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DNP - Der Neurologe und Psychiater

, Volume 13, Issue 1, pp 30–30 | Cite as

Migräne als Risikofaktor für eine Dissektion?

  • Stefan Evers
Literatur kompakt
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Abstract

Hängen Migräne und eine Dissektion der zervikalen Arterien zusammen? Über diese Frage spekulieren Wissenschaftler, seitdem die erste Studie in diesem Zusammenhang 1989 erschienen ist. In dieser Metaanalyse ist nun der Versuch unternommen worden, die bisherigen epidemiologischen Studien zu diesem Thema zusammenzufassen.

Ein Zusammenhang zwischen Migräne und zervikaler Dissektion ist wahrscheinlich.

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Insgesamt konnten die Autoren sechs Fall-Kontroll-Studien identifizieren, die sich mit diesem Thema befassten. Eine davon nahmen sie aus der Endauswertung heraus, da es sich um eine Überlappung mit einer anderen Studie handelte. In der Hauptanalyse kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Assoziation von Migräne und zervikaler Dissektion mit einer Odds Ratio von 2,06 belastet ist. In der Subgruppenanalyse war dies nur für Migräne ohne Aura, nicht für Migräne mit Aura signifikant. Ein Einfluss des Geschlechts konnte nicht festgestellt werden. Insgesamt haben vier der fünf Studien eine signifikante Assoziation gefunden, nur eine Studie hat dies nicht nachweisen können. Zusammenfassend gehen die Autoren von einem Zusammenhang zwischen Migräne und zervikaler Dissektion aus, ohne dass die zugrundeliegende Ursache ermittelt werden kann.

Kommentar: Diese Metaanalyse legt nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen Migräne und zervikaler Dissektion gibt. Es wird in der Veröffentlichung darüber spekuliert, ob es sich dabei um einen direkten Zusammenhang (z. B. über eine Veränderung der Endothelstruktur durch eine Migräneveranlagung) oder um einen indirekten Zusammenhang (z. B. über gemeinsame Risikofaktoren) handelt. Die Metaanalyse zeigt aber auch die Grenzen solcher Verfahren auf: Es konnten zwar sechs Studien gefunden werden, davon wurden aber jeweils zwei von derselben Arbeitsgruppe publiziert. Somit reduziert sich das Material also auf vier voneinander unabhängige Erhebungen, von denen sich die beiden größten direkt widersprechen. Schwierig ist insbesondere die Interpretation des zeitlichen Zusammenhangs, denn sehr viele Menschen mit zervikaler Dissektion berichten oft schon Wochen vor dem symptomatischen Ereignis von Kopfschmerzen, das zum Aufdecken der Dissektion führt. Diese Kopfschmerzen können auch Migränecharakter annehmen, sodass die Klassifikation als Migränepatient im engeren Sinne falsch ist. Ein anderer kritischer Aspekt ist die Frage der Medikation: Es ist bekannt, dass ergotaminhaltige Präparate zu einem erhöhten Risiko für Endothelschäden beitragen. Deswegen kann es sein, dass in Populationen, in denen (noch) Ergotamine zur Migränetherapie eingesetzt wurden, auch eine erhöhte Dissektionsrate bei Migränepatienten besteht. Wünschenswert wären weitere epidemiologische Studien, die die oben genannten Aspekte berücksichtigen.

Literatur

  1. Rist PM at al. Migraine, migraine aura, and cervical artery dissection: a systematic review and meta-analysis. Cephalalgia 2011; 31: 886–96CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2012

Authors and Affiliations

  • Stefan Evers

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