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DNP - Der Neurologe & Psychiater

, Volume 20, Issue 6, pp 15–15 | Cite as

Schlaganfall: Blutungsrisiken managen

  • Friederike Klein
Medizin aktuell
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Ob bei Thrombolyse nach ischämischem Schlaganfall oder Zustand nach einem hämorrhagischen Schlaganfall: Die Reduktion des intrazerebralen Blutungsrisikos spielt eine wichtige Rolle.

Das Risiko für intrazerebrale Blutungen (ICB) nach Thrombolyse wegen eines ischämischen Schlaganfalls sei bei dualer Plättchenhemmung mit Acetylsalicylsäure und Clopidogrel um das 3,2-fache gegenüber Patienten ohne eine solche Vormedikation erhöht, erklärte Prof. Dr. Michael Schwarz, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Klinik Dortmund [Mazya M et al. Stroke 2012;43:1524–31]. Das solle niemanden von der Lyse abhalten, müsse aber dem Patienten in der Aufklärung ausdrücklich gesagt werden. Auch ein erhöhter Blutzuckerspiegel und ein NHSS-Score (National Institutes of Health Stroke Scale) von 13 und mehr seien Risikofaktoren für eine ICB nach ischämischem Schlaganfall.

Achtfaches Risiko bei fünf oder mehr Blutungen

Bei Lysebeginn sei die Zahl der Mikroblutungen im Gehirn manchen Fällen noch unbekannt, sie könne aber das Risiko für ICB nach Thrombolyse massiv erhöhen: Bei über fünf Mikroblutungen im MRT liege das ICB-Risiko nach Lyse bei 30 % [Dannenberg S et al. Stroke 2014;45:2900–5]. „Mehr als fünf Mikroblutungen sind sehr toxisch“, erläuterte Schwarz. „Diese Patienten sind sehr empfindlich für Thrombozytenaggregationshemmer, Antikoagulation und Thrombolyse.“ Auch bei Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten (VKA) wegen Vorhofflimmern nach ischämischem Schlaganfall seien zerebrale Mikroblutungen ein Risikofaktor für ICB, ergänzte er. Bei fünf und mehr Blutungen steige hier die ICB-Häufigkeit auf das Achtfache [Wilson D et al. Neurology 2016;87:1501–10].

Schnelle Maßnahmen nach Hirnblutung

Bei hämorrhagischem Schlaganfall könne die Einstellung des INR (International Normalized Ratio) zusammen mit dem Blutdruck das Risiko der Hämatomausbreitung verringern. Dazu sollten innerhalb von vier Stunden der INR auf einen Wert von unter 1,3 eingestellt und der systolische Blutdruck auf unter 160 mmHg gesenkt werden. Hatten die Patienten vor der Hirnblutung eine Antikoagulation mit Marcumar, sollte dies laut Schwarz wieder angesetzt werden. Ischämische Schlaganfälle nach Hirnblutungen könnten durch eine Antikoagulation verhindert werden, ohne dass die Zahl der hämorrhagischen Komplikationen ansteige [Kuramatsu JW et al. JAMA 2015;313:824–36].

Sieben bis acht Wochen nach der Blutung könne man bei Patienten mit Vorhofflimmern nach schwedischen Registerdaten wieder mit der Markumarisierung beginnen [Pennlert J et al. Stroke 2017;48:314–20]. Thrombozytenaggregationshemmer seien in dieser Situation sinnlos, betonte er.

Literatur

  1. 92. DGN-Kongress, Symposium: „Neuropharmakologie — Interaktionen von Medikamenten im Alltag leicht gemacht“, Stuttgart, 25.9.2019Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Friederike Klein
    • 1
  1. 1.

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