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Gastro-News

, Volume 6, Issue 6, pp 53–53 | Cite as

Wieviel therapeutisches Potenzial steckt im Mikrobiomtransfer?

  • Dirk Einecke
aktuell
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Der Mikrobiomtransfer ist bei Clostridium-difficile-Kolitis inzwischen Standardtherapie. Nun wird er auch bei Reizdarmsyndrom und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen untersucht.

Zur Clostridium-difficile-Infektion gibt es 13 kontrollierte randomisierte Studien mit insgesamt 610 Patienten, von denen 439 nach einmaliger Applikation von Fremdstuhl geheilt wurden, berichtete Prof. Dr. Maria Vehreschild, Frankfurt am Main. Multiple Gaben erhöhen die Heilungsraten von 80 % auf sogar 90 %, erklärte die Gastroenterologin. Applikationswege und Lagerungstechniken haben sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Statt Frischpräparaten können auch verkapselte, gefrorene oder gefriergetrocknete Präparate ohne Wirkverlust verwendet werden. Praktisch und sicher seien verkapselte Präparate, hier wird die Zukunft der Therapie liegen, sagte Vehreschild.

Derzeit suche man nach den Faktoren, die für die Therapieversager verantwortlich sind. Bis dato hat man herausgefunden, dass Patienten mit refraktärer Kolitis oder mehreren Rezidiven schlechter ansprechen. Das lasse den Schluss zu, „je länger man mit dem Mikrobiomtransfer wartet, desto schwieriger wird es“, so Vehreschild. Auch bei der Applikation via Einlauf seien die Ansprechraten schlechter. Zwar könne man über die Langzeitnebenwirkungen noch keine Aussagen treffen. Doch die Sicherheit der Therapie ist hoch, schwere Nebenwirkungen werden selten berichtet, erklärte Vehreschild.

Aus den USA wurden kürzlich zwei Fälle von Blutstrominfektionen nach Mikrobiomtransfer berichtet, einer mit tödlichem Ausgang. Diese Patienten waren immunsupprimiert. Vehrenschild zufolge seien solche Komplikationen in Deutschland ausgeschlossen, wenn man das hierzulande empfohlene Standard-Screening konsequent durchführt.

Erste Studien beim Colon irritable

Auch beim sehr viel häufigeren Reizdarmsyndrom ist das Mikrobiom signifikant verändert und beeinflusst die Symptome; häufig tritt die Erkrankung nach infektiösen Darmerkrankungen auf, berichtete Dr. Ulrich Rosien, Hamburg.

Im Tierversuch erhöht ein Mikrobiomtransfer von Reizdarm-patienten die Kolonsensitivität bei Ratten deutlich. Kann umgekehrt durch Einbringen einer gesunden Darmflora ein Reizdarmsyndrom gebessert oder geheilt werden? Hierzu gibt es eine Handvoll klinischer kontrollierter Studien mit allerdings noch inkonsistenten Ergebnissen. Nach dieser Datenlage scheint ein unselektionierter Mikrobiotatransfer unzureichend, sagte Rosien. Wiederholte Gaben eines „Super-Cocktails“ mit den richtigen Bakterienkomponenten könnten vielversprechend sein.

Erfahrungen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Ermutigend sind die Erfahrungen bei der Colitis ulcerosa, wie Prof. Dr. Raja Atreya, Erlangen, berichtete. Die Ergebnisse von vier randomisierten kontrollierten Studien bei 277 Patienten liegen vor. Sie zeigen klinisches Ansprechen bei 49 % vs. 28 % unter Placebo, klinische Remissionen bei 28 % vs. 9 %, und endoskopische Remissionen bei 14 % vs. 5 %. Multidonor-Konzepte mit hoher Bakteriendiversität, hohe Bacteriodes-Anteile im Donorstuhl sowie wiederholte Gaben im Sinne einer Remissionserhaltung scheinen die Erfolgsraten zu erhöhen. Bei Morbus Crohn liegen bisher nur Ergebnisse aus Kohortenstudien mit geringen Patientenzahlen vor, sodass Atreya zufolge die berichteten Remissionsraten von 55 % allenfalls als ermutigendes Signal verstanden werden können, in diese Richtung weiter zu forschen.

Quelle

  1. Viszeralmedizin 2019, 74. Jahrestagung der DGVS und 13. Herbsttagung der DGVA. 3.10.2019 in Wiesbaden. Session „Mikrobiota und Mikrobiota-Transfer“Google Scholar

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© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Dirk Einecke
    • 1
  1. 1.

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