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DNP - Der Neurologe & Psychiater

, Volume 20, Issue 1, pp 19–19 | Cite as

Placebo führt zur Verbesserung des Tremors

  • Anna Morschett
Literatur kompakt
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Eine Studie untersuchte die Wirkung von Placebo auf die Verbesserung des Tremors bei Parkinson-Patienten im Vergleich zu Apomorphin: Bei der Hälfte der Patienten wurde eine signifikante Reduktion des Tremors gemessen.

Dr. med. Anna Morschett Fachärztin für Neurologie Klinik für Neurologie Universitätsklinikum Essen

Bei Parkinson-Patienten sind bislang Placeboeffekte insbesondere hinsichtlich motorischer Symptome wie Rigor und Bradykinese mit Ansprechraten von jeweils etwa 50 % nachgewiesen worden. Placeboeffekte, die zu einer Verbesserung des Tremors führen, konnten bislang nicht eindeutig — beziehungsweise einheitlich — nachvollzogen werden.

In dieser placebokontrollierten, nicht randomisierten Studie wurden 15 Patienten mit idiopathischem Parkinson-Syndrom (iPD) vom Tremordominanztyp eingeschlossen. Zu den Einschlusskriterien gehörten ein positiver Tremorscore (≥ 2 Punkte im UPDRS Teil III) in mindestens einer oberen Extremität und ein positiver DAT-SPECT mit entsprechendem nigrostriatalen Defizit. Zu den Ausschlusskriterien gehörten ein MMSE-Score < 24 Punkte, zerebrovaskuläre und Schilddrüsenerkrankungen, ein unauffälliger DAT-SPECT, Hirntumoren, „White Matter Lesions“, eine bestehende Hirnatrophie und die Tiefenhirnstimulation (THS). Die klinische Untersuchung (UPDRS Teil III) erfolgte im „motorischen Off“, zwölf Stunden nach der letzten Medikamenteneinnahme.

Die Tremordetektion wurde mittels Akzelerometeruntersuchung durchgeführt. Dazu wurde die Messelektrode an der Dorsalseite der Hand angebracht und der Arm in 90°-Flexionsstellung verbracht. Die Tremorfrequenzen und -amplituden wurden zu den Zeitpunkten T0 (Ausgangswert), T1 (nach 30 Minuten) und T2 (nach 60 Minuten) analysiert. Ein positiver Effekt wurde als 70 %-ige Amplitudenreduktion des Tremors im Vergleich zum Ausgangswert definiert. Zwölf Stunden vor der ersten Messung wurde die antidopaminerge Medikation abgesetzt. Die klinische und elektrophysiologische Untersuchung wurde verblindet durchgeführt.

Am ersten Tag erhielten alle Patienten eine Placeboinjektion. Am zweiten Tag wurde jeweils 1 mg Apomorphin subkutan verabreicht. 48 Stunden vor Beginn der Studie nahmen die Patienten prophylaktisch Domperidon (60 mg/Tag) ein. Die Patienten hatten an beiden Tagen lediglich die Information, dass sie eine Behandlung gegen den Tremor erhalten. Nach Auswertung und statistischer Analyse der Daten profitierten acht der 15 Patienten (53,5 %) von der Placeboinjektion mit einer signifikanten Reduktion der Tremoramplitude um mindestens 70 % (T1 p < 0,0015, T2 p < 0,001). Sieben Patienten zeigten keine Verbesserung des Tremors nach Placeboinjektion (46,7 %) und respondierten nur auf Apomorphin. Die Injektion von Apomorphin zeigte bei allen Patienten eine signifikante Reduktion der Tremoramplitude (T1 p < 0,001, T2 p < 0,06). Beim Vergleich der Tremorreduktion war die Placeboinjektion (bei Placebo-Respondern) zum Zeitpunkt T1 der Apomorphin-Injektion (bei Placebo-Nonrespondern) signifikant überlegen (p = 0,016), nicht jedoch zum Zeitpunkt T2 (p = 0,36).

Bis auf vier waren alle Patienten mit einer antidopaminergen Therapie vorbehandelt; von diesen vier Patienten gehörten jeweils zwei zu den Placebo-Respondern und den Placebo-Nonrespondern.

Kommentar

Obgleich es sich um ein sehr kleines Patientenkollektiv handelt, zeigt sich erstmals, analog zu den Placebostudien bei anderen motorischen Symptomen, dass sich bei etwa 50 % der Parkinson-Patienten auch der Tremor durch Placebogabe verbessern lässt. Bislang kamen Untersuchungen hier zu widersprüchlichen Ergebnissen und wurden teilweise bei eher speziellen Patientenkollektiven (z. B. Patienten mit THS) durchgeführt. Dennoch sollten diese Ergebnisse im Rahmen einer größeren Studie mit höherer Fallzahl reproduziert werden. Ursächlich für Placeboeffekte ist vor allem die Erwartungshaltung des Patienten, die insbesondere nach positiver Instruktion zu einer guten Wirksamkeit von Placebo führen kann. Ob eine (zusätzliche) endogene Dopaminausschüttung, wie sie im Rahmen dieser Studie durch die Autoren diskutiert wird, zur Besserung des Tremors beiträgt, müsste ebenfalls zukünftig untersucht werden.

Unklar bleibt, warum etwa die Hälfte der Patienten nicht auf Placebo respondiert. Diesbezüglich werden unter anderem persönliche Prädispositionen und genetische Unterschiede postuliert. Möglicherweise könnte aber auch durch die Gabe des Placebos am ersten Tag eine größere Erwartungshaltung auf die Folgeinjektion am zweiten Tag (Apomorphin) generiert werden, aus der ein sekundärer „Placeboeffekt“ für Apomorphin resultieren könnte. Dies hätte eventuell durch ein Cross-over-Design vermieden werden können.

Literatur

  1. Barbagallo G et al. The placebo effect in resting tremor in Parkinson’s disease: An electrophysiological study. Parkinsonism and related disorders 2018;52:17–23CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Anna Morschett
    • 1
  1. 1.

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