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HeilberufeScience

, Volume 10, Issue 3–4, pp 46–55 | Cite as

Stand der interkulturellen Öffnung der Einrichtungen im Pflegebereich in Berlin

  • Min-Sung KimEmail author
  • Jieun Park
Article
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Zusammenfassung

Hintergrund

In Zeiten des demografischen Wandels in Deutschland kann die Prognose gestellt werden, dass immer mehr ältere Migrant*innen ins System der Altenhilfe und Altenpflege rücken werden. Es ist aber festzustellen, dass viele Migrant*innen migrationsbedingte Barrieren bei der Inanspruchnahme der Pflege- und Versorgungsangebote haben. Die interkulturelle Öffnung der pflegerischen Einrichtungen soll die Zugangsbarrieren abmildern und somit eine gleichberechtigte Teilhabe der Migrant*innen gewährleisten. Allerdings wird in vielen Studien darauf hingewiesen, dass der Stand der interkulturellen Öffnung in Deutschland nicht zufriedenstellend ist.

Ziel

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Überblick über die aktuelle Lage der interkulturellen Öffnung und Orientierung der Einrichtungen im Bereich der Pflege in Berlin zu bekommen.

Methode

Um das Ziel zu erreichen, wurden pflegerische Einrichtungen in Berlin mit Items befragt, die die Sensibilität für die interkulturelle Öffnung und den interkulturellen Stand der Einrichtungen erfassen sollen. Insgesamt wurden die Daten aus 231 Einrichtungen im Bereich der Pflege in Berlin in die quantitative Analyse aufgenommen (Rücklaufquote insgesamt: 20,6 %).

Ergebnisse

Knapp über 50,0 % der befragten Einrichtungen nahmen einen Handlungsbedarf bei der pflegerischen Versorgung von Migrant*innen wahr, während für über 70,0 % der Einrichtungen die Versorgung von Migrant*innen wirtschaftlich nicht bedeutend ist. Das Ergebnis bezüglich des interkulturellen Stands zeigt, dass unter den befragten Einrichtungen die Maßnahmen zur interkulturellen Öffnung auf der Strukturebene am meisten umgesetzt wurden und die auf der Ergebnisebene am wenigsten. Außerdem ist sichtbar, dass eine hohe Sensibilität für die interkulturelle Öffnung mit dem besseren interkulturellen Stand der Einrichtungen einhergeht.

Schlussfolgerung

Die vorliegende Studie konnte erste Hinweise auf den nachzuholenden interkulturellen Stand der Einrichtungen im Pflegebereich in Berlin liefern. Nach der Analyse ist insgesamt festzustellen, dass der Stand der interkulturellen Öffnung bei den pflegerischen Einrichtungen in Berlin hinsichtlich der erhobenen interkulturellen Aspekte einen deutlichen Aufholbedarf aufzeigt. In Zukunft ist es außerdem notwendig, valide und objektive Instrumente zur Erfassung der interkulturellen Öffnung zu entwickeln.

Schlüsselwörter

Interkulturelle Öffnung Pflegeeinrichtungen Menschen mit Migrationshintergrund Stand der interkulturellen Öffnung Versorgung von Migrant*innen 

Current state of intercultural opening of care facilities in Berlin

Abstract

Background

In times of demographic change in Germany, the forecast can be made that more and more older migrants will move into the system of seniors care; however, it is known that many migrants experience migration-related barriers in the utilization of nursing and healthcare options. The intercultural opening is an approach to facilitate migrants’ access to the healthcare system and improving the care they receive; however, many studies have pointed out that the status of the intercultural opening in Germany is unsatisfactory.

Objective

The aim of the present study was to determine the current state of intercultural opening and intercultural orientation of care facilities in Berlin.

Methods

Care facilities in Berlin were interviewed with items developed to measure the sensitivity for intercultural opening and intercultural state of the facilities. The data from 231 care facilities in Berlin were included in the analysis (total response rate: 20.6%).

Results

Just over 50.0% of the surveyed facilities agreed with the statement that there is a need for action in the care of migrants. Moreover, over 70.0% of surveyed facilities believed that care of migrants has no economic significance. The results also showed that among the surveyed facilities the intercultural opening measures at the structural level were the most implemented and the least implemented were at the outcome level. In addition, the study showed a correlation between a high sensitivity to the intercultural opening and a better intercultural state of the care facilities.

Conclusion

The present study could provide first indications of the intercultural status of care facilities in Berlin, which needs to be made good. According to the analysis, it can be said that the state of intercultural opening of the care facilities in Berlin is unsatisfactory. In the future, it will also be necessary to develop valid and objective instruments for the measurement of the intercultural opening.

Keywords.

Intercultural opening Care facilities People with migration background Status of intercultural opening Care of migrants 

Notes

Danksagung

Wir danken allen Einrichtungen für ihre Bereitschaft, sich befragen zu lassen. Diese Arbeit wurde durch die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung finanziell unterstützt.

Interessenkonflikt

M.-S. Kim und J. Park geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Austria, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Gesellschaft für psychosoziale Gesundheitsförderung bei Migrant*innenBerlinDeutschland
  2. 2.Alice-Salomon-HochschuleBerlinDeutschland
  3. 3.Interkultureller Hospizdienst DONG BAN JAHumanistischer Verband Deutschlands Berlin-Brandenburg KdöRBerlinDeutschland

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