Advertisement

Beruflich bedingte urologische Tumoren

  • O. P. JungmannEmail author
  • W. Schöps
  • K. GolkaEmail author
  • D. Rohde
CME
  • 20 Downloads

Zusammenfassung

Der Berufsanamnese kommt bei urologischen Krebserkrankungen, in erster Linie urothelialen Erkrankungen, eine hohe Bedeutung zu. Bis zu 7 % (Männer) bzw. 2 % (Frauen) der Harnblasenkrebserkrankungen könnten beruflich bedingt sein. Die Anzahl der gemeldeten und anerkannten Fälle ist aber trotz steigender Tendenz noch immer deutlich zu gering. Hauptkarzinogene sind krebserzeugende aromatische Amine, die in der chemischen Industrie lange verbreitet waren, aber auch in anderen, auf den ersten Blick nicht typischen Berufen angetroffen werden. Eine strukturierte Berufsanamnese kann mit geringem Aufwand zu einem Verdacht führen, der dann zur Meldung an den Träger der gesetzlichen Unfallversicherung führen muss. Diese Meldung ist wenig aufwendig und wird vergütet. Im sich daran anschließenden Berufskrankheitenanerkennungsverfahren wird ermittelt, ob eine Exposition gegenüber einem Stoff bestand, der geeignet ist, eine Krebserkrankung auszulösen. Ist dies der Fall, wird in einer arbeitsmedizinischen Zusammenhangsbegutachtung die Wahrscheinlichkeit geklärt, ob eine Berufserkrankung vorliegt. Im Anerkennungsfall klärt ein urologischer Gutachter die Höhe der in den meisten Fällen rentenberechtigenden Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE). Die Anerkennung einer Berufskrankheit (BK) bringt den Patienten sehr große Vorteile. So wird in der Regel eine Rente gewährt, und die Behandlungskosten werden unbudgetiert nach der UV-GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte, Gesetzliche Unfallversicherung) übernommen.

Schlüsselwörter

Urogenitaltumoren Harnblasenkarzinome Berufskrankheiten Nierenzellkarzinom Karzinogene Mesotheliome der Tunica vaginalis des Hodens 

Occupational urological cancer

Abstract

In patients with urological cancer, especially urothelial cancer, a detailed history of occupational risks should be taken. Up to 7 (men) and 2% (women) of bladder cancers could be due to occupational exposure to carcinogens. In Germany, the number of reported cases of suspected and recognized occupational diseases is increasing, albeit still clearly too low. The primary carcinogens are carcinogenic aromatic amines, widely used in the chemical industry of the last century but also found in other less obvious occupations. A structured standardized occupational history, taken in all patients with urological cancer from apprenticeship on, may lead to a larger number of reported suspicions. Reporting a suspicious case to the statutory accident insurance provider—an act which consumes minimal resources and is reimbursed—leads to investigations in the company where the suspected exposure has taken place to clarify whether there was exposure to carcinogenic substances. If this proves to be the case, a causal evaluation by specialists in occupational health and urology assesses the likelihood that the disease is occupational. Upon recognition of an occupational disease, a urological appraisal evaluates the size of the pensionable reduction in earning capacity which exists in most patients. Recognition of an occupational disease has major advantages for the patient. A pension is ensured in most cases and the statutory accident insurance covers the nonbudgeted treatment costs according to UV-GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte, Gesetzliche Unfallversicherung).

Keywords

Urogenital neoplasms Urinary bladder neoplasms Occupational diseases Renal cell carcinoma Carcinogens Mesothelioma of the tunica vaginalis of the testis 

Notes

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

Gemäß den Richtlinien des Springer Medizin Verlags werden Autoren und Wissenschaftliche Leitung im Rahmen der Manuskripterstellung und Manuskriptfreigabe aufgefordert, eine vollständige Erklärung zu ihren finanziellen und nichtfinanziellen Interessen abzugeben.

Autoren

O. P. Jungmann: Finanzielle Interessen: Übernahme der Reise‑, Registrierungs- und Unterkunftskosten beim Kongress der DGU in Dresden 2018 und bei der Urologischen Sommerakademie in München durch die Fa. Astellas. Nichtfinanzielle Interessen: angestellter Arzt, leitender Oberarzt, Urologische Klinik Lindenthal, Malteser Krankenhaus St. Hildegardis, Köln. W. Schöps: Finanzielle Interessen: Referent Fortbildungsveranstaltungen der DGUV, Referent der Dresden International University „Qualifizierung zum Medizinischen Sachverständigen (cpu)“. – Beratender Arzt folgender gesetzlicher Unfallversicherungen: BG RCI, BG BAU, BGW, BG Verkehr, BGHM, BGHW, BGN, Unfallkasse Thüringen, Unfallkasse NRW, Referent Fortbildungsveranstaltungen der DGUV, Referent der Dresden International University „Qualifizierung zum Medizinischen Sachverständigen (cpu)“. Nichtfinanzielle Interessen: freiberuflicher Urologe | beratender Arzt folgender gesetzlicher Unfallversicherungen: BG RCI, BG BAU, BGW, BG Verkehr, BGHM, BGHW, BGN, Unfallkasse Thüringen, Unfallkasse NRW, Referent Fortbildungsveranstaltungen der DGUV | Referent der Dresden International University „Qualifizierung zum Medizinischen Sachverständigen (cpu)“. K. Golka gibt an, dass kein finanzieller Interessenkonflikt besteht. Nichtfinanzielle Interessen: angestellter wissenschaftlicher Mitarbeiter im Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund | Mitgliedschaften: Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin, Deutsche Gesellschaft für Urologie. D. Rohde gibt an, dass kein finanzieller Interessenkonflikt besteht. Nichtfinanzielle Interessen: Chefarzt Urologische Klinik Lindenthal, MKH St. Hildegardis, Köln.

Wissenschaftliche Leitung

Die vollständige Erklärung zum Interessenkonflikt der Wissenschaftlichen Leitung finden Sie am Kurs der zertifizierten Fortbildung auf www.springermedizin.de/cme.

Der Verlag

erklärt, dass für die Publikation dieser CME-Fortbildung keine Sponsorengelder an den Verlag fließen.

Für diesen Beitrag wurden von den Autoren keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.

Literatur

  1. 1.
    Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz, Bundesamt für Justiz (2017) Berufskrankheiten-Verordnung vom 31. Oktober 1997 (BGBl. I S. 2623), die zuletzt durch Artikel 1 der Verordnung vom 10. Juli 2017 (BGBl. I S. 2299) geändert worden ist. https://www.gesetze-im-internet.de/bkv/BKV.pdf. Zugegriffen: 30. Januar 2019Google Scholar
  2. 2.
    Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) (2017) Liste der Berufskrankheiten. https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Praxis-kompakt/F3.html?pk_campaign=DOI. Zugegriffen: 30. Januar 2019Google Scholar
  3. 3.
    Merkblatt zur BK Nr. 1301: Schleimhautveränderungen, Krebs oder andere Neubildungen der Harnwege durch aromatische Amine, Merkblatt zu BK Nr. 1 der Anl. 1 zur 7. BKVO (Bek. des BMA v. 12.06.1963, BArbBl Fachteil Arbeitsschutz 1963, 129 f)Google Scholar
  4. 4.
    Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) (2016) Wissenschaftliche Begründung für die Berufskrankheit „Schleimhautveränderungen, Krebs oder andere Neubildungen der Harnwege durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Dosis von mindestens 80 Benzo(a)pyren-Jahren [(μg/m3) x Jahre]“, Bek. des BMAS vom 01.07.2016 – IVa4-45222-Harnblasenkrebs durch PAK-GMBl. 26.08.2016, 659–665. https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Berufskrankheiten/pdf/Begruendung-Blasenkrebs-PAK.pdf?__blob=publicationFile&v=6. Zugegriffen: 30. Januar 2019
  5. 5.
    Merkblatt zur BK Nr. 1108: Erkrankungen durch Arsen oder seine Verbindungen, Merkblatt zu BK Nr. 2 der Anl. 1 zur 7. BKVO (Bek. des BMA v. 19.05.1964, BArbBl Fachteil Arbeitsschutz 1964, 125 f)Google Scholar
  6. 6.
    Merkblatt zur BK Nr. 2402: Erkrankungen durch ionisierende Strahlen, Merkblatt für die ärztliche Untersuchung (Bek. des BMA vom 13. Mai 1991, BArbBl. 7‑8/1991, S. 72 ff.)Google Scholar
  7. 7.
    Merkblatt zu BK-Nr. 3104 – Tropenkrankheiten, Fleckfieber Bek. des BMGS vom 1. Mai 2005 – 414-45222-3104 – Bundesarbeitsblatt 7‑2005, S. 48 ff.Google Scholar
  8. 8.
    Böthig R, Fiebag K, Kowald B (2018) Spinal cord injury with neurogenic lower urinary tract dysfunction as a potential risk factor for bladder carcinoma. Aktuelle Urol.  https://doi.org/10.1055/a-0620-7757 ([Article in German])Google Scholar
  9. 9.
    Böthig R, Kurze I, Fiebag K et al (2017) Clinical characteristics of bladder cancer in patients with spinal cord injury: The experience from a single centre. Int Urol Nephrol 49:983–994CrossRefGoogle Scholar
  10. 10.
    Merkblatt zur BK Nr. 1302: Erkrankungen durch Halogenkohlenwasserstoffe, Merkblatt für die ärztliche Untersuchung (Bek. des BMA v. 29. März 1985, BArbBl. 6/1985)Google Scholar
  11. 11.
    Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) (2018) Wissenschaftliche Stellungnahme zur Berufskrankheit Nr. 1302 „Erkrankungen durch Halogenkohlenwasserstoffe“ – Nierenkrebs durch Trichlorethen. https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Berufskrankheiten/pdf/Stellungnahme-1302-1.pdf?__blob=publicationFile&v=2. Zugegriffen: 30. Januar 2019Google Scholar
  12. 12.
    Wissenschaftliche Stellungnahme zur Berufskrankheit Nr. 1302 „Erkrankungen durch Halogenkohlenwasserstoffe“ – Nierenkrebs durch Trichlorethen, Bek. d. BMAS v. 1. Februar 2018 – IVa 4‑45222 – 1302 – GMBl 2018, S. 220–223 [Nr. 12–13] (vom 6. Apr. 2018)Google Scholar
  13. 13.
    DGUV, Referat Statistik, erstellt am 11. Juli 2018Google Scholar
  14. 14.
    Schöps W, Jungmann O, Zellner M et al (2016) Erkrankt durch berufliche Exposition. URO News 20:23–29CrossRefGoogle Scholar
  15. 15.
    Lauterbach (2009) Unfallversicherung, 4. Auflage, Kohlhammer, StuttgartGoogle Scholar
  16. 16.
    Wissenschaftliche Stellungnahme zu der Berufskrankheit Nr. 1301 der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung „Schleimhautveränderungen, Krebs oder andere Neubildungen der Harnwege durch aromatische Amine“ [Bek. des BMAS vom 12. Sept. 2016 – IVa4-45222-1301 – GMBl. 21.09.2016, 770]Google Scholar
  17. 17.
    Nowak D (2016) Verdacht auf Berufskrankheit? 2. Aufl. ecomed Medizin, Landsberg am LechGoogle Scholar
  18. 18.
    Kim Y, Park J, Shin YC (2007) Dye-manufacturing workers and bladder cancer in South Korea. Arch Toxicol 81:381–384CrossRefGoogle Scholar
  19. 19.
    indiamart (Hrsg) (2019) Direct black 38 dye. https://www.indiamart.com/proddetail/direct-black-38-dye-15113911748.html. Zugegriffen: 30. Januar 2019Google Scholar
  20. 20.
    Deutsche Forschungsgemeinschaft (2007) o‑Toluidin. In: Deutsche Forschungsgemeinschaft (Hrsg) Gesundheitsschädliche Arbeitsstoffe. Toxikologisch-arbeitsmedizinische Begründungen von MAK-Werten. Wiley-VCH, Deutsche Forschungsgemeinschaft (43. Lieferung)Google Scholar
  21. 21.
    Zumbé J, Golka K, Schöps W, Zellner M (2008) Berufsbedingte Urothelkarzinome URO-TOP 17, 2. Aufl. Medac, WedelGoogle Scholar
  22. 22.
    Barnes B, Kraywinkel K, Nowossadeck E, Schönfeld I, Starker A, Wienecke A, Wolf U, Robert Koch-Institut (2016) Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland 2016. https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebsgeschehen/Krebsgeschehen_download.pdf?__blob=publicationFile. Zugegriffen: 30. Januar 2019Google Scholar
  23. 23.
    Babjuk M, Böhle A, Comperat E et al (2015) Guidelines on non-muscle-invasive bladder cancer (Ta, T1 and CIS). European Association of Urology, ArnhemGoogle Scholar
  24. 24.
    Rushton L, Hutchings SJ, Fortunato L et al (2012) Occupational cancer burden in Great Britain. Br J Cancer 107(Suppl 1):S3–S7CrossRefGoogle Scholar
  25. 25.
    Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV) (2018) BK-Report 2/2018. Aromatische Amine – eine Arbeitshilfe im Berufskrankheitenermittlungsverfahren (Report der Unfallversicherungsträger und des IFA, 4. aktualisierte Auflage) https://www.dguv.de/ifa/publikationen/reports-download/reports-2018/bk-report-2-2018/index.jsp. Zugegriffen: 30. Januar 2019Google Scholar
  26. 26.
    Drexler H, Brandenburg S (1998) Berufskrankheiten: Pflichtwissen für jeden Arzt. Dtsch Arztebl 95:1295–1300Google Scholar
  27. 27.
    Golka K, Goebell PJ, Rettenmeier AW (2007) Ätiologie und Prävention des Harnblasenkarzinoms. Dtsch Arztebl 104:719–723Google Scholar
  28. 28.
    Kassenärztliche Bundesvereinigung (2019) UV-GOÄ https://www.kbv.de/html/uv.php. Zugegriffen: 4. Februar 2019
  29. 29.
    Keller W (2017) SGG § 128  [Tatsächliche Grundlagen des Urteils] Rn. 1‑18. In: Meyer-Ladewig J, Keller W, Leitherer S, Schmidt B (Hrsg) Sozialgerichtsgesetz: SGG Kommentar, 12. Aufl. Verlag C.H. Beck, MünchenGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Urologische Klinik LindenthalMalteser Krankenhaus St. HildegardisKölnDeutschland
  2. 2.St. AugustinDeutschland
  3. 3.ZE Klinische ArbeitsmedizinLeibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund, IfADoDortmundDeutschland

Personalised recommendations