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Gastro-News

, Volume 6, Issue 3, pp 58–58 | Cite as

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Mikrobiotatransfer als Colitis-Therapie

  • Thomas Meißner
infopharm
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Die therapeutische Manipulation der Darmmikrobiota ist ein erklärtes Ziel von Gastroenterologen. Doch viele Fragen sind noch unbeantwortet.

Bei verschiedenen intestinalen Krankheiten ist die Zusammensetzung der Darmmikrobiota deutlich verändert, auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Es fragt sich, ob man durch Manipulation der Mikrobiotazusammensetzung den Heilungsprozess beschleunigen kann. Bisherige Studien verliefen eher enttäuschend. Zumindest für Patienten mit Colitis ulcerosa liegen inzwischen mehrere randomisierte kontrollierte Studien (RCT) sowie Metaanalysen vor, deren Ergebnisse für eine über den Placeboeffekt hinausgehende Wirkung sprechen.

Prof. Alisa Hart aus London (St. Mark’s Hospital), Großbritannien, zitierte eine Metaanalyse aus dem Jahr 2017, in die acht Fallstudien, zwei Fallserien, 14 Kohortenstudien und vier RCT einbezogen worden waren. Demnach sprechen immerhin mehr als die Hälfte der Colitis-ulcerosa-Patienten auf einen fäkalen Mikrobiotatransfer (FMT) an, in den RCT erreichten 28 % der so behandelten Patienten eine klinische Remission im Vergleich zu 9 % mit Placebo [Costello SP et al. Aliment Pharmacol Ther 2017;46:213—24]. Dies entspricht den Ergebnissen einer gerade veröffentlichten Multicenter-Studie aus Australien, in der die Teilnehmer entweder zwei gepoolte Donor-FMT innerhalb von sieben Tagen erhalten hatten oder eine FMT aus eigenem Stuhl (Placebogruppe). Die steroidfreie Remission innerhalb von acht Wochen erreichten 32 % versus 9 % der Patienten. Von denjenigen, die ansprachen blieben 42 % ein Jahr lang in Remission [Costello SP et al. JAMA 2019;321:156—64].

Dies darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach wie vor unklar ist, wie die optimale Donor-FMT zusammengesetzt sein sollte, und ob der FMT überhaupt die Darmmikrobiota des Patienten maßgeblich verändert. Es gibt noch viele offene Fragen: Wie muss die FMT optimal verabreicht werden — frisch, aus tiefgefrorenem Stuhl, in Kapseln zum Schlucken, wie oft, in welcher Dosis? Und inwiefern sind die Mikrobiota des Empfängers und das Krankheitsstadium bedeutsam? Weitere klinische Studien sind auf den Weg gebracht, etwa STOP-COLITIS im Vereinigten Königreich. In den USA ist bereits eine öffentliche, nicht kommerzielle Stuhlbank gegründet worden (https://openbiome.org). Spender werden aufwändig klinisch und labortechnisch getestet und überwacht, damit ihr Darmmikrobiom künftig zum Arzneimittel werden kann.

Literatur

  1. Falk-Symposium Nr. 214 „IBD: From Pathophysiology to Personalized Medicine“, am 29. — 30.3.2019 in Oxford, Großbritannien (Falk Foundation e. V.)Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Thomas Meißner
    • 1
  1. 1.

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