetragen hat. Es liegt die Vermutung nahe, daß es sich bei der Annahme seiner Nicht-Rezeption um die Rückprojektion eines verkürzten Humboldt-Verständnisses handelt, das den linguistischen Humboldt auf eine Sammlung von stehenden Phrasen reduziert. Denn sowohl in richtungsweisenden Entwicklungen der Sprachwissenschaft (z.B. der Sprachtypologie oder der Kategorienforschung) als auch in den Schriften zahlreicher namhafter Fachvertreter (von Pott bis Schuchardt, Gabelentz oder Baudouin de Courtenay) und auch in von Humboldt intensiv betriebenen Einzelphilologien (z.B. der Baskologie), ja sogar bei einzelnen Vertretern des historischen Paradigmas, ist Humboldt kontinuierlich und wirkmächtig rezipiert worden.

Schlüsselwörter

Wilhelm von Humboldt Rezeptionsgeschichte Typologie Kategorienforschung Wissenschaftsgeschichte und Fachgeschichte Gesellschaftlicher Kontext des 19. Jahrhunderts Baskische Studien Wissenschaftsbetrieb 

Humboldt’s Presence in the 19th Century

Abstract

There is the prevailing opinion in specialist literature that Wilhelm von Humboldt was revered as an important representative of Germany’s 19th century intellectual world, but that his oeuvre has in fact not been read or received. It is believed that this supposed ignorance stems from the increasingly scientific orientation of linguistics and philology in the process of institutionalization of the discipline. This article assembles a number of arguments and evidences refuting this interpretation and providing evidence for the fact that Humboldt’s oeuvre has indeed contributed significantly to the development of the subject. There is reason to believe that the assumption of his non-reception is the backward projection of a limited understanding of Humboldt that reduces even the linguistic Humboldt to a collection of standing phrases. For example, in trend-setting developments in late 19th century linguistics (as in language typology or research on linguistic categories), as well as in the writings of numerous well-established representatives of the discipline (from Pott to Schuchardt, Gabelentz or Baudouin de Courtenay) and in the specific philologies which were intensively pursued by Humboldt (eg. Basque studies), and even in individual scholars of the historical paradigm, Humboldt has been unabatedly and effectively received throughout the decades.

Keywords

Wilhelm von Humboldt History of Reception Typology Research on Linguistics Categories History of Science History of the Discipline Societal Background in the 19th Century Basque Studies Organization of Science 

1 Allgemeines

Es1 gibt im deutschsprachigen Kulturraum klingende Namen großer Gelehrter, die jedermann kennt, mit denen letztlich jedoch kaum jemand etwas anzufangen weiß. Über ihre spezifischen inhaltlichen Leistungen besteht selten Klarheit. Kurioserweise ist diese Lücke sogar bei Vertretern von Fächern verbreitet, in denen diese Gelehrten wissenschaftlich gearbeitet haben. Einer dieser Namen ist Wilhelm von Humboldt.2 Die Gründe für dieses Mißverhältnis sind vielfältig. Einerseits ist das Bewußtsein für die Geschichtlichkeit des Faches in der Sprachwissenschaft nicht sehr hoch. Doch sind auch die meisten Texte Humboldts im Vergleich zu den präfabrizierten Schreib- und Argumentationsformen der Gegenwart eher sperrig. Das heißt, sie sind in inhaltlicher wie stilistischer Hinsicht keine einfache Lektüre.3 Die Aktualität und Modernität vieler Schriften ist bei einer ersten Kontaktnahme oft kaum erahnbar, die Elaboriertheit des Stils ist zwar gegenstands- und argumentbedingt, sie wirkt jedoch keineswegs einladend und bedeutet tatsächlich ein gewisses Hindernis.4

Nun wird immer wieder die Annahme vertreten, diese Nicht-Rezeption Humboldts habe Tradition, denn sie habe bereits die Forschungslandschaft des 19. Jahrhunderts bald nach seinem Tod 1835 gekennzeichnet. Humboldt sei rasch in Vergessenheit geraten, die Wissenschaft von der Sprache, der er einen Gutteil seines Lebens in großer Hingabe gewidmet hat, sei zwar im 19. Jahrhundert aufgeblüht, habe aber andere als die von ihm vorgezeichneten Wege beschritten, und die Wertschätzung für seine politische Rolle als Reformer habe nicht ausgereicht, um über einen unleugbaren guten Ruf hinaus auch tatsächlich zur Kenntnis seines Oeuvre zu motivieren oder diese gar nahezulegen. Zur Untermauerung wurden hauptsächlich Formulierungen über eingängige Topoi aufgesucht: über ergon und energeia, über Kreativität oder darüber, wie man »von endlichen Mitteln einen unendlichen Gebrauch machen« kann, über die äußere und innere Sprachform, über Organismus. Es wurde den morphologischen Bildungsverfahren in ihrem typologischen Zusammenhang nachgespürt, der Einheit und Vielfalt von Sprachen, dem Grammatischwerden (also der Grammatikalisierung), Aussagen zum sprachlichen Relativismus, also zur gegenseitigen Bedingtheit von Sprache, Denken und Kultur.5 Diese Themen wurden jedoch in der Diskussion in geradezu anti-humboldtischer Manier ihrer empirischen Basis entkleidet und versprachphilosophiert und fühlen sich in ihrer Verkürzung auf einige Schlagworte und Schlüsselbegriffe ein wenig an wie ein sprachwissenschaftlicher Büchmann zum 19. Jahrhundert. Die wenigen Male, wo von konkreten Schriften ausgegangen wird, fehlt letztlich ein realistisches, wissenschaftshistorisch adäquates Instrumentarium, um die Rezeptionsgeschichte wirklich abzuhandeln.6

Man müßte, vertritt man diese Position der Nicht-Rezeption, auch die gar nicht so unrealistische Möglichkeit einbeziehen, daß dieser Prozeß des Vergessens oder Verschwindens nie stattgefunden hat, weil Humboldt gar nie rezipiert wurde,7 es also auch nichts gegeben hat, was man vergessen oder zum Verschwinden bringen hätte können. Daraus würde folgen, daß die Diskussion über das Verschwinden von Humboldts Denken in der Kompaktheit und Enge dieses Diskurses ein Konstrukt des späteren 20. Jahrhunderts ist.

Der Titel des vorliegenden Beitrags ist insofern programmatisch, als er sich die Aufgabe stellt, dieser häufig und häufig überzeugend vertretenen Position entgegenzuwirken, Wilhelm von Humboldts sprachwissenschaftlichen Arbeiten sei nach seinem Tod bis weit in das 20. Jahrhundert hinein jede Bedeutung verwehrt geblieben, sie seien verschwunden oder in Vergessenheit geraten. Zu dieser Position gehört auch ihre Begründung, daß nämlich dieses Abhandenkommen im Aufstieg der Junggrammatiker wissenschaftssystematische Gründe habe. Es wird vor allem auch darum gehen, durch eine Reihe von Argumenten und Belegen eine Gegenposition aufzubauen und die Enge dessen, was hier unter »Vergessensdiskurs« zusammengefaßt wird, zu konterkarieren. Notwendigerweise ist der Beitrag also kontrovers, ist aber dezidiert nicht in polemischer Absicht verfaßt.8

Die humboldtsche Sprachwissenschaft ist ein komplexes Gebilde. Eine meiner Grundbehauptungen ist, daß der Vergessensdiskurs sich selbst ein Humboldt-Bild geschaffen hat, das fachhistorisch nicht haltbar ist, unter anderem, weil es Humboldts sprachwissenschaftliche Tätigkeit nur sehr partiell abbildet. Dieses enge Korsett der doch stark repetitiven Humboldt-Darstellung verlangt eine Erweiterung. Auch ist es keineswegs adäquat, die Sprachwissenschaft nach Humboldt allzu sehr einzuengen, denn es geht hier gerade um jene Epoche, in der ein Prozeß der Ausdifferenzierung geisteswissenschaftlicher Fächer stattfand, weshalb jeder Versuch einer Engführung als inadäquat bezeichnet werden muß. Dazu kommt, daß Humboldt selbst durch die beispielhafte und epochemachende Reorganisation des preußischen Unterrichtswesens federführend an einer Verbreiterung des Wissenschaftsbetriebs und Wissensbetriebs, fast möchte man sagen der Vergesellschaftung, beteiligt war.

Bestimmte Subdisziplinen der Sprachwissenschaft, zu denen Humboldt bekanntlich auch ausgiebig und maßgeblich selbst publiziert hat, bleiben in der Rezeptionskritik und dem Vergessensdiskurs vollkommen unberücksichtigt. Das ist gerade deshalb unzulässig, weil Humboldts Arbeiten und seine Bedeutung in diesen Bereichen unzweifelhaft sind und darüberhinaus die Breite, etwa der Sprachstudien, programmatisch für seine Sprachwissenschaft insgesamt war. Eine der großen Leistungen Humboldts lag in der Verbindung von theoretisch-›sprachphilosophischer‹ Reflexion mit konkreter Sprachbeschreibung, von empirischer Begründung einer zeitbedingt kantisch beeinflußten Kategorienkonzeption. Den an linguistischer Empirie und konkreter Sprachbeschreibung orientierten Humboldt blendet der Vergessensdiskurs jedoch aus. Darin liegt ein weiteres Indiz dafür, daß die Rezeptionskritik im Grunde einen zumindest zum Teil selbstgebauten Strohmann vorzuführen versucht. Knobloch (dieses Heft) benennt die naturwissenschaftliche Orientierung der Forschung ab 1850 als Hindernis für eine Rezeption, die von Philosophie, Theorie und Deduktion nichts mehr wissen wollte. Dieses Argument gilt aber nur, soweit man vom Empiriker und Grammatiker und Sprach‑/Grammatiktheoretiker Humboldt Abstand genommen und allein den vermeintlichen Sprachphilosophen und Schöngeist wahrnimmt/wahrgenommen hatte. Insofern Knobloch dieses Argument als das 19. Jahrhundert prägend meint, liegt hier natürlich eine der Wurzeln für die mangelnde und mangelhafte Rezeption.

Der Beitrag wird sich schließlich nicht nur in der Kritik der Rezeptionskritik aufhalten, sondern selbst positive Evidenz und Argumente dafür anführen, daß es um die Rezeption des humboldtschen Oeuvres und Denkens nach seinem Tod nicht nur nicht so schlecht, sondern teilweise ganz hervorragend bestellt war und daß man in wesentlichen Bereichen einen Leitfaden ausmachen kann, der, obwohl einflußreiche Schulen der Sprachwissenschaft mit Humboldt nichts anzufangen wußten, nie abgerissen ist.

2 Veröffentlichungen der Schriften Humboldts und ihr Markt im 19. Jahrhundert

Nach Humboldts Tod wurden regelmäßig Arbeiten von ihm, selbständige und unselbständige, veröffentlicht, und auch im Rest des Jahrhunderts, das man sinnvollerweise bis zum Ersten Weltkrieg ausdehnt, erschienen kontinuierlich verschiedenste Schriften von ihm: wissenschaftliche wie politische, literarische, persönliche und selbstverständlich auch sprachwissenschaftliche, daneben Biographien und Abhandlungen zur Person und zu seinem Wirken.9 Ein Ausgangspunkt der Publikationstätigkeit nach seinem Tod war, daß Humboldt nur einen Bruchteil seiner zum Teil sehr weit fortgeschrittenen, ja häufig nahezu fertiggestellten Arbeiten selbst in Druck gegeben hat. Es gab größere wie kleinere Publikationsvorhaben, die nicht zu seinen Lebzeiten, sondern erst in den folgenden Jahrzehnten veröffentlicht wurden. Insofern ist von einem Vergessen keine Rede. Man denke zunächst an das dreibändige Kawi-Werk, das unmittelbar nach seinem Tod (Humboldt 1836) bzw. den Folgejahren herauskam, die siebenbändige Ausgabe seiner Gesammelten Werke (erschienen zwischen 1841 und 1852), die zahlreichen Briefeditionen (mit Fachkollegen, Freunden, Literaten, Damen usw.) bis hin zur großen Ausgabe des beeindruckenden Briefwechsels mit seiner Frau Caroline, ebenfalls in sieben Bänden. Dazu kommen die oftmals diskutierten Textausgaben, so der Verschiedenheit durch Pott (1876) und von sog. Sprachphilosophischen Schriften durch Steinthal (1883–84)10. Im letzten Jahrzehnt des Jahrhunderts wurde der Grundstein zu der großen Akademieausgabe der Gesammelten Schriften gelegt.11

Das Buch als solches war auch im 19. Jahrhundert ein industrielles Produkt, das sich auf dem Markt behaupten mußte;12 insofern ist davon auszugehen, daß Wilhelm von Humboldt seinen Markt hatte, und dies kann zumindest als ein Indiz für eine Rezeption gesehen werden. Die Druck- und Verlagsproduktion steigt zwar zahlenmäßig insgesamt ab ungefähr der Mitte des 19. Jahrhunderts rapide an, doch kann bereits die hier angeführte Veröffentlichungsaktivität als ein Beleg für das Interesse an Humboldt und seinem Werk gesehen werden. Die Beschäftigung mit der Rezeption sollte sich, wie schon erwähnt, nicht nur an isolierten Ideen und bestimmten herrschenden Schulen der Sprachwissenschaft orientieren, sondern auch an gesellschaftlichen Realitäten. Obwohl der Börsenverein des Buchhandels bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts Marktstudien unternahm und die Bibliotheken Leserprofile erhoben, existieren keine Angaben zu der buchhändlerischen Distribution der Werke Humboldts. Man kann allerdings über Provenienzstudien zu Exemplaren des heutigen Antiquariatsmarktes und die historischen Bibliotheksbestände ein paar allgemeine Rückschlüsse ziehen. Sehr häufig finden sich Exemplare, die Eigentümerstempel ehemaliger Lehrerhandbibliotheken aus Oberrealschulen und Gymnasien tragen (vgl. ein Beispiel in Abb. 1).13
Abb. 1

Alter Bibliotheksstempel Stempel in Privatex. von Humboldt/Pott (1876): ›A BUDAPESTI VII KER MAGY KIR ÁLLAMI GYMNASIUM‹, dem heutigen Madách Imre Gimnázium. (Für Hilfe bei der Entzifferung des Stempels danke ich Katrin Purgay, Graz.)

Dieser Umstand ist nur auf den ersten Blick ein Kuriosum, er bildet vielmehr einen historischen Zustand ab, in dem eine starke Permeabilität zwischen Universitäten und Gymnasien bestand und eine große Gruppe wissenschaftlich gebildeter Lehrer – nebenbei: ebenfalls ein Resultat humboldtscher politischer Vorstellungen – auch selbst in der Forschung tätig war.14 Wie direkt humboldtsches Gedankengut in Jahresberichte von Gymnasien eingegangen ist, zeigt exemplarisch die Arbeit von Arno Grimm (1884), ein sehr gut informierter und kompetenter, immerhin ca. neunzigseitiger Abriß zu baskischer Sprache und Grammatik. Grimm hatte selbst keine empirischen Forschungen unternommen, sondern orientierte sich in wesentlichen Teilen an den vorhandenen Veröffentlichungen (insbesondere dem humboldtschen Beitrag zum Mithridates von Adelung & Vater von 1817 (2010a)) und verheimlicht diese Bezugnahme auch an keiner Stelle.15 Die Jahresberichte der österreichischen Gymnasien enthalten unter anderem auch Nachrichten über Bestände und Neuzugänge der oben genannten Bibliotheken. Eine bislang unsystematische Recherche in den Jahresberichten ergab, daß immerhin an sechs von zwölf durchgesehenen Schulbeständen z.B. die Pott’sche Ausgabe der Verschiedenheit von Humboldt (1876) nachgewiesen werden konnte.16

Von ganz besonderer Bedeutung waren meines Erachtens die Wiederabdrucke spezifischer kleinerer Texte. Es soll hier nur ein einziges illustratives Beispiel herausgegriffen werden, weil es exemplarisch das fachspezifische und das über das Fach hinausgehende Interesse an Humboldts Arbeit und ihre Rezeption bezeugt. Carl August Friedrich Mahn, ein deutscher Philologe, der sich neben allgemeiner Romanistik und Provenzalistik auch für das Baskische interessierte, veröffentlichte im Jahr 1857 ein Bändchen unter dem Titel Denkmäler der baskischen Sprache und druckt darin auf den Seiten X–XIX praktisch vollständig die humboldtsche Ankündigung einer Schrift über die Baskische Sprache und Nation (von 1912) wieder ab. Diese eine Veröffentlichung sei exemplarisch genannt, weil auch sie als Indikator der Bedeutung gesehen werden kann, die Humboldt für die Baskologie in Deutschland gehabt hat.17 Mahn hatte ob seiner prominenten Stellung in Berlin eine nicht unbedeutende Multiplikatorenfunktion.18

3 Einige Anmerkungen zu Pott und Humboldt

In einem bemerkenswerten Aufsatz aus dem Jahre 1873, der von der Besprechung einer handschriftlichen Grammatik des Grönländischen von Valentin Müller ausgeht, dauert es keine 10 Zeilen, bis der Autor August Friedrich Pott bei der Lehre Wilhelm von Humboldts angelangt ist. Es geht um Ergativität, um die sogenannten »zweierlei nominativformen auch von begrifflich geschiedenem werth«. Pott (1873) zeichnet unmittelbar und über mehrere Seiten hinweg die Parallele zu Humboldts Ausführungen über das Thema im Baskischen, insbesondere auch zur Beobachtung der doppelten Funktion des Absolutivs (in heutiger Terminologie) gegenüber dem Kasus des handelnden Nominativs. Der humboldtsche Erkenntnisprozeß ist diesbezüglich sehr klar nachweisbar: während seiner baskischen Reise im Frühjahr 1801 besuchte er Pablo Pedro de Astarloa, der ihm sein unveröffentlichtes und später verschollenes Manuskript des »Plan de lenguas« zu lesen gab. Humboldt fertigte davon innerhalb von wenigen Tagen ein Exzerpt an,19 in dem er Stellen, die ihm bei der ersten Lektüre nicht einsichtig waren, mit einem Fragezeichen kennzeichnet. Letzteres streicht er durch, nachdem er sich jeweils von Astarloa die problematischen Punkte hatte erklären lassen. So wird er gewahr (siehe Abb. 2), daß der Kasus des Patiens nicht nur den Akkusativ abdeckt, also das direkte Objekt, sondern auch den nicht agentivischen (also intransitiven) Nominativ.20 In seinem Mithridates-Beitrag von 1817 (S. 317) formuliert er diese Regularität aus, und darauf bezieht sich Pott.
Abb. 2

Handschrift Humboldts aus dem Exzerpt des Plan de Lenguas von P.P. de Astarloa, Coll. ling. fol. 73, S. 101.12; zu Abschrift und Edition des Ausschnittes vgl. Humboldt (2012, S. 37)

Die Beschäftigung mit diesem Thema ist nicht Teil der indogermanistischen historisch-komparativen Sprachwissenschaft des 19. Jahrhunderts gewesen, da dieser Typus von Ergativität den klassischen indogermanischen Sprachen fremd ist. Insofern findet sie im Diskurs der Junggrammatiker keine Erwähnung, ohne daß Nicht-Rezeption oder Verschwinden unterstellt würde. Der Vergessensdiskurs orientiert sich nur an den eigenen Topoi und nimmt eine inhaltlich sprachwissenschaftliche Kategoriendebatte dieser Art nicht zur Kenntnis – und somit auch nicht den Beitrag, den Humboldt zu dieser im 19. Jahrhundert geleistet hat.21 Auch der Umstand, daß die hier genannte Arbeit Potts von 1873 in den Beiträgen zur vergleichenden Sprachforschung auf dem Gebiete der arischen, celtischen und slawischen Sprachen, einem genuin indogermanistischen Organ mit Affinitäten zu den Junggrammatikern, erschienen ist, konnte nicht dazu beitragen, diesen Diskussionsstrang zur Kategorienforschung bei den Komparatisten ein Stück weit ins Licht zu rücken. Genau darin liegt jedoch der Unterschied zu Pott, dem ersten Inhaber einer ordentlichen Professur für Allgemeine Sprachwissenschaft in Deutschland, der selbstverständlich in der Komparatistik ebenso zuhause war wie im Studium der allgemeinen Sprachenkunde. Und letzteres befähigte ihn mehr als andere, diese humboldtisch begründete Diskussion über die »zweierlei nominativformen« zu führen.

Die Rolle August Friedrich Potts bedarf allerdings einer gesonderten Darstellung. Interessanterweise wird dieser Forscher, dessen Werdegang und Rolle in mancher Hinsicht die Entwicklung der Sprachwissenschaft im 19. Jahrhundert produziert und reproduziert hat, von den Vertretern des Vergessensdiskurses für den Verdrängungsprozeß mitverantwortlich gemacht. So vertritt zum Beispiel Mueller-Vollmer (1993) an verschiedenen Stellen die Annahme, August Pott (sic) würde sich »gelegentlich pietätvoll auf Humboldt berufen«, wodurch »der tiefe Riß, der zwischen der humboldtschen sprachwissenschaftlichen Konzeption und der Forschungspraxis und Ideologie der dominierenden Indogermanistik des 19. Jahrhunderts besteht, höchstens rhetorisch verschleiert und überdeckt« wird (Mueller-Vollmer 1993, S. 6). Mueller-Vollmer nennt mehrmals Franz Bopp und A.F. Pott in einem Atemzug und formuliert die These, daß die Rezensionen des Kawiwerks von Pott und Bopp »gemein [haben], daß sie dem humboldtschen Werk, auf pietätvoll unverbindliche Art profundes Lob spendeten, um dann sein spezifisches linguistisches Anliegen unverzüglich und ohne Umschweife in das eigene Projekt aufzulösen«. Er schreibt weiter: »Mit den Rezensionen Potts und Bopps war die offizielle Rezeption Humboldts durch die Sprachwissenschaft des 19. Jahrhunderts bis hin zu Steinthal so gut wie abgeschlossen« (Mueller-Vollmer 1993, S. 28). Dies verrät jedoch eher mangelnde Kenntnis von Pott und seinen Schriften sowie seiner Rolle für die Rezeption Humboldts.22 Die berühmte ›Rezension‹ des Kawiwerks (Pott 1837) ist, mehr als eine Rezension im eigentlichen Sinn, ein sechs Ausgaben und insgesamt 45 Seiten der Allgemeinen Litteraturzeitung umfassender Nachruf auf Humboldt, allerdings unter dem Titel und auf Anlaß des Erscheinens des ersten Bandes des Kawiwerks.

Die Selbstreferentialität des Vergessens- und Verschwindensdiskurses zeigt sich beispielsweise in Bezug auf Pott auch darin, daß die relevante Literatur von und zu Pott nicht wahrgenommen wird, so vor allem die äußerst kenntnisreiche Abhandlung von Frans Plank (1993), aber auch die frühere umfassende bio-bibliographische Aufarbeitung von Pott in Joan Leopold (1983). Plank verweist vor allem auf das Forschungsprogramm der Allgemeinen Sprachenkunde, das Pott exemplarisch weiterentwickelt hat, eine Fortsetzung des humboldtschen Gedankens der Sprachenzyklopädie. Zur Verbesserung der Quellenlage wirbt Pott übrigens wiederholt für die »Wiederabdrücke« der alten Missionarsgrammatiken; es war ihm klar, welches ungeheure Erkenntnispotential in diesen Arbeiten schlummerte. Nicht zufällig verweist er auch in diesem Zusammenhang auf die einschlägigen Berliner Bestände aus Humboldts Nachlaß (so im Abschnitt Zur Litteratur der Sprachenkunde Amerikas in der Einleitung in die Allgemeine Sprachwissenschaft). Wie nahe Pott dem humboldtschen Ansatz insgesamt war, zeigen nicht nur die häufigen Verweise,23 sondern auch zahlreiche Themen seiner Forschung und sein methodischer Ansatz, aber auch sein Forschungsprogramm insgesamt. Auf einige Punkte der Humboldt-Tradition aus dem Pott’schen Arbeitsfeld hat auch schon Koerner (1977, S. 151) hingewiesen, so auf die Genus-Studien (Pott 1856) und die Arbeiten zur quinären und vigesimalen Zählmethode (Pott 1847 und 1868). Es gibt jedoch wesentlich mehr zu nennen als die bereits angeführten Arbeiten. Gelegentlich stellt sich Pott selbst in diese Tradition. Er spricht von »näherer Berührung« seiner Schrift Über Vaskische Familiennamen (Pott 1875) mit Humboldts Prüfung von 1821, insbesondere wegen des Nachweises über den Ursprung von Familien- aus Ortsnamen (Pott in Humboldt 1876, Bd. I: CCXXIII). Besondere Hervorhebung verdient auch die über 300 Seiten starke Studie zur Reduplikation (Pott 1862). Sie ist eine frühe und exzellente Exemplifizierung von humboldtschen Ideen zur Sprachtypologie,24 indem sie von dem formalen Verfahren der Doppelung/Reduplikation (in einem sehr weiten Sinn) ausgeht, diese mit semantischen und kognitiven Regularitäten in einen systematischen Zusammenhang stellt, und diese Beobachtungen schließlich über eine beachtliche Zahl von Sprachen der Welt ausdehnt.25

Sowohl die Aufnahme und Entwicklung von Themen humboldtscher Prägung als auch die direkte Referenz auf Humboldt sind bei Pott sehr zahlreich, und man kann – entgegen der weit verbreiteten Ansicht – schließen, daß er nicht nur einer der großen Kenner Humboldts war, sondern ein uneitler Fortsetzer humboldtschen Denkens und Arbeitens. Der sehr ironisch formulierte Vorwurf Mueller-Vollmers (1993, S. 29), Humboldts Verschiedenheit der 1876er Ausgabe hätte Pott letztlich in konkurrenter Weise zu seinem mehr als 300seitigen 1. Band der Edition ›gedient‹, ist ungerecht. Es gab zu diesem Zeitpunkt in Deutschland wohl kaum einen Sprachwissenschaftler, Steinthal eingeschlossen, der in der Lage gewesen wäre, eine vergleichbar profunde Kontextualisierung der Arbeiten Humboldts in dieser ganzen fachlichen Breite zu liefern.

4 Das Baskische – ein in der Rezeption vernachlässigtes Arbeitsfeld Humboldts

Das tiefgehende Studium des Baskischen war für Humboldt keine marginale Kuriosität oder einfache Marotte, sondern vielmehr ein wichtiges Standbein seines sprachwissenschaftlichen Arbeitens, es war Initialisierung, Konstituierung und zugleich Exemplifizierung eines Anspruchs der Allgemeinen Sprachenkunde und Grammatik und eröffnete ihm eine Menge neuer Blickwinkel.26 Er hat mit dieser Sprache schließlich einen wesentlichen Abschnitt seines Lebens verbracht. »Dieser ersten Erfahrung in diesem Theile der Sprachkunde folgte ich in dem übrigen«, resümiert Humboldt in den Verschiedenheiten (1907, S. 139). Das Baskische war die einzige wirklich ›andere‹ Sprache, die Humboldt in situ erlebt, sprechen gehört und untersucht hat. Dagegen nimmt dieses Thema in den Viten und wissenschaftlichen Biographien wie in der deutschsprachigen Rezeption Humboldts im allgemeinen eindeutig eine Randstellung ein und geht – wenn überhaupt – über die bloße respektvolle Erwähnung kaum hinaus. Das hängt selbstverständlich einerseits mit der besonderen typologischen und genealogischen, aber auch soziolinguistisch-politischen Stellung des Baskischen im Konzert der europäischen Sprachen zusammen. Andererseits müßte man den Vielschichtigkeitsdiskurs der Allgemeinen Sprachenkunde auch wirklich ernst nehmen und sich mit der Besonderheit des Baskischen ein wenig beschäftigen, um die Bedeutung dieser Sprache für das humboldtsche Denken verstehen zu können. »C’était un monde exotique dans un environnement familier; ce qui était tout autre se trouvait à la portée de la main«, schreibt Michelena in Bezug auf Humboldt und fährt fort: »Il ne faut pas oublier que, quoique la linguistique comparée n’eût pas encore fait les pas décisifs, l’isolement du basque parmi les langues de l’Europe était déjà un fait établi« (1973, S. 109f.).

Das Baskische lag eindeutig nicht auf den Wegen der historisch-komparativen Sprachwissenschaft des 19. Jahrhunderts. Baskische Studien spielten in diesem Reigen keine wahrnehmbare Rolle, und zwar weder jene aus der deutschsprachigen noch die aus der ›autochthonen‹ Baskologie. Wieder einmal ist hier auf Pott hinzuweisen, der sich doch in etwas mehr als oberflächlicher Weise mit dieser Sprache und ihrer Philologie/Linguistik befaßt hat und auch damit aus dem Verbund der junggrammatisch geprägten Komparatisten ausschert. Der Vergessens- und Verschwindensdiskurs, der sich ja nicht unwesentlich ex negativo aus der die Thematik beherrschenden junggrammatischen Schule speist, sieht ebenfalls keinen Anlaß, diesen exotischen Teil humboldtschen Schaffens ernsthaft wahrzunehmen.27 In der akademischen Sprachwissenschaft war das Baskische aus all den genannten Gründen immer wenig vertreten. Drei hervorragende Köpfe des Geschäfts, die allesamt ein klares wissenschaftliches Bekenntnis zu humboldtscher Sprachwissenschaft abgegeben haben, stechen allerdings mit ihrem klaren Bekenntnis zum Interesse am Baskischen hervor: A.F. Pott, Hugo Schuchardt und Georg von der Gabelentz.28 Alle drei hatten – in unterschiedlicher Weise – ein nicht einfaches Verhältnis zu den Junggrammatikern.29

Humboldts Interesse für das Baskische erwacht in Paris und im Rahmen der ersten Spanienreise, also noch vor der Jahrhundertwende. In der Folge, immer noch in Paris, widmet er diesem Studium intensivste Bibliotheksarbeiten und eine eigene Forschungsreise durch die baskischen Provinzen. Er sammelt umfangreiches Material, kündigt ein dreibändiges Baskenwerk an, versucht sich über Jahre hinweg an zahlreichen Fragment gebliebenen und teilweise verloren gegangenen Manuskripten und veröffentlicht zwei umfangreiche Schriften, den Mithridates-Beitrag (1817) und eine der wenigen Monographien seines Lebens, die Urbewohner im Jahre 1821.30 Spätere Einlassungen sind eher sporadischer Natur. In der Neuedition des sprachwissenschaftlichen Werks wurde diese Abteilung vom spiritus rector der Edition, Kurt Mueller-Vollmer, als jene konzipiert, die sich mit der Phase der Herausbildung des sprachwissenschaftlichen Denkens zu befassen hatte. Zahlreiche für humboldtsche Grammatikkonzepte konstitutive Erkenntnisse gehen auf seine Beschäftigung mit dem Baskischen zurück. Das Baskische wird im Vergessensdiskurs selbst vergessen bzw. im Verschwindensdiskurs selbst zum Verschwinden gebracht.31

Interessanterweise nimmt die Rezeption durchaus Bezug auf jene Phase humboldtschen Arbeitens, blendet jedoch alles Baskische aus, ignoriert die Nachlaßkonvolute und rückt zielsicher genau jene Punkte ins Blickfeld, die dem eigenen Interessenskatalog entsprechen.32 Auch wenn Humboldt sein Baskenwerk nicht fertiggestellt und zeitlebens insgesamt ohnehin wenig Wissenschaftliches publiziert hat, so war seine baskische Veröffentlichungstätigkeit im Verhältnis beachtlich.33 Die Wiederentdeckung des Nachlasses in den 1980er Jahren durch Kurt Mueller-Vollmer hat zwar eine Menge von Schriften und unveröffentlichten Manuskripten ans Tageslicht befördert, die zum Verständnis der Genese des humboldtschen Denkens wichtig sind, doch waren durch die beiden genannten großen Schriften schon wichtige Erkenntnisse gegeben. Dies läßt sich nicht erst a posteriori feststellen, sondern diese Schriften waren bereits in der einschlägigen Sprachwissenschaft des 19. Jahrhunderts von Bedeutung. Ein Beispiel dafür ist der oben genannte Aufsatz Potts zum sog. transitiven und intransitiven Nominativ. Im Baskenland – mehr als in Deutschland – gab es schon früh und unter dem Einfluß der Enttäuschung über das Fehlen der spezifischen (so der baskologischen) sprachwissenschaftlichen Schriften in der Edition Leitzmanns (Humboldt 1903–1936) erste Initiativen, diesen damals noch in Berlin liegenden Nachlaß zu heben. In baskischen Bibliotheken, so in der Provinzbibliothek in Bilbao, finden sich heute Kopien einzelner Texte Humboldts, deren Originale in Berlin verloren gegangen sind. Nicht wenige Texte wurden in spanischer Übersetzung veröffentlicht, Jahrzehnte bevor sie schließlich in der Edition von 2012 auf Deutsch gedruckt wurden.34 Auch in der ab Anfang des 20. Jahrhunderts erscheinenden, von Julio de Urquijo begründeten und über viele Jahre herausgegebenen Zeitschrift Revista Internacional de los Estudios Vascos – Revue Internationale des Études Basques wurden verschiedene nachgelassene Schriften Humboldts in Übersetzung verlegt. Hier lag zwar ein spezielles Interesse an einschlägigen Arbeiten Humboldts vor, doch waren diese Arbeiten für Humboldts Oeuvre insgesamt keineswegs so marginal, wie es der Vergessenheitsdiskurs suggeriert. Der Doyen der Baskologie Luis Michelena brachte es in seinem wichtigen Humboldt-Aufsatz auf den Punkt (1973, S. 124–125):

Pour nous, basques, Humboldt a représenté le premier contact réel de la tradition linguistique locale, qui avait alors atteint un haut sommet, avec la tradition scientifique occidentale: le deuxième, dont la continuité semble assurée, ne se produira qu’avec Hugo Schuchardt, cent ans après.

Um diesen Befund einschätzen oder teilen zu können, muß man jedoch einen Schritt aus der engen Humboldt-Rezeption hinaus machen, das enzyklopädische Programm Humboldts ernstnehmen und vor allem Humboldt nicht nur in einer Verengung der Optik als sogenannten Sprachdenker oder Sprachphilosophen untersuchen, sondern auch (vor allem?) als einen der linguistischen Empirie zugewandten Sprachforscher moderner Prägung denken (wollen). Die beiden großen veröffentlichten Arbeiten Humboldts zum Baskischen haben stark sprachbeschreibenden und empirischen Charakter. In den sogenannten Berichtigungen, also dem Mithridates-Beitrag, resümiert Humboldt (2010a [1817]) in einem doch knapp einhundertseitigen Werk seinen Plan einer großen baskischen Monographie en miniature, das heißt, er resümiert Geschichte, Sprachbeschreibung, Grammatik und Lexik und gibt einen Abriß über Forschungsgeschichte und Forschungsstand, nicht zuletzt analysiert er Sprachproben. Das eindeutige Ziel der Urbewohner (Humboldt 1821) dagegen liegt in der Verortung des Baskischen im vorrömischen Iberien. Trotz des schon von Humboldt (1812) selbst postulierten Zusammenhangs wurden diese beiden Forschungen nach Humboldt interessanterweise getrennt wahrgenommen, ja man findet oft ihre Kohärenz im humboldtschen Oeuvre infrage gestellt.35

Der Urbewohner-Text (Humboldt 1821) fehlt in der Rezeption in Deutschland weitgehend. Er wurde nach seinem Erscheinen noch in den Gesammelten Werken (Band 2, S. 1–214) und in den Gesammelten Schriften (Band 4, S. 57–232) nachgedruckt, danach nicht mehr wieder.36 Die Geschichte der Urbewohner ist dennoch eine Erfolgsstory. Dieses Buch wurde weder vergessen noch dem Verschwinden anheim gestellt, es erfuhr im Gegenteil zahlreiche Übersetzungen.37 Die Arbeit entspricht den akademischen Erwartungen der Junggrammatiker in keinster Weise. Daß sie aber auch im einschlägigen deutschen Diskurs einen Bezugspunkt darstellte, zeigen nicht zuletzt die Monumenta von Hübner (1893), die Humboldt gewidmet sind: »Memoriae Wilhelmi de Hvmboldt Sacrum« (s. Abb. 3).38
Abb. 3

Widmung der Monumenta Linguae Ibericae von Emil Hübner, Berlin (1893)

Dieses Werk Humboldts bloß aufgrund seiner Thesen über die Verwandtschaft des Baskischen mit dem Iberischen als irrelevant beiseite zu stellen, ist unangemessen, denn erstens hat es starke Resonanz hervorgerufen und zweitens gibt es auch Erkenntnisse wie die Untermauerung der Abgrenzung des Iberischen und Keltiberischen, die bis heute als brauchbares Ergebnis gelten können. Dazu kommt, daß sich Humboldt mit dieser Schrift als äußerst solider Kenner der antiken Literatur sowie der antiken Geographen und Historiker mit profunden epigraphischen Kenntnissen und Fähigkeiten qualifiziert. Genau das ist meines Erachtens das Verdienst, das bei Hübner fruchtbar wird. Humboldts Antikenkenntnis auf eine schöngeistige Graekophilie und die Agamemnonübersetzung zu reduzieren, tut seiner Wirkungsgeschichte unrecht und läßt seine 1821 vorgelegte – und im einschlägig interessierten Ausland auch ausführlich rezipierte – Studie unter den Tisch fallen. Interessanterweise liefert schon Pott (1876: insbes. CCXXXIIIff.) eine mehrseitige Rezeptionsgeschichte der Urbewohner, sowohl in Deutschland wie in Frankreich, und verschweigt auch die kritischen Stimmen (etwa Jules Vinson) nicht.39 Auf die problematischen Seiten des Werks wird später noch zurückzukommen sein. Im Vergessensdiskurs ist dieses Werk jedenfalls keiner Erwähnung wert.

Der mitteleuropäische sprachwissenschaftliche Diskurs des 19. Jahrhunderts zum Baskischen war nicht besonders umfangreich, es gab jedoch ein wie immer motiviertes konstantes Interesse an dieser Sprache. Humboldts Arbeiten spielten über mehrere Jahrzehnte darin eine zentrale Rolle. Es erwachte einige Jahre vor seinem Tode: Der Umstand, daß beispielsweise das Thema für den Prix Volney 1829 von der Pariser Akademie als ›Grammaire raisonnée de la langue basque‹ gestellt wurde, ist in der Literatur immer wieder mit den einflußreichen Schriften Humboldts in Zusammenhang gebracht worden und mit der Beziehung, die er zu praktisch allen Pariser Preisrichtern unterhalten hat.40 Aus Deutschland bewarb sich Guido Görres mit einer Schrift unter dem Titel: »Structura grammatica Linguae Hispanorum veterum indigenae id est: Vasconicae philosophice explicata nec non comparata variis tum Orientis tum Occidentis linguis«.41 »De dialecto Biscaica Humboldius nos docet ...« (Görres 1828, S. 32) ist eine Formulierung, die beispielhaft auf den in der Arbeit am häufigsten zitierten Autor verweist,42 mit dem Görres während der Abfassung seiner Arbeit auch korrespondiert hatte.43

Die Liste der deutschsprachigen baskologischen Werke, die im Gefolge Humboldts entstanden sind, ist nicht so kurz wie man annehmen sollte.44 Schließlich blieben die Abhandlung zur Grammatik im Mithridates-Beitrag, das dort vorhandene Wortverzeichnis und die Sprachproben über Jahrzehnte die einzigen Materialien zum Baskischen, die leicht zugänglich waren. Der Bogen »Baskisch« umspannt im deutschsprachigen Raum eine breite und auch recht heterogene Tradition, in der Humboldt eine Art Klammer bildet. C.A.F. Mahn lehrte im Gefolge Humboldts in Berlin nicht nur zum Baskischen,45 er hat in seinen Denkmälern der baskischen Sprache (Mahn 1857) auch Humboldt wieder veröffentlicht (s.o.). Das Mahn’sche (s.d.) Baskisch Wörterbuch basiert zweifelsfrei auf dem von Humboldt angefertigten Wörterbuch, das von ihm an anderer Stelle beschrieben wurde, jedoch leider verschollenen ist, angereichert mit Einträgen von anderen zwischenzeitlich erschienenen lexikographischen Arbeiten.46

Einer gesonderten, weil auf einen doch typischen Umstand referierenden Erwähnung bedarf August Schleicher, Protagonist der Stammbaumtheorie und anderer wenig Humboldtisch anmutender theoretischer wie indogermanischer Schriften. Als einflußreiche Figur der Sprachwissenschaft des Jahrhunderts stand Schleicher in durchaus produktiv wegbereitender Wechselbeziehung zu den Junggrammatikern. Daß es auch aus dieser Ecke nicht nur Wertschätzung für Humboldts Arbeit gab, sondern diese im Detail rezipiert wurde, zeigt Schleichers 1850 erschienener Band »Die Sprachen Europas in systematischer Übersicht«. Schleicher übt sich hier neben genealogischen und arealen Blickwinkeln, in typologischer Betrachtung zu Möglichkeiten der Formbildung, so auch ausführlich zum Baskischen, und hebt dazu neben anderen Quellen explizit hervor (Schleicher 1850, S. 104), daß sein immerhin 12seitiger Abschnitt zu den typologischen Spezifika ausschließlich auf Humboldts (2010a [1817]) Mithridates-Beitrag aufbaut. Er folgt diesem auch wirklich bis in Einzelheiten, Beispiele, Formtabellen und Erklärungsansätze. Figuren wie Schleicher zeigen, daß es nicht der Forschungsgegenstand der historischen Indogermanistik war, der den Blick auf Humboldt verstellt, sondern das spezifisch verengte Forschungsparadigma der Junggrammatiker, das diesen Blick zum eigenen Nachteil vielleicht einfach verständnislos weggelenkt hat.

Humboldt und das Baskische ist die Geschichte einer zweiseitigen Beziehung, denn zum einen geht es hier um die Frage, was Humboldt zur Baskologie beitragen konnte und tatsächlich auch beigetragen hat, zum anderen aber um den umgekehrten Wissensweg, nämlich die Frage, inwieweit und inwiefern das Baskische für Humboldt, seine Ideen und seine Rezeption prägend war. Die Rezeptionsgeschichte muß insofern eine doppelte sein. Und sie ist es. Um dies zu belegen, geht man am besten von den einflussreichsten Schriften aus. Der Mithridates-Beitrag wurde im Baskenland wahrgenommen, wie einige der Folgediskussionen zeigen, und zwar im positiven wie im negativen Sinn. Das unter den Sprachproben von Humboldt (2010a [1817]) veröffentlichte und so genannte Altbaskische Heldenlied, in der Literatur zumeist nach der Heldenfigur als Lelo-Lied bezeichnet, ist eine goliardische Fälschung, der Humboldt aufgesessen ist. Daran besteht kein Zweifel. Allein die nachfolgende Diskussion zeigt, daß – wenngleich negative, aber doch – Rezeption stattgefunden hat. Für andere Erkenntnisse zum Baskischen wird bis heute Humboldt als Entdecker genannt, etwa für den artículo próximo, also die a/o-Alternation des Determinators in Abhängigkeit von räumlicher oder metaphorischer Nähe, also der Unterschied zwischen z.B. guztiak und guztiok ›alle‹, wobei zweiteres Proximität ausdrückt; er thematisiert die Rekursivität von Endungen wie der Genitivbildung auf -aren (aitarenarenarena) und andere. Sehr gute, konzise Zusammenstellungen des humboldtschen Beitrags zur Baskologie finden sich in Michelena (1973) und Gómez-López (1996).

5 Der Humboldtianismus von Hugo Schuchardt47

Eine direkte Verbindungslinie zwischen Wilhelm von Humboldt und Hugo Schuchardt festzustellen, ist nicht neu. In systematischer Weise hat dies Georg Bossong schon in den frühen 1980er Jahren mit Erfolg getan. Zum einen geht es Bossong darum, Parallelen aufzuzeigen, zum andern aber auch um die Fortsetzung konkreter inhaltlicher Entwicklungen wie die oben bereits erwähnten Erkenntnisse zur Ergativität. Bossongs erste Zusammenschau habe ich in einer späteren Arbeit versucht weiterzuführen (Hurch 2009).

Die Reinheit von Sprachen und Völkern als Chimäre zu betrachten und diese Erkenntnis wissenschaftlich fruchtbar zu machen, beruht auf einer zentralen Feststellung Humboldts, die trotz ihrer Wichtigkeit für das 19. Jahrhundert in der modernen Rezeptionsdiskussion gut und gerne überlesen wurde.

Bei dem Völkergewühle, das beständig auf dem Erdboden geherrscht hat, bei der Reihe von Jahrhunderten, die für unsere Geschichtskunde in Nacht begraben liegen, ist wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß es auch unter den für uns einfach geltenden Sprachen keine einzige reine und unvermischte gibt. Auf der andren Seite finden sich, um gleich die beiden Extreme einander gegenüberzustellen, auch Sprachen, die in roher Verwirrung aus Wörtern und Wendungen ganz verschiedner bestehen, und nicht Sprachen einer Nation, sondern rohe Austauschmittel zwischen Menschen verschiedener sind, in die Classe der Sprachen zu setzen, die [...] besondren Gewerben und Beschäftigungen eigen sind. Hierhin ist neben andren die lingua Franca in den Häfen des Mittelmeeres zu rechnen. (Humboldt 1907, S. 280–81)

Dieser Satz, daß es keine reinen und unvermischten Sprachen auf der Welt gibt, wurde und wird immer wieder Hugo Schuchardt zugeschrieben. Dies ist insofern kein Zufall, als man die Sprachkontaktforschung in engerem und in weiterem Sinn als roten Faden ansehen kann, der sich – neben anderem – durch das Werk Schuchardts zieht. Es gibt aus seiner Feder allgemeine Schriften zu dem Thema, wie den Lingua franca-Aufsatz (von 1909),48 der erste große Klassiker der Konkretisierung dieses Konzeptes und die erste wissenschaftliche Behandlung dieser Sprache. Er widerspricht zwar Humboldt in der Annahme, es handle sich um »rohe Verwirrung«, ganz im Gegenteil, die Erkenntnis über die systematischen Wege von Pidginisierung und Herausbildung von Kreolsprachen machten Schuchardt zu einem der Begründer dieser Disziplin. Das Einbringen einer horizontalen Ebene des Sprachkontakts in die Sprachwandeldiskussion, als notwendige Ergänzung zum vertikal konzipierten Stammbaum- und Sprachwandelmodell Schleichers und der Junggrammatiker, war in der Tat ein Ausgangspunkt Schuchardts, der in dieser Hinsicht mit Fug und Recht als Fortsetzer einer humboldtschen Tradition gesehen werden kann. Schon die Leipziger Antrittsvorlesung von 1872 (veröffentlicht 1900) arbeitet diese Ideen im Grunde aus und formuliert die Wellentheorie (gleichzeitig mit Johannes Schmidt).49 Dieser Blickpunkt bietet auch eines der wichtigen Argumente in der Polemik gegen die Junggrammatiker (1885; vgl. dazu auch Vennemanns Darstellung von 1972), er liegt den Ideen zu Geschichtlich verwandt oder elementar verwandt von 1912 zugrunde (vgl. dazu Plank 1981) sowie all den großen Arbeiten zu Sprachkontaktphänomenen (Arabisch-Romanisch, Romano-Baskisch (1906), Slawo-deutsches und Slawo-italienisches (1884) und viele andere), zu Sprachmischungen und Mischsprachen und insbesondere den zahlreichen Kreolischen Studien. Schuchardt geht hier über das hinaus, was man unter dem Ringmacherschen Begriff des »atmosphärischen Humboldtianismus« verstehen kann, es geht um mehr als die punktuelle Fortsetzung eines humboldtschen Arbeitsprogramms.50 Insofern trifft die Kritik Schuchardts an den Junggrammatikern, nicht nur die – auch nur partiell und scheinbar gesetzmäßig ableitbare – Genealogie als Grundlage von Sprachverwandtschaft zuzulassen, den Kern einer Ablehnung, oder zumindest eines Ignorierens der programmgewordenen Verschiedenheit von Sprachen, was allemal fast als Vergeltung für die Ignoranz gegenüber Humboldts Denken gesehen werden kann: daß nämlich genuin humboldtsches Denken gerade dort, wo es aus epistemologischen Gründen nicht genehm war, von Schuchardt wiederum als Gegenargument etabliert wurde.

Schuchardt war nicht der einzige Forscher, der sich diesem Programm einer empirisch fundierten Sprachkontaktforschung im Rahmen der allgemeinen Grammatik verpflichtet verstanden hat. Seine Kooperationen und epistolarischen Kontakte51 geben hinreichend darüber Auskunft, daß es nicht isolierte Forscher waren, die sich in diesem Rahmen betätigt und Innovatives sowie Studien von bleibendem Wert geschaffen haben (man denke etwa an die Erforschung des Resianischen durch Jan Baudouin de Courtenay) und daß der Bogen auch insofern sehr weit gespannt war, als auch Kollegen zu dem Kreis gehörten, die dem Junggrammatismus viel näher standen als Schuchardt selbst. Franz von Miklosich hatte mit seinen Schriften – zum Teil auch parallel zu Schuchardt – Bahnbrechendes zur Erforschung und zu dem Zusammenhang der Balkansprachen (insbesondere vom Albanischen über die verschiedenen slawischen Sprachen zum Rumänischen) beigetragen, und zwar trotz seiner slawistisch-junggrammatischen Grundhaltung, bei doch gleichzeitigem Interesse an einer Allgemeinen Sprachenkunde.52 Wie das Beispiel Miklosich zeigt, erschöpft sich Junggrammatikertum eben nicht in Leipziger Militanz und Enge.53

Es wäre ein Leichtes, die Liste der konkreten Forschungen fortzuführen, die im Oeuvre Schuchardts – mit oder ohne direkte Nennung des Namens – Humboldt fortsetzen. Hier öffnen sich Wege und schließen sich Kreise. Eine der im Rahmen der europäischen Sprachen typologisch auffälligen Eigenschaften des Baskischen ist die Ergativität, wie oben schon hinsichtlich Potts Bezugnahme auf Humboldt dargestellt. Schuchardt beschäftigt sich ebenfalls mit dem Thema, in veröffentlichter Form mindestens seit 1895,54 hier zum Georgischen. Aufgrund der publizierten Reaktionen und Diskussionen greift er auch späterhin das Thema wieder auf, bis hin zu einer der letzten Veröffentlichungen, nämlich 1925 in Das Baskische und die Sprachwissenschaft. Doch schon 1895, am 8. Oktober, schreibt ihm Friedrich Müller: »Verehrter Freund und College! Vor allem meinen besten Dank für Ihre herrliche Abhandlung. Das ist eine treffliche wahrhaft sprachphilosophische Arbeit, über die ein W. von Humboldt, wenn er unter den Lebenden weilte, eine besondere Freude haben würde […]«.55

Über die positiven Seiten der humboldtschen Abhandlung zu den Urbewohnern (Humboldt 1821) wurde schon gesprochen. Es sollen aber auch die negativen Seiten nicht ignoriert werden. Sie sind hier insofern relevant, als gerade sie von Schuchardt aufgenommen und verteidigt wurden. Schuchardt war hier vielleicht sogar der letzte namhafte Vertreter dessen, was als Vasko-Iberismus in die Literatur Eingang gefunden hat: ein Vorläufer naher Verwandter des Baskischen war demnach auf der gesamten iberischen Halbinsel verbreitet, das Iberische als Gegenstück zum Keltiberischen. Humboldt vertrat diese These, wie Bossong ausführt, sicher auch unter dem Einfluß von baskischen Forschern, mit denen er in direktem Kontakt stand und denen jede Form der Apologie des Baskischen willkommen war.56 Schuchardt versuchte 100 Jahre später, ein grammatisches Fundament für diese These über die onomastischen Studien Humboldts hinaus zu finden, und beschäftigte sich 1907 in einem nahezu 100seitigen Aufsatz mit der Iberischen Deklination, um Parallelen zum Baskischen zu identifizieren. Die Vehemenz, mit der er diese These bis zum Schluß, auch nach der Entzifferung der Bleitafel von Alcoy durch Gómez Moreno, verteidigte, grenzte an Altersstarrsinn und war dem Ruf Schuchardts in dieser Frage nicht zuträglich. Die humboldtsche These war nicht zu retten. Auch wenn in den Veröffentlichungen Schuchardts die eigene Forschungstradition nicht gesondert mit dem Namen Humboldt zitiert wird, so geben doch verschiedene Dokumente über sie Aufschluß. Etwa schreibt er an Julio de Urquijo (bzgl. seines eigenen Aufsatzes von 1922 in Reaktion auf Gómez Moreno): »Auf der andern Seite konnte ich doch nicht jeden Einspruch gegen die Auslassungen des Herrn Gómez-Moreno unterdrücken, da sie ja nicht bloß mich sondern alle Nachfolger W. von Humboldts bekämpfen« (Brief Nr. 450 in Hurch – Kerejeta 1997, S. 300). Es gab also durchaus auch einige Forschungsarbeiten Humboldts, an deren Ergebnissen stark gerüttelt wurde. Die Skepsis, die ihm in dieser Thematik die Junggrammatiker entgegengebracht haben, war in diesem Punkt – zumindest im Resultat – berechtigt.

6 Vielfalt und Spezifik von Humboldts Sprachwissenschaft

Zugegebenermaßen eröffnet sich die Ausdifferenziertheit der humboldtschen Sprachwissenschaft in so manchem Detail erst in den letzten drei Jahrzehnten, nachdem Kurt Mueller-Vollmer den während des Zweiten Weltkriegs aus Berlin ausgelagerten Hauptteil des Nachlasses der Staatsbibliothek in Krakau gefunden, zur weiteren Verwendung in einem kommentierten Nachlaßverzeichnis erschlossen und dadurch eine umfangreiche Edition in die Wege geleitet hat (Mueller-Vollmer 1993). In der Tat war nur ein Teil seiner wissenschaftlichen Tätigkeit bis dahin wirklich bekannt, und die vielen Studien und Vorarbeiten, Fragmente, Notizen, Arbeitsskizzen, aber auch die umfangreichen, an konkreten Einzelsprachen orientierten Beschreibungen waren und blieben 150 Jahre lang so gut wie ungehoben, denn auch Leitzmann hatte in der großen Akademieausgabe wissentlich und intentional auf den Abdruck allzu einschlägig empirisch orientierter wissenschaftlicher Manuskripte verzichtet. Dieses Vorgehen rückte den ›sprachphilosophischen‹ Humboldt gegenüber dem empirisch-sprachwissenschaftlichen Humboldt mit Nachdruck in den Vordergrund. Dies mag zur Partialität der Rezeption nicht unwesentlich beigetragen haben. Daß Leitzmann so verfahren konnte,57 liegt mit Sicherheit unter anderem daran, daß auch jene Akademiemitglieder, die die Ausgabe institutionell mitzuverantworten hatten, dem sprachwissenschaftlichen Programm Humboldts letztlich verständnislos gegenüberstanden. Die von ihnen formulierten Bedenken ließen sich durch Leitzmanns Versicherung, er habe bei einigen Junggrammatikern deutsche und indogermanische Sprachwissenschaft gehört, allzu leicht beiseite schieben.58 Ein fremder Humboldt, der sich mit Sprachen beschäftigte, die anders waren, war ihnen offenbar selbst fremd.59

Mittels der Benutzerbücher der Bibliothek erhält man Aufschluß, wie wenige Sprachwissenschaftler bis zum Ersten Weltkrieg tatsächlich Humboldts Nachlaß konsultiert haben. Insofern liegt die Annahme einer fehlenden Rezeption durchaus nahe. Es wäre aber mit Sicherheit falsch anzunehmen, man hätte das Wichtige über Humboldt nicht gewußt. Viele seiner bedeutenden Schriften waren verfügbar, die seine über die üblichen sprachphilosophischen Topoi hinausgehenden Ideen enthielten und jenen über sie Aufschluß geben konnten, die sich für sie interessierten. Grundsätzlich war die Breite seiner Studien gut belegt, man konnte das humboldtsche Forschungsprogramm aus den von ihm selbst veröffentlichten Schriften herauslesen, wobei die Veröffentlichungslage vor der Einbringung des Krakauer Nachlasses je nach Arbeitsgebiet unterschiedlich war. Am schlechtesten war die Veröffentlichungslage sicher für die amerikanischen Sprachen. In der entsprechenden Abteilung III der neuen Edition wurden dank Manfred Ringmacher in den vorliegenden sechs Bänden bislang wahrscheinlich die meisten unbekannten Arbeiten herausgebracht. Auch wurde Ordnung in das Verhältnis zu J.C.E. Buschmann, Humboldts Sekretär und erstem Nachlaßhüter und -räuber gebracht, der für seine eigenen amerikanistischen Veröffentlichungen nachweislich ausgiebige Anleihen bei Humboldt gemacht hat. Doch ist auch dies eine Form der Fortsetzung humboldtschen Arbeitens, eine Form der Rezeption. Letztlich erfährt man jedoch insgesamt eine Menge an Details erst aus den nachgelassenen Manuskripten, über die Genese von Erkenntnis und die Entwicklung des humboldtschen sprachwissenschaftlichen Denkens. Mit dem Wissen über sie mehrt sich das Verständnis von Humboldts Schaffen. Gerade in der Baskischen Abteilung II erhält man Aufschluß über die Entstehung weiterreichender Konzepte und Kategorien. Man denke an die saubere Gegenüberstellung der paradigmatischen Organisation der baskischen Grammatik bei Larramendi und der regelhaften separativen Markierung bei Astarloa, der früh formulierten eigentlichen Grundlage der Agglutination. Es mag richtig sein, daß nicht jede humboldtsche Erkenntnis ihren Weg in die Rezeption durch die deutsche Wissenschaft gefunden hat, doch ließe sich zeigen, daß dies in anderen Ländern zum Teil anders war und bestimmte Schriften, nicht nur die Baskischen, im Ausland reger und interessierter aufgenommen worden sind. Zeugnis davon geben zum Beispiel für Frankreich Bösch (2006) oder Thouard (2016).

Es wird hier kein Versuch unternommen, die humboldtsche Sprachwissenschaft in ihrer ganzen Breite aufzuzählen, wäre dies doch eine nutzlose Fleißaufgabe. Jedes Schriftenverzeichnis und vor allem der Nachlaßband von Mueller-Vollmer (1993) geben über die Spannbreite von Amerika bis China, von Chile bis Indonesien, von Phonologie bis Lexikon, von Sprachwandel bis Typologie, von der Antike bis in die neueste Zeit Auskunft. Und am Ende hätte man in einer solchen Aufzählung ja doch wieder irgend etwas vergessen, wie die gemeinsame Arbeit mit dem Wiener Hofbibliothekar und Slawisten Jernej (Bartholomäus) Kopitar an einer Böhmischen Grammatik oder seine nachgelassenen Manuskripte zum Rätoromanischen oder zum Katalanischen. Man kann am besten schlaglichtartig Punkte herausnehmen. Allein die Akademiereden, neu herausgegeben von Trabant als Humboldt (1994) geben ein breites Bild. An einer dieser Akademiereden läßt sich die Verworrenheit (oder vielleicht doch: Linearität?) der Rezeptionsgeschichte illustrativ darlegen, nämlich jener, die sich mit dem Entstehen der grammatischen Formen, also der Grammatikalisierung beschäftigt (Humboldt 1825).60 Die Berliner Akademieschriften, in denen der humboldtsche Text vorlag, waren weit verbreitet. Weniger weit allerdings seine Erkenntnisse zur separativen Markierung in der Agglutination (vgl. Humboldt 2012, sein bereits erwähntes Astarloa Exzerpt bzw. seine Studien zu Larramendi und Astarloa, beide im genannten Band).61 Es gibt Gründe anzunehmen, daß die Darstellung des Prozesses der Grammatikalisierung common knowledge der Sprachwissenschaft des 19. Jahrhunderts war, daß ein Diez oder ein Schuchardt, wie andere historische Sprachwissenschaftler auch, selbstverständlich und ohne auf eine Autorenschaft zu rekurrieren, von der Entstehung zum Beispiel des romanischen Futur aus einer analytischen Struktur ausgegangen sind. Von Gabelentz gibt es dazu die Erweiterung mit der Metapher der Spirale, in der sich die Entwicklung »in eine parallele Bahn […] zurückkrümmt« (Gabelentz 1891, S. 251) und neu einsetzt. Ob Erwähnung oder nicht, Gabelentz’ Bezug auf Humboldt wurde nie infrage gestellt, so sehr liegt er auf der Hand (vgl. auch Lehmann 2002, S. 3). Meillet greift den Spiralvergleich auf, seine Zitierfreudigkeit gegenüber Gabelentz und Humboldt lässt jedoch zu wünschen übrig, obwohl sogar der Titel seiner Schrift von Humboldt übernommen zu sein scheint;62 es ist unwahrscheinlich, daß Meillet, der sich in Publikationen speziell mit dem Beitrag der Deutschen zur Philologie beschäftigt hat, diese Arbeiten nicht kannte. Wesentlich häufiger sind in Meillets Werk die abschätzigen Äußerungen über Humboldt zu finden: »Mais c’est un fait que les idées de Humboldt souvent évoquées depuis leur publication n’ont jamais provoqué aucun travail utile, tandis que l’enseignement de Bopp a donné naissance à une science entière«, schreibt er (Meillet 1933) und nennt die Lektüre von Humboldts Schriften »souvent décourageante« und seinen Einfluß »sur les savants paraît avoir été médiocre par la suite« (Meillet 1923, S. 264). Geltung bewahren für ihn vor allem Humboldts Erkenntnisse über das Zusammenspiel von Sprache, Denken und Kultur, die seinem Bild vom romantikaffinen Humboldt entgegenkommen. Alles andere aus dem umfangreichen Werk, über das Meillet sehr wohl Bescheid wußte, war für ihn entweder bloßer Idealismus, oder es war ohne Bedeutung oder es wurde von Bopp auf die Beine gestellt und für die Wissenschaft brauchbar gemacht. Auch war Meillets Wertschätzung der Sprachtypologie – wobei er sich auf die morphologisch orientierte Worttypologie bezieht und nicht auf das weitere humboldtsche Konzept einer allgemeinen Grammatik – typisch für einen späten Vertreter der Junggrammatiker, ebenfalls äußerst gering und von Unverständnis geprägt.63

Es ist davon auszugehen, daß alle wichtigen Interessensgebiete Humboldts in der Sprachwissenschaft des 19. Jahrhunderts fortgelebt haben, und zwar sowohl die oft als solche bezeichneten sprachphilosophischen als auch die empirischen. Friedrich Müller war auf seine nicht immer unumstrittene Art ein Vertreter des enzyklopädischen Programms der allgemeinen Sprachenkunde, eines der Lebensprojekte Humboldts. Den 2. Band von seinem Grundriss der allgemeinen Sprachwissenschaft (1876–1885), der sich mit den amerikanischen Sprachen befaßt, widmet er Wilhelm von Humboldt, einem, von dem es im Zusatz auf Sanskrit heißt, der war und den es so nicht mehr geben wird (vgl. das Zitat in Abb. 4).
Abb. 4

Widmung von Friedrich Müller: Grundriss der Sprachwissenschaft, Band 2. Wien: Hölder, 1879: Open image in new window

Aufgrund der Materialdichte ist davon auszugehen, daß Müller nicht nur wußte, daß Humboldt sich auch mit amerikanischen Sprachen beschäftigt hatte, sondern daß er das humboldtsche Material, das ja in der Berliner Bibliothek zugänglich war, über die publizierten Arbeiten hinaus kannte.

7 Einheit und Vielfalt

Die Beschränkung des Blickwinkels auf ein(zeln)e Schule(n) oder einzelne Subdisziplinen des Faches an wenigen Universitätsstandorten ist wohl kaum in der Lage, ein wirklicher Gradmesser für die Entwicklung der Sprachwissenschaft zu sein und, darin eingeschlossen, den Einfluß von Humboldts Denken abzubilden. Weder in die eine, noch in die andere Richtung. Doch können auch einzelne positive Evidenzen die Negation widerlegen. Das war eines der Anliegen der gegenständlichen Arbeit. Die Sprachwissenschaft des 19. Jahrhunderts entwickelt sich zu einem komplexen Zweig dessen, was sich als Geisteswissenschaften oder Philosophische Fakultäten an deutschen Universitäten neu etabliert bzw. institutionalisiert. Sicherlich nimmt dieses Fach, auch wenn es in mancher Hinsicht auf die Theoriebildung anderer Fächer gewirkt hat, keine allzu außergewöhnliche Stellung ein. Ein in Graz angesiedeltes Projekt unter dem Titel »Netzwerk des Wissens« hat einige Faktoren der Entwicklung, die sich als konstitutiv dargestellt haben, zu verbinden gesucht, und es ist anzunehmen, daß mutatis mutandis analoge Entwicklungen für andere Wissenschaftszweige ausgemacht werden können. Ziel des Projekts ist es, insofern versteht es sich auch als Fußnote zu Walter Benjamins Passagenwerk, die direkten und indirekten Auswirkungen der Industrialisierung auf das Denken und die Entwicklung eines geisteswissenschaftlichen Faches zu begründen.64 Die Konsequenzen dieser häufig unterschätzten Komponenten der Wissens- und Wissenschaftsentwicklung waren weitreichend. Hervorzuheben in diesem Kontext ist jedenfalls, daß sie eine wichtige Rolle in der Kanonisierung und Institutionalisierung bei gleichzeitiger Ausdifferenzierung der Wissenschaften ab den späten 1840er Jahren gespielt haben und letztlich bis zum Einbruch des Buchmarktes rund um den Ersten Weltkrieg von Bedeutung waren. Mit seinem Modell der Reform der Bildungseinrichtungen legte Wilhelm von Humboldt bereits einen Grundstein für diese Entwicklung. Die Ausdifferenzierung war enorm und reproduzierte jene der extremen Pole von Historismus und Modernismus.65 Daß in manchen Forschungsfeldern aus diesem Spektrum für Humboldt, vor allem für einen a posteriori auf seine sogenannt sprachphilosophischen Topoi verengten Humboldt, kein sonderliches Interesse geherrscht hat, ist mehr als verständlich. Er war eher im modernistischen Flügel präsent – und fehlte im historistischen. Der Raum, über den man spricht, wenn man sich der Präsenz oder Absenz Humboldts im 19. Jahrhundert widmet, ist neu zu bestimmen. Der Diskurs ist zu erweitern, sowohl was die humboldtsche Sprachwissenschaft, als auch was die Ausdifferenzierung des Faches Sprachwissenschaft betrifft. Erstere hat natürlich zu zweiterer beigetragen, ein Umstand, der in der Sprachwissenschaft lange nicht verstanden wurde. Diese Retardierung könnte ein Indiz für eine schwache Rezeption Humboldts sein.

Wenn die Junggrammatiker jene sprachwissenschaftliche Schule waren, die Humboldt in allen Bedeutungen des Wortes verdrängt hat, dann liegt es doch zunächst einmal nahe, bei jenen Forschern, die eine Opposition zu den Junggrammatikern aufgebaut haben, nach humboldtschen Elementen zu suchen. Doch ist das Verb, das das bezeichnen soll, was mit Humboldt in der 2. Hälfte des Jahrhunderts vermeintlich geschehen ist, wohl zu überlegen. Vergessen, verschwinden (zum Verschwinden bringen), verdrängen usw. setzen allesamt eine Tätigkeit voraus, deren handelnde Intentionalität in unterschiedlichem Maß abgeschwächt ist. Das Agens ist verdunkelt. Nun sei es jeder Denkschule prinzipiell gestattet, ihr Paradigma und ihr Forschungsprogramm so zu gestalten, daß für Wilhelm von Humboldt darin kein Platz ist. Das gilt natürlich auch für die Junggrammatiker: Allein aus dem Umstand, daß Humboldts Oeuvre für die Interessen der Junggrammatiker von geringer oder keiner Relevanz ist, kann und darf man a priori noch keine anti-humboldtische Stellung ableiten; ebensowenig aus dem methodischen Credo, das sich an anderen wissenschaftlichen Verfahren orientiert. Es gab übrigens durchaus außergewöhnliche Repräsentanten des historischen Fachs (wie etwa die beiden oben bereits genannten G.I. Ascoli oder F. Miklosich), die sich in einer gewissen Nähe zu den Junggrammatikern und zugleich einer humboldtschen Tradition verbunden sahen. Das Forschungsparadigma dieser Schule hat mit humboldtschen Fragestellungen nicht viel zu tun. Hier kann immanente Kritik ansetzen, doch handelt es sich im Verhältnis zum Paradigma somit um eine Marginalie. Es mußte nichts verdrängt werden, die Ansätze haben von vornherein wenig miteinander zu tun. Doch sollte man das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Zitate der engstirnigeren Junggrammatiker wie Berthold Delbrück zu Humboldt sind von begrenztem wissenschaftshistorischen Interesse. Selbstverständlich gab es – das gilt in der Sprachwissenschaft als common sense – aus jener engeren Schule auch Vertreter, die mit einem breiteren, an Humboldt angelehnten Grammatikkonzept durchaus etwas anzufangen wußten, man denke nur an Hermann Paul und seine Prinzipien der Sprachgeschichte. Unter den militanten Gegnern der Junggrammatiker wird man dennoch viel leichter fündig, wenn man humboldtsche Elemente sucht.66 A.F. Pott war gewissermaßen ein Einzelgänger, der sich auch in seiner lange währenden universitären Tätigkeit kaum in die Institution integriert hat. Und er schaffte es, auf beiden Hochzeiten zu tanzen. Als Einzelgänger muten retrospektiv auch andere Gegner der Junggrammatiker an, die bereits genannt wurden, keinen Schulen angehörende Größen des Fachs wie Jan Baudouin de Courtenay, Graziadio Isaia Ascoli, Franz von Miklosich, Hugo Schuchardt, Hans Conon von der Gabelentz, Georg von der Gabelentz und andere. Insofern wird gerade ihre Partizipation am und Beitrag zum oben genannten »Netzwerk des Wissens« verständlicher und bedeutsamer. Das epistolarische Netzwerk übernahm gewisse Funktionen und Aufgaben der Schule (Wissensdistribution, Kohäsion u.a.).

Der Vergessens-Diskurs nobilitiert einige der Beteiligten: den Vergessenen, das Opfer, dem Unrecht geschehen ist sowie auch den Aufdecker des Vergessens, er kolpevolisiert dagegen denjenigen, der sich des aktiven Vergessens, Verdrängens oder Zum-Verschwinden-Bringens schuldig gemacht hat. Denn hinter letzterem wird – implizit oder offen – eine Absicht vermutet.67 Humboldt zu viktimisieren, wie es durchaus geschieht,68 passiert nicht ganz zu Recht; denn er war kein Opfer. Sollte es eine mangelnde Rezeption gegeben haben, so hat er dazu auch selbst beigetragen: durch schleppende und fehlende Publikationstätigkeit, durch stilistische Eigenheiten und gelegentliche Manieriertheit, durch methodisch unkonventionelles und gelegentlich rhapsodisches Vorgehen und durch eine Themen- und Sprachenwahl, die abseits des mainstream lag. Es gab auch politische Parteinahmen Humboldts, die ihn für bestimmte Kreise zu einem roten Tuch werden ließen: Sein Memorandum69 zum Gesetzesentwurf über die Gleichstellung der Juden aus dem Jahr 1809 (GS X, S. 97–115) trug ihm die schroffe Ablehnung der Deutschnationalen und 130 Jahre später auch der Nationalsozialisten ein.70

Ein großes Problem in der Argumentation über die Präsenz Humboldts liegt im wissenschaftlichen Diskursstil der Zeit, denn es wurde so einfach und leicht nicht zitiert. Die angesprochenen medialen Neuerungen im Wissen(schaft)sbetrieb des 19. Jahrhunderts schlossen auch neue Textsorten ein, die erst stilistisch und methodisch kanonisiert werden mußten. Neben Rezensionen, Anzeigen und anderen Formaten entstand der wissenschaftliche Essay. Doch waren Kontextualisierung, Literaturreferat und Positionierung Kriterien, die erst allmählich in Essays Eingang fanden und dadurch selbst zur eigenen Positionierung in einem Diskurs beitrugen. Klare Bezugnahmen zu Arbeiten anderer gab es selbstverständlich in Besprechungen, doch war der Übergang zum Essay gelegentlich fließend. So wurde Humboldt ebensowenig zitiert wie andere. Neben den klaren Bezügen, die Autoren hergestellt haben,71 gibt es zwei Aspekte, die hier hoffentlich angesprochen wurden: allgemeines Wissen im Sinne des common knowledge einer Wissenschaftsgemeinschaft und stille Fortsetzungen von Arbeitsprogrammen oder Themen. Das Schuchardt’sche Credo, das seinen Aufsatz über Das Baskische und die Sprachwissenschaft (einer seiner letzten großen Aufsätze aus 1925) beschließt, »Das wahre Finden liegt im wahren Suchen«,72 weist den Autor viel deutlicher als Humboldtianer aus, als irgendein direkt reproduzierend-zitierender Bezug. Man sollte sich jedenfalls davor hüten, eine Rezeptionsdiskussion auf der Basis von wissenschaftlichen Gepflogenheiten und Techniken des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts zu führen. Von Humboldt formulierte Erkenntnisse sind im 19. Jahrhundert – ob zitiert oder nicht – Teil des allgemeinen Wissens in der allgemeinen Sprachwissenschaft unterschiedlicher Couleur.73

Fußnoten

  1. 1.

    Mein Dank gilt den Veranstaltern des Symposiums an der Universität Siegen für die Einladung, bzw. den Herausgebern des vorliegenden Bandes für ihre editorische Arbeit. Er gilt aber auch den beiden Mitreferenten Ludwig Jäger und Clemens Knobloch für das meines Erachtens gelungene Experiment, zu einer gleichen oder ähnlichen Frage konträre Beiträge zu liefern und sich darüber produktiv auszutauschen – und das in freundschaftlicher Atmosphäre und sine ira et studio.

  2. 2.

    Mutatis mutandis gilt dies auch für seinen Bruder Alexander, wenngleich die Popularität Alexanders zu Lebzeiten wesentlich größer war. Ob es stimmt, wie der schon betagte Hugo Schuchardt in einer Anekdote über einen geflohenen Carlisten-General berichtet, der in Schuchardts Heimatstadt Gotha Unterschlupf gefunden hatte, dass dieser ihn als »kleinen Humboldt« titulierte, sei dahingestellt. Schuchardt kommentiert jedenfalls ironisch: »Wenn er Wilhelm von Humboldt gemeint hätte, würde ich mich noch heute darüber freuen, er meinte aber seinen jüngeren Bruder Alexander, der damals für den Ausbund aller Wissenschaften galt und dessen Kosmos sogar in den Boudoirs eleganter Damen lag.« (Schuchardt an Julio de Urquijo am 23. August 1919; in Hurch & Kerejeta, eds., 1997, S. 233; http://schuchardt.uni-graz.at/id/letter/3562).

  3. 3.

    Nach heutigen universitären Didaktikvorstellungen sind solche Texte für Studenten unzumutbar, wahrscheinlich sogar schädlich. Der ›Styl‹ Humboldts war schon im 19. Jahrhundert Thema, so bei Steinthal, der in der ihm üblichen ausladenden Art einerseits die poetischen Erhöhungen hervorhebt, andererseits aber auch von ›Mangelhaftigkeit der Darstellung‹ und ›Fehler[n] des Styls‹ spricht. Insgesamt findet er aber Humboldts Form ›durchaus charaktervoll‹ und ›durchaus subjektiv‹ (Steinthal in Humboldt 1883–1884, S. 25).

  4. 4.

    Einschlägige Stilstudien wurden meines Wissens nie unternommen. Am eklatantesten treten die Unterschiede zwischen den wahrlich manierierten Briefen an Goethe und Schiller hervor, gegenüber dem unprätentiösen und oft heiter alltäglich erzählenden Ton in den Briefen an seine Frau Caroline.

  5. 5.

    Es soll nicht verschwiegen werden, daß es eine kleine und wiederkehrende Liste von auf Humboldt aufbauenden spezifischen Arbeiten des 19. Jahrhunderts gibt, die quasi als Ausnahmen fungieren, die die Regel bestätigen, allen voran die Studie zum Passiv von Hans Conon von der Gabelentz (vgl. Koerner 1977, Ringmacher 2011).

  6. 6.

    Vgl. z.B. Jürgen Trabants (2017) Vortrag anläßlich der 250-Jahr-Feiern von Humboldts Geburtstag an der Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der sich mit den Akademievorträgen beschäftigt hat, insbesondere deren Veranstaltung und Nachwirkung. Trabant hat interessante Daten z.B. über die Anwesenheiten bei Humboldts Vorträgen an der Akademie präsentiert, die Darstellung der Wirkungsgeschichte dieser Schriften war jedoch allzu verkürzt auf direkte Belege. Er nannte – in drei Gruppen gegliedert – lediglich folgende Rezipienten: Steinthal und Gabelentz; Boas, Sapir und Bloomfield sowie Cassirer. Allerdings ging es in seinem Vortrag zwar nur, aber immerhin doch um das Fortwirken der Akademieschriften Humboldts.

  7. 7.

    Vgl. dazu aber auch Knoblochs Beitrag in diesem Heft.

  8. 8.

    Diese hier vertretene Sicht ist nicht neu. Bösch (2006) beschäftigt sich mit der Rezeption Humboldts in Frankreich und kommt dort zu einem durchaus diversifizierten Bild.

  9. 9.

    Interessanterweise dauerte es mit der Veröffentlichung bzw. Wiederveröffentlichung politischer Schriften und Memoranda wesentlich länger, zum Teil bis zu den Gesammelten Schriften. Im folgenden wird es jedoch ausschließlich um die wissenschaftlichen Schriften gehen.

  10. 10.

    Auf die recht eigenwilligen editorischen Verfahren Steinthals wurde oft hingewiesen; der Titel wirkt nicht weniger eigentümlich. In Potts Edition sind jedenfalls die eigenen Texte von Humboldts Schrift klar getrennt, obwohl auch hier einiges Editorische nicht den heutigen Richtlinien entspricht. Steinthals Präsentation ist stark apodiktisch; auf die Meriten Potts wird unten noch gesondert eingegangen. Die beiden werden oft in einem Atemzug als die Doyens und Dominatoren der Humboldt-Exegese des 19. Jahrhunderts genannt.

  11. 11.

    Gut dokumentiert in Dunken (1962).

  12. 12.

    Vgl. Hurch (2018a), mit viel weiterführender Literatur.

  13. 13.

    Ebenfalls in Hurch (2018a) gehe ich ein wenig ausführlicher darauf ein; doch wäre eine eingehende Studie zu den Beständen dieser Bibliotheken und vor allem auch zu den wissenschaftlich ernstzunehmenden Arbeiten von Gymnasiallehrern und deren Publikationen in Jahresberichten ihrer Schulen äußerst wünschenswert. Mir ist dazu forschungshistorisch nichts bekannt.

    Von den Wissenschaftlern, die im vorliegenden Artikel eine Rolle spielen, war es gerade A.F. Pott, der auch von dieser Permeabilität profitierte. Er unterrichtete, bevor er nach Berlin zu Bopp ging, einige Jahre am Gymnasium in Celle (vgl. Leopold 1983, Plank 1993).

  14. 14.

    Das Börsenblatt des deutschen Buchhandels Nr. 184 (1922), S. 1149 beklagt jedenfalls zum Ende dieser hier zu besprechenden Periode explizit den Ausfall der Oberlehrer und Professoren als Kunden. Vgl. z.B. auch Schneider (2007).

  15. 15.

    Details in Hurch (2018b). Es wird unten noch einmal darauf zurückzukommen sein, daß in einzelnen Subdisziplinen der Sprachwissenschaft, wie etwa in der deutschsprachigen Baskologie, Humboldt eine eminent wichtige, wenn nicht überhaupt dominierende Rolle gespielt hat. Daß allerdings nicht alle Arbeiten die Qualität der genannten Grimmschen Schrift erreicht haben, soll auch nicht verschwiegen werden.

  16. 16.

    Beklagenswerterweise ist die Kooperationsbereitschaft der Gymnasien in Deutschland und Österreich heute sehr gering. Das betrifft sowohl die mangelnde Unterstützung der Recherche über Bestände wie selbstverständlich insbesondere die Auflösung der Bestände. Fast hat man den Eindruck, mit Nachfragen zu diesen einen wunden Punkt der Schulgeschichte und -politik zu berühren. Die Lehrerhandbibliotheken wurden generell aufgelöst, teils durch Integration der Bücher in Schülerbibliotheken, teils durch Verkauf auf dem Antiquariatsmarkt und ohne sichtbare Spuren in den Schulen selbst oder ihren Annalen zu hinterlassen. Die offizielle Begründung ist zumeist, daß Frakturschrift nicht mehr gelehrt wird und daher Bücher in Frakturschrift von Schülern nicht mehr verstanden werden und somit im Bestand der Schule überflüssig sind. Es dürfte sich jedoch viel eher um wissenschaftliche Literatur handeln, die ausgesondert wurde – und das in der Regel erst nach dem 2. Weltkrieg. Die Pott’sche Humboldt-Edition ist übrigens nicht in Fraktur gedruckt, wurde aber trotzdem überall ausgeschieden.

  17. 17.

    Siehe auch dazu im Detail unten bzw. Hurch (2018b).

  18. 18.

    Vgl. dazu die Zeugnisse des späteren Literaturnobelpreisträgers Paul Heyse, ehemals Student bei Mahn, der noch 1887, also Jahrzehnte später, in Briefen an Hugo Schuchardt als Nachweis für seine bei Mahn erworbenen Baskischkenntnisse freihändig den Beginn des Gleichnisses vom Verlorenen Sohn auf Baskisch zitiert. Auch dieses kann auf keine andere Quelle als auf Humboldts Mithridates-Beitrag zurückgehen. Vgl. z.B. die Postkarte von Mahn an Schuchardt vom 23. Juli 1887, http://schuchardt.uni-graz.at/id/letter/4642, zuletzt aufgerufen am 21.05.2018.

  19. 19.

    Er hielt sich vom 9.–13. Mai 1801 in Durango auf.

  20. 20.

    Dieses Exzerpt war bis zur Identifizierung (durch Maria Jose Kerejeta und mich in Krakau im Jahr 1998) und Publikation eines Teils des Originals in Hurch, ed. (2002) das einzige Zeugnis dieses Manuskripts von Astarloa; es wurde aus diesem Grunde lang vor seiner Veröffentlichung im Deutschen in Humboldt (2012) von den Basken in (leider schlechter) spanischer Übersetzung herausgebracht und rezipiert. Wie viel er Astarloa verdankt, formuliert Humboldt auch noch fast drei Jahrzehnte später: »Zugleich wurde ich in den so sehr abweichenden Bau dieser Sprache, der sich aus Harriet̕s und Larramendi̕s Grammatiken mehr ahnden, als rein erkennen lässt, durch einen einheimischen Sprachforscher eingeführt, der, ohne irgend bedeutende gelehrte Kenntnisse, seine eigne Sprache mit grossem, wenn auch vielleicht zu weit getriebenem Scharfsinn zergliedert hatte.« (Humboldt 1907, S. 139). In der dazugehörigen Fußnote nennt er Astarloa und sein og. Manuskript des Plan de lenguas als jenen, »der viel wichtigere und nützlichere Sprachuntersuchungen angestellt hatte, als sich aus seinen gedruckten Werken entnehmen läßt […]« (ebenda).

  21. 21.

    Der Terminus ›Ergativität‹ wurde erst um die Wende zum 20. Jahrhundert von Alfredo Trombetti eingebracht.

  22. 22.

    Ähnliche Positionen zu Pott findet man in der Literatur häufig; ob Mueller-Vollmers Autorität in der Verbreitung dieser Position mitgespielt hat, kann man nur erahnen. Gelegentlich findet man Verweise, die direkt an die Mueller-Vollmerschen Argumente erinnern.

  23. 23.

    Im Namensindex zu seiner Einleitung in die Allgemeine Sprachwissenschaft ist Humboldt der häufigstzitierte Autor, neben Grimm auch in der Litteratur der Sprachenkunde Europas.

  24. 24.

    Entgegen der Annahme von Koerner geht es hier nicht um die klassische morphologische Typologie, zu deren Formierung Humboldt bekanntlich auch beigetragen hat, sondern um den heute als viel nachhaltiger erwiesenen Ansatz der Kategorien- und Sprachverschiedenheitsforschung.

  25. 25.

    Die moderne Reduplikationsforschung könnte in vieler Hinsicht bei Pott in die Lehre gehen, insbesondere mit dem Vorschlag, andere Verfahren der Doppelung wie Reimbildung, Assonanz, Harmoniestrategien, Gemination, aber auch Versifikation, Rhythmus usw. in die Theoriebildung einzubeziehen. Gerade diese Breite zeigt humboldtsche Züge. Strenge Junggrammatiker fanden die Studie jedoch möglicherweise zu rhapsodisch.

  26. 26.

    Auf das »glückliche Ereigniss«, gerade zu Beginn seiner Sprachstudien so detailliert mit dem Baskischen beschäftigt gewesen zu sein, weist Humboldt in späteren Schriften immer wieder hin, so z.B. in § 22 der Verschiedenheiten (Humboldt 1907, S. 137). Vgl. auch Fußnote 20 oben.

  27. 27.

    Es mag dies auch dem Umstand geschuldet sein, daß die Protagonisten des Vergessensdiskurses selbst nicht im Fach allgemeine Sprachwissenschaft als Fortsetzerin der allgemeinen Sprachenkunde beheimatet sind.

    Anderen exotischen Philologien/Linguistiken aus Humboldts Schaffen ging es in ihrer Wahrnehmung durch die deutsche Wissenschaft nicht viel besser. Das spezifische Interesse, das z.B. Mueller-Vollmer für die Kontakte zwischen Humboldt und Pickering sowie Humboldt und Duponceau zeigt, vgl. die einschlägigen Veröffentlichungen, sind eher dem Arbeitsort und dem langjährigen Forschungsthema deutsch-amerikanischer Beziehungen im 19. Jahrhundert geschuldet, nicht aber genuin dem Interesse an indigenen Sprachen.

  28. 28.

    Georg von der Gabelentz’ Humboldt-Tradition wurde in der Literatur oft evoziert. Ringmacher (2011) hat – allerdings ohne Bezug auf seine baskischen Arbeiten – diese auf verschiedenen Ebenen, von direkten Bezügen bis zur Fortsetzung eines Forschungsprogramms, als ›Humboldtianismus‹ nachgewiesen. Die spezifisch baskischen Studien, die die Verwandtschaft mit den Berbersprachen nachweisen sollen, gelten als äußerst problematisch. Vgl. dazu Hurch & Purgay (2019, in print).

  29. 29.

    Auf sie wird unten im Kontext der deutschsprachigen Baskologie noch zurückzukommen sein.

  30. 30.

    Ich folge in dieser Arbeit der in der ›Humboldt-Philologie‹ üblichen Bezeichnung einiger Schriften: die Urbewohner oder Prüfung bezieht sich auf Humboldt (1821), der Mithridates-Beitrag oder Berichtigungen auf Humboldt (2010a [1817]), das Kawi Werk auf die ab 1836 erschienene Abhandlung, davon Band 1 als die Verschiedenheit; schließlich als die Verschiedenheiten das 1827–29 entstandene Manuskript, das in den GS VI erstveröffentlicht ist.

  31. 31.

    Bislang sind davon, in Rekonstruktion der Pläne Humboldts zum Baskenwerk selbst, zwei Bände erschienen (Humboldt 2010b und 2012).

  32. 32.

    Exemplarisch kann man das an dem Aufsatz »Wem gehört Humboldt?« von Oesterreicher (1981) zeigen, der sich mit den geistesgeschichtlichen Hintergründen Humboldts, eben auch in Frankreich, beschäftigt sowie sehr ausführlich auch mit den Ideologen, jedoch gerade die Baskologie und speziell auch die baskischen Vertreter dieser Richtung (z.B. Dominique Joseph Garat, mit dem Humboldt in Paris engen Kontakt pflegte und der die Baskenreise Humboldts tatkräftig unterstützt hatte) unerwähnt läßt.

  33. 33.

    Dem Hinterlassenen ist zu entnehmen, wie umfangreich dieses dreibändige Baskenwerk werden sollte. Details dazu in den bislang vorliegenden Bänden Humboldt (2010b und 2012), der dritte der geplanten Baskenbände steht kurz vor der Fertigstellung. Ein solches Unterfangen wie das von Humboldt geplante hat selbstverständlich auch eine Menge an Nebenprodukten hervorgebracht, Materialsammlungen, Handschriften fremder Autoren usw., von denen einige der wichtigsten in Hurch, Hg. (2002), zusammengestellt und erstveröffentlicht worden sind. Doch erwähnt auch dieser Band nur einen Bruchteil der Schriften, die allein anhand der von Humboldt selbst zusammengestellten Baskischen Arbeitsbücher, den Collectanea linguistica in folio 73 und 74 aus dem Nachlaßbestand der Berliner Staatsbibliothek (heutiger Standort: Jagiellonische Bibliothek, Krakau), ersichtlich sind.

  34. 34.

    Am umfangreichsten im Band von Justo Gárate (1933).

  35. 35.

    Vgl. z.B. Trabant (1997), Rousseau (2004); dagegen Bösch (2006, S. 156 ff.).

  36. 36.

    Eine historisch-kritische Edition, die auch die beiden handschriftlichen Vorversionen abbildet, wird in Band II.3 der Schriften zur Sprachwissenschaft, Paderborn: Schöningh, erscheinen.

  37. 37.

    So 1866 ins Französische von M.A. Marrast, verschiedene Übersetzungen ins Spanische: 1835 übersetzt von J.M. Arguinzoniz; 1879 von R. Ortega y Frías; 1934–35 von T. de Aranzadi, 1959 von F. Echebarría, 1990 von L. Rivero.

  38. 38.

    Im deutschsprachigen Raum hat das Thema allerdings nicht sehr viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, erst im späteren 20. Jahrhundert durch die Trümmersprachendiskussion bei Untermann.

  39. 39.

    Auch Bösch (2006, S. 153ff.) behandelt die Aufnahme in Frankreich.

  40. 40.

    Diese waren, wie dem Lesevermerk mit Unterschriften auf dem Deckblatt des Manuskripts zu entnehmen ist: Pierre Antoine Daru, Silvestre de Sacy, Etienne Marc Quatremère, François Guillaume Andrieux, Jean Pierre Abel Rémusat. Zu Einzelheiten des Verfahrens vgl. Leopold (1999, S. 249–250). Die Arbeiten und Verfahrensunterlagen sind im Archiv der AIBL in Paris einsehbar.

  41. 41.

    Guido Görres [1805–1852] war Sohn des ungleich bekannteren Joseph Görres und wie sein Vater katholischer Publizist. Er übernahm späterhin gemeinsam mit George Phillips (der übrigens ebenfalls eher fragwürdige Schriften zum Baskischen publiziert hat) die Herausgeberschaft der ›Historisch-politischen Blätter für das katholische Deutschland‹. Weitere sprachwissenschaftliche Arbeiten von Görres sind nicht überliefert. Mit Humboldt korrespondierte er im Zuge der Abfassung dieser Wettbewerbsschrift; desweiteren ist im Archiv in Tegel eine Antwort Humboldts an Görres erhalten (von Leitzmann in Humboldts Gesammelten Schriften, Bd.VII.2, S. 645–652 veröffentlicht). Darin reagiert er auf einen leider nicht erhaltenen Aufsatz von Görres, in dem dieser sich mit Humboldts Akademieschrift »Über die Entstehung der grammatischen Formen« auseinandersetzt. Dieses ganze Konvolut von Schriften (mit lateinischem Original und Übersetzung der in Paris eingereichten Arbeit) wird von mir gemeinsam mit Andreas von Rauch kritisch ediert und in absehbarer Zeit erscheinen.

  42. 42.

    Die von Antoine d’Abbadie (und Dassence, dem Biographen des Preisgewinners Abbé Darrigol) vorgebrachte – und aufgrund seiner Autorität auch von anderen übernommene – Behauptung, der genannte Aufsatz stamme von Humboldt selbst und sei nur wegen seiner Bekanntheit unter einem Pseudonym Görres eingereicht worden, war in Baskologenkreisen des 19. Jahrhunderts zwar rekurrent, entbehrt jedoch jeder ernsthaften Begründung.

  43. 43.

    Auch der jahrelange Mitarbeiter von G. Görres und Fortsetzer als Herausgeber der Historisch-politischen Blätter George Phillips orientierte sich an seinen baskologischen Veröffentlichungen in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie der Wissenschaften vorwiegend an Humboldt.

  44. 44.

    Vgl. Hurch (2018b) für eine vollständigere Darstellung der deutschsprachigen Baskologie des Jahrhunderts. Eine qualitative Bewertung der Arbeiten von Figuren wie Karl Hannemann, Theodor Linschmann, Arno Grimm, August Mommsen, George Phillips, Johann Topolovšek, Rudolf Cruel, Georg Gerland und anderen kann hier nicht in der notwendigen Ausführlichkeit geleistet werden. Über Gabelentz’ baskologische Versuche wurde an anderer Stelle gehandelt; vgl. Hurch (2011) sowie Hurch & Purgay (2019, in print).

  45. 45.

    Die Briefe des äußerst schaffensfreudigen deutschen Schriftstellers Paul Heyse (1830–1914, Nobelpreisträger für Literatur 1910) an Schuchardt (vgl. z.B. die Postkarte vom 23. Juli 1887, link: http://schuchardt.uni-graz.at/id/letter/4642) geben ein lebendiges Zeugnis von der baskischen Lehre Mahns in Berlin.

  46. 46.

    Dafür sprechen viele Argumente, nicht zuletzt, daß Einleitungstext sowie Systematik klar von Humboldt übernommen sind.

  47. 47.

    Diese Überschrift versteht sich natürlich als Reminiszenz an Ringermachers (2011) Ausführungen zu Gabelentz.

  48. 48.

    Um die ohnehin schon überfrachtete Bibliographie des vorliegenden Beitrags nicht noch weiter aufzublähen, werde ich die folgenden Schriften Schuchardts jeweils nur mit Titelhinweis bzw. Jahr angeben; Details sind im elektronischen Hugo Schuchardt Archiv (HSA) unter: http://schuchardt.uni-graz.at/werk/schriften/vollstaendige-liste (zuletzt am 25.05.2018) abrufbar.

  49. 49.

    Am Rande: Johannes Schmidt war Indogermanist in Graz und von der Fakultät Mitte der 1870er Jahre beauftragt, den Kontakt mit Schuchardt bezüglich seines Rufes nach Graz aufzunehmen und zu verhandeln. Allerdings übernahm Schmidt ungefähr zu derselben Zeit, als Schuchardt nach Graz kam, selbst die renommierte Professur in Berlin, die vormals Bopp innehatte. Vgl. den instruktiven Briefwechsel zwischen den beiden im HSA, sowie die Veröffentlichung der Berufungsunterlagen ebenda unter »Lebensdokumente«.

  50. 50.

    Die detaillierten Ausführungen und Begründungen zum Sprachwandel, so zu einer klaren Unterscheidung in internen und externen Wandel nach heutiger Terminologie, gibt Humboldt in den Verschiedenheiten, § 134ff., es ist dies insgesamt einer der zentralen Texte zu Humboldts Sprachwissenschaft.

  51. 51.

    Vergleiche das genannte digitale Hugo Schuchardt Archiv, wo zum gegenwärtigen Zeitpunkt circa 7.000 Briefe in Abschrift, kommentiert, beschlagwortet und zusätzlich als Faksimile zugänglich sind. Sie bilden eine Ressource von unermeßlichem, bislang nicht annähernd ausgeschöpftem Potential über Erkenntnis- und Wissensprozesse der 2. Hälfte des 19. und der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.

  52. 52.

    Auch andere Gründungsväter wie G.I. Ascoli sind zu nennen, die sich in ähnlicher Weise kritisch an die Junggrammatiker angenähert haben, ohne die Forschungsinteressen hintanzustellen oder aufzugeben, die sich explizit in humboldtscher Tradition bewegen. Vgl. seine Rätoromanischen Arbeiten, aber auch die Studien zu den Sprachkontaktarealen im nordöstlichen Italien und angrenzenden Balkan (Ascoli stammte selbst aus Görz/Gorizia).

  53. 53.

    Anekdotisch ließe sich ein kurzes unterhaltendes Dankschreiben von Brugmann an Schuchardt nennen anläßlich der Übersendung des Druckes der Leipziger Probevorlesung, gehalten 1872, veröffentlicht 1900, abrufbar unter: http://schuchardt.uni-graz.at/id/letter/1767 (zuletzt abgerufen am 13. September 2018). Schuchardt hatte ja seine Habilitation und Probevorlesung in der Höhle des Löwen absolviert und 30 Jahre danach jenen, die der mündlichenVeranstaltung beigewohnt hatten, den Druck geschickt. Brugmann gesteht in der zeitlichen Distanz das vollkommene Unverständnis seinerseits ein, allerdings ohne weitere Annäherung.

  54. 54.

    Vgl. dazu auch Bossong (1984).

  55. 55.

    Zum ganzen Brief siehe das Hugo Schuchardt Archiv unter: http://schuchardt.uni-graz.at/id/letter/5757 (zuletzt abgerufen am 13. September 2018).

  56. 56.

    Wiewohl man Humboldt zugute halten muß, daß er sich an anderem Ort, z.B. in Bezug auf Astarloa, vehement gegen die Apologetiker wandte.

  57. 57.

    Hier ist nochmals der Aufsatz von Dunken (1962) zu erwähnen. Die zusätzliche Konsultation der einschlägigen Akademieakten im Archiv der heutigen Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ist für ein Verständnis der Vorgänge jedoch unerläßlich. Es gab im Vorfeld gegenüber Leitzmann einige Bedenken. Seine Rechtfertigungen bzgl. seiner eigenen sprachwissenschaftlichen Ausbildung und seines einschlägigen Hintergrundes gegenüber den entscheidenden Akademiemitgliedern ist gut dokumentiert. Bezüglich der neuen von der BBAW mitbetreuten Humboldt-Ausgabe gibt es einschlägige Akten nicht. Sie sollten – interessenshalber – noch zusammengestellt werden.

  58. 58.

    Seitens der Akademie war bis zu seinem Tode 1913 der germanistische Literaturwissenschaftler Erich Schmidt federführend verantwortlich. Der Altgermanist Konrad Burdach übernahm nach dessen Tod seine Aufgabe in Bezug auf die Humboldt-Edition. Daß andere Akademiemitglieder diese Vorgänge mit Interesse verfolgten, zeigt wiederum der Briefwechsel zwischen Schuchardt und Julio de Urquijo (Hurch & Kerejeta 1997, Briefe Nrn. 283 und 294, S. 184 und 191).

  59. 59.

    Trotz aller editorischen Auslassungen und Fehltritte hat sich Leitzmann natürlich auch verdient gemacht, u.a. mit der Veröffentlichung einer Vielzahl von Briefen, einem Bändchen mit humboldtschen Sonetten, biographischen Studien usw., die allerdings allesamt auch seine eigene Fachrichtung abbilden.

  60. 60.

    Gehalten wurde die Rede am 17. Jänner 1822, sie ist jedoch erst 1925 veröffentlicht worden. Die entsprechenden Ideen hatte Humboldt schon früher formuliert: Bereits im Druck war die 1820 gehaltene Rede Über das vergleichende Sprachstudium, in der § 14 diesem Thema in Kurzform, jedoch schon mit dem später wiederkehrenden Stufenmodell gewidmet ist. Doch schon nahezu 20 Jahre zuvor, nämlich zwischen Mitte 1801 und 1803, entstand jener Text, den wir in der Edition als Grammatikfragment von Krakau benannt haben. In diesem sind die Grundzüge der einzelnen die Grammatikalisierung ausmachenden Schritte auch schon dargestellt und illustriert (Humboldt 2012, S. 208–209).

  61. 61.

    Diese Erkenntnisse sind auch in den Mithridates-Beitrag von 1817 eingegangen.

  62. 62.

    Lehmann 2002 merkt richtigerweise an, daß Meillet noch einen Schritt weiter geht, indem er die Relation zur Analogie herstellt und damit eine Verortung in grammatischen Verfahren vornimmt.

  63. 63.

    Die häufig sehr allgemeinen, wenngleich apodiktischen Aussagen Meillets lassen nicht erkennen, wie genau er das Werk Humboldts kannte. Rousseau (1988, S. 328) meint aber, daß »Humboldt est sans doute plus proche de lui qu’il ne le croit«, und dies speziell in historisch-linguistischer Hinsicht. Das schroffe Urteil Meillets wäre nach Kenntnis der nachgelassenen Manuskripte wahrscheinlich anders ausgefallen. Auch darf bezweifelt werden, dass er das Kawi-Werk gekannt hat, denn er beklagt das Fehlen einer größeren vergleichenden Ausarbeitung.

  64. 64.

    Details der erkenntnishistorischen Grundlagen sind über die o.g. Website des Hugo Schuchardt Archivs zu finden.

  65. 65.

    Zur Moderne in der Sprachwissenschaft des 19. Jahrhunderts vgl. Hurch (2015 und 2018a).

  66. 66.

    Kurioserweise, und keineswegs zu Unrecht bezeichnete sich der große Baskologe Luis Michelena mit dem ihm eigenen ironischen Lächeln selbst als den letzten Junggrammatiker (pers. Mitt.). Er war jedoch zugleich glühender Verehrer von Humboldt und Schuchardt.

  67. 67.

    Hier sei an das von Ludwig Jäger in seinem Beitrag eingebrachte Konzept des »Archäologisierens« in Anlehnung an Michel Serres erinnert.

  68. 68.

    Die oben zitierten Stellen von Mueller-Vollmer über Pott tendieren stark in diese Richtung.

  69. 69.

    Humboldt schrieb dieses Memorandum unverlangt, weil die Angelegenheit nicht in den Aufgabenbereich seiner Regierungstätigkeit ressortierte, er schrieb es jedoch mit einigem Erfolg.

  70. 70.

    Im Nationalsozialismus gab es bekanntermaßen einiges an Bemühungen, sich mit großen Namen der deutschen Geistesgeschichte zu »schmücken«; einzelne Mitglieder der Familie Humboldt waren diesem Wunsch gegenüber nicht avers, und ließen sich instrumentalisieren. Zur Ablehnung speziell der Person Wilhelm von Humboldt durch die Nazis vgl. Grau (1935).

  71. 71.

    Siehe die oben exemplarisch zitierte Pott’sche Schrift zum »transitiven und intransitiven nominativ«.

  72. 72.

    Bossong nennt dieses Zitat »un adagio que se ha hecho célebre«.

  73. 73.

    Wie wir selbst am Umgang mit dem Hugo Schuchardt Archiv regelmäßig feststellen, mußten und müssen die digitalen Umgangsformen, etwa die Zitierrichtlinien und in diesem Falle auch die Zitierethik von open access Material, ebenfalls erst kanonisiert werden.

Notes

Funding

Open access funding provided by University of Graz.

Literatur

Verwendete Literatur

  1. Bösch, Sarah: Wilhelm von Humboldt in Frankreich. Studien zur Rezeption (1797–2005). Paderborn 2006.Google Scholar
  2. Bossong, Georg: »Wilhelm von Humboldt y Hugo Schuchardt: dos eminentes vascólogos alemanes«. In: Arbor (Madrid) 467/468, (1984), S. 163–182.Google Scholar
  3. Dunken, Gerhard: Zur Geschichte der Herausgabe der ›Gesammelten Schriften Wilhelm von Humboldts‹. Berlin 1962.Google Scholar
  4. Gabelentz, Georg von der: Die Sprachwissenschaft: ihre Aufgaben, Methoden und bisherigen Ergebnisse. Leipzig 1891.Google Scholar
  5. Gárate, Justo: G. de Humboldt. Estudio de sus trabajos sobre Vasconia. Bilbao 1933.Google Scholar
  6. Gómez López, Ricardo: »La aportación de W. von Humboldt a la gramática vasca.« Revista Internacional de los Estudios Vascos 41.2, (1996), S. 607–622. (Sondernummer: W. von Humboldt: Un puente entre dos pueblos. Hezkuntza, hizkuntza, Euskal Herria).Google Scholar
  7. Görres, Guido: Structura grammatica Linguae Hispanorum veterum indigenae id est: Vasconicae philosophice explicata nec non comparata variis tum Orientis tum Occidentis linguis. Ms., eingereicht für Prix Volney, 1828.Google Scholar
  8. Grau, Wilhelm: Wilhelm von Humboldt und das Problem des Juden. Hamburg 1935.Google Scholar
  9. Grimm, Arno: Ueber die baskische Sprache und Sprachforschung. Allgemeiner Teil. Beilage zum Jahresberichte des Königlichen Gymnasiums zu Ratibor Ostern 1884. Ratibor 1884. [Gleichzeitig als Monographie: Breslau: Ferdinand Hirt].Google Scholar
  10. Hübner, Aemilius: Monumenta Linguae Ibericae. Berlin 1893.Google Scholar
  11. Humboldt, Wilhelm von: »Ankündigung einer Schrift über die Vaskische Sprache und Nation, nebst einer Angabe des Gesichtspunctes und Inhalts derselben«. In: Königsberger Archiv für Philosophie, Theologie, Sprachkunde und Geschichte, Band 1, 3. Stück (Beilage), 1812, S. 1–7. (Ebenso in: Deutsches Museum, Band 2, S. 485–502.)Google Scholar
  12. Humboldt, Wilhelm von: »Berichtigungen und Zusätze zum ersten Abschnitte des zweyten Bandes des Mithridates über die Cantabrische oder Baskische Sprache«. In: Johann Christoph Adelung/Johann Severin Vater (Hg.): Mithridates oder allgemeine Sprachenkunde mit dem Vater Unser als Sprachprobe in bey nahe fünfhundert Sprachen und Mundarten, Band 4, 1817, S. 275–360. [gleichzeitig: Separatdruck, Berlin: Vossische Buchhandlung VI+93 S.] (= Humboldt 2010a, S. 291–363).Google Scholar
  13. Humboldt, Wilhelm von: Prüfung der Untersuchungen über die Urbewohner Hispaniens vermittelst der Vaskischen Sprache. Berlin 1821.Google Scholar
  14. Humboldt, Wilhelm von: »Über die Entstehung der grammatischen Formen, und ihren Einfluss auf die Ideenentwicklung«. In: Abhandlungen der historisch-philologischen Klasse der königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin aus den Jahren 1822 und 1823, 1825, S. 401–430.Google Scholar
  15. Humboldt, Wilhelm von: Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus und ihren Einfluss auf die geistige Entwickelung des Menschengeschlechts. Berlin 1836.Google Scholar
  16. Humboldt, Wilhelm von: Gesammelte Werke. Berlin 1841–1852.Google Scholar
  17. Humboldt, Wilhelm von: Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus und ihren Einfluss auf die geistige Entwickelung des Menschengeschlechts. Mit einer Einleitung ›Wilhelm von Humboldt und die Sprachwissenschaft‹, hg. von August Friedrich Pott. 2 Bde. Berlin 1876.Google Scholar
  18. Humboldt, Wilhelm von: Die sprachphilosophischen Werke, hg. von H. Steinthal. Berlin 1883–84.Google Scholar
  19. Humboldt, Wilhelm von: Gesammelte Schriften, hg. von Albertz Leitzmann u.a. im Auftrage der Königlichen Preußischen Akademie der Wissenschaften. 17 Bände. Berlin 1903–1936. [zitiert als: GS].Google Scholar
  20. Humboldt, Wilhelm von: Über die Verschiedenheiten des menschlichen Sprachbaus. In: GS 6.1, 1907, S. 111–303.Google Scholar
  21. Humboldt, Wilhelm von: Über die Sprache. Reden vor der Akademie. Hg. von Jürgen Trabant. Tübingen und Basel 1994.Google Scholar
  22. Humboldt, Wilhelm von: Schriften zur Anthropologie der Basken. Hg. von Bernhard Hurch. Paderborn 2010b. (Wilhelm von Humboldt, Schriften zur Sprachwissenschaft. Abt. II, Band 1).Google Scholar
  23. Humboldt, Wilhelm von: Baskische Wortstudien und Grammatik. Hg. von Bernhard Hurch. Paderborn 2012. (Wilhelm von Humboldt, Schriften zur Sprachwissenschaft. Abt. II, Band 2).Google Scholar
  24. Hurch, Bernhard: Die baskischen Materialien aus dem Nachlass Wilhelm von Humboldts. Astarloa, Charpentier, Fréret, Aizpitarte und anderes. Paderborn 2002.Google Scholar
  25. Hurch, Bernhard: »Más que una continuidad filológica: Humboldt qua Schuchardt. Discurso de Ingreso«. In: Nuevos Extractos de la Real Sociedad Bascongadade los Amigos del País. Suplemento 18-G del Boletín de la RSBAP. Donostia – San Sebastián 2009, S. 15–42.Google Scholar
  26. Hurch, Bernhard: »Über ›Weiberraub‹ und Lautgesetze. Anmerkungen zu Georg von der Gabelentz’ Handbuch zur Aufnahme fremder Sprachen in baskischer Version«. In: Beiträge zur Geschichte der Sprachwissenschaft 21 (2011), S. 239–262.Google Scholar
  27. Hurch, Bernhard: »Hugo Schuchardt and modernism: a linguistic approach«. Vortrag am Sprogvidenskabshistorisk Træf, Odense, 5. Mai 2015.Google Scholar
  28. Hurch, Bernhard: »Die Ware Buch und die Philologie«. In: Engagement und Diversität: Frank Rutger Hausmann zum 75. Geburtstag, hg. von Wolfgang Asholt, Ursula Bähler, Bernhard Hurch, Henning Krauß und Kai Nonnenmacher. München 2018a, S. 221–239. (=Romanistische Studien: Beihefte 4).Google Scholar
  29. Hurch, Bernhard: »Die deutschsprachige Baskologie des 19. Jahrhunderts«. Vortrag, Arbeitskreis Geschichte der Sprachwissenschaft, Potsdam 2018b. Ms.Google Scholar
  30. Hurch, Bernhard/Kerejeta, Maria Jose: Hugo Schuchardt – Julio de Urquijo. Correspondencia (1906–1927). Anejos del Anuario del Seminario de Filología Vasca ›Julio de Urquijo‹ – International Journal of Basque Linguistics and Philology XLI. Bilbao – Donostia 1997 (elektronisch: http://schuchardt.uni-graz.at/id/person/2906, zuletzt am 15. April 2018).Google Scholar
  31. Hurch, Bernhard/Purgay, Katrin: »The Basque-Berber connection of Georg von der Gabelentz«. In: Georg von der Gabelentz and Linguistics, ed. James McElvenny, Amsterdam 2019, in print.Google Scholar
  32. Koerner, E. F. K.: »The Humboldtian trend in linguistics«. In: Paul Hopper (Hg.): Studies in Descriptive and Historical Linguistics. Festschrift for Winfred P. Lehmann. Amsterdam 1977, S. 145–158.Google Scholar
  33. Lehmann, Christian: Thoughts on grammaticalization. 2nd revised edition. Erfurt 2002. (Arbeitspapiere des Seminars für Sprachwissenschaft der Universität Erfurt Nr. 9).Google Scholar
  34. Leopold, Joan: The Letter Liveth. The life, work and library of August Friedrich Pott (1802–1887). Amsterdam/Philadelphia 1983.Google Scholar
  35. Leopold, Joan: The Prix Volney: Its History and Significance for the Development of Linguistic Research. (= Prix Volney Essay Series, vol 1a). Dordrecht 1999.Google Scholar
  36. Mahn, Carl August Friedrich: Denkmäler der baskischen Sprache. Mit einer Einleitung, welche vom Studium der Baskischen Sprache handelt und zugleich eine Beschreibung und Charakteristik derselben enthält. Berlin 1857.Google Scholar
  37. Mahn, Carl August Friedrich: Baskisches Wörterbuch. I. + II. Ms. Collect. linguist. quart. 79. Berlin s.d.Google Scholar
  38. Meillet, Antoine: »Ce que la linguistique doit aux savants allemands«. In: Scientia 33 (1923), S. 263–270.Google Scholar
  39. Meillet, Antoine: »Leo Weisgerber: Die Stellung der Sprache im Aufbau der Gesamtkultur«. [Rez.] In: Bulletin de la Société de Linguistique de Paris 34.3 (1933), S. 6–7.Google Scholar
  40. Michelena, Luis: »Guillaume de Humboldt et la Langue Basque«. In: Lingua e Stile VIII (1973), S. 107–125.Google Scholar
  41. Müller, Friedrich: Grundriss der Sprachwissenschaft. 4 Bde. Wien 1876–1888.Google Scholar
  42. Mueller-Vollmer, Kurt: Wilhelm von Humboldts Sprachwissenschaft. Ein kommentiertes Verzeichnis des sprachwissenschaftlichen Nachlasses. Paderborn 1993.Google Scholar
  43. Oesterreicher, Wulf: »Wem gehört Humboldt? Zum Einfluss der französischen Aufklärung auf die Sprachphilosophie der deutschen Romantik«. In: Horst Geckeler (Hg.): Logos Semantikos: Studia Linguistica in honorem Eugenio Coseriu. Bd. I. Berlin 1981, S. 117–135.Google Scholar
  44. Plank, Frans: »Geschichtlich verwandt – elementar verwandt – typologisch verwandt«. In: Linguistische Berichte 74 (1981), S. 35–44.Google Scholar
  45. Plank, Frans: »Professor Pott und die Lehre der Allgemeinen Sprachwissenschaft«. In: Beiträge zur Geschichte der Sprachwissenschaft 3 (1993), S. 1–34. [repr.: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft 145 (1995), S. 328–364.]Google Scholar
  46. Pott, August Friedrich: »Rez. von Humboldt (1836), Verschiedenheiten des menschlichen Sprachbaus«. In: Allgemeine Litteraturzeitung auf das Jahr 1837, April, Nrn. 60–65 (1837), S. 475–519.Google Scholar
  47. Pott, August Friedrich: Die quinäre und die vigesimale Zählmethode bei den Völkern aller Weltteile. Nebst ausführlichen Bemerkungen über die Zahlwörter indogermanischen Stammes und einem Anhange über Fingernamen. Halle 1847.Google Scholar
  48. Pott, August Friedrich: »Geschlecht, grammatisches«. In: Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste. hg. von J.S. Ersch/J.G. Gruber. I. Sektion, 62. Teil. Leipzig 1856, S. 393–460.Google Scholar
  49. Pott, August Friedrich: Doppelung (Reduplikation, Gemination) als eines der wichtigsten Bildungsmittel der Sprache, beleuchtet aus Sprachen aller Welttheile. Lemgo & Detmold 1862.Google Scholar
  50. Pott, August Friedrich: Die Sprachverschiedenheit in Europa an den Zahlwörtern nachgewiesen, sowie die quinäre und vigesimale Zählmethode. Halle 1868.Google Scholar
  51. Pott, August Friedrich: »Unterschied eines transitiven und intransitiven Nominativs«. In: Beiträge zur vergleichenden Sprachforschung auf dem Gebiete der arischen, celtischen und slawischen Sprachen 7 (1873), H. 1, S. 71–94.Google Scholar
  52. Pott, August Friedrich: Über Vaskische Familiennamen. Detmold 1875.Google Scholar
  53. Pott, August Friedrich: »Wilhelm von Humboldt und die Sprachwissenschaft«. In: Humboldt (1876), Bd. I.Google Scholar
  54. Ringmacher, Manfred: »Der Humboldtianismus von Georg von der Gabelentz«. In: Wilfried Kürschner (Hg.): Miscellanea Linguistica. Arbeiten zur Sprachwissenschaft. Frankfurt 2011, S. 321–334.Google Scholar
  55. Rousseau, Jean: »Ce que les savants allemands doivent a Antoine Meillet«. In: Histoire Épistemologie Langage 10–II (1988), S. 319–335.CrossRefGoogle Scholar
  56. Rousseau, Jean: »August Ludwig von Schlözer: un chaînon manquant dans la genèse de la théorie linguistique de Wilhelm von Humboldt«. In: Ute Tintemann und Jürgen Trabant (Hg.): Sprache und Sprachen in Berlin um 1800. Hannover-Laatzen 2004, 265–291.Google Scholar
  57. Schleicher, A(ugust): Die Sprachen Europas in systematischer Uebersicht. Bonn 1850.Google Scholar
  58. Schneider, Ute: »Buchkäufer und Leserschaft«. In: Ernst Fischer & Stephan Füssel (Hg.): Geschichte des deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert, Bd. 2: Die Weimarer Republik. München 2007.Google Scholar
  59. Thouard, Denis: et toute langue est étrangère. le projet de humboldt. s.l. [Paris] 2016.Google Scholar
  60. Trabant, Jürgen: »Wilhelm von Humboldts Akademiereden über die Sprache«. In: Erhard Wicke et al. (Hg.): Menschheit und Individualität. Zur Bildungstheorie und Philosophie Wilhelm von Humboldts. Weinheim 1997, S. 83–109.Google Scholar
  61. Trabant, Jürgen: Humboldts Forum: Die Akademie und die Sprachen der Welt. Festvortrag zum 250. Geburtstag Wilhelm von Humboldts. Berlin 2017. 22. Juni 2017.Google Scholar
  62. Vennemann, Theo: »Hugo Schuchardt’s theory of phonological change«. In: Theo Vennemann & Terence Wilbur (Hg.): Schuchardt, the Neogrammarians, and the Transformational Cycle of Phonological Change. Frankfurt 1972, S. 115–179.Google Scholar

Elektronische Ressource

  1. Hugo Schuchardt Archiv: http://schuchardt.uni-graz.at

Copyright information

© The Author(s) 2018

Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de) veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden.

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für SprachwissenschaftUniversität GrazGrazÖsterreich

Personalised recommendations