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Gastro-News

, Volume 6, Issue 2, pp 58–58 | Cite as

Glosse

Gar nichts essen ist auch (k)eine Lösung

  • Peter Stiefelhagen
aktuell
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Ich hoffe, Sie haben die Osterfeiertage gut verbracht. Eigentlich kein Wunder, wenn Ihnen dies gelungen sein sollte, denn entsprechend einer kurz vor Weihnachten 2018 veröffentlichten schwedischen Studie ist die Inzidenz des Herzinfarktes nicht über Ostern, sondern an den Weihnachtsfeiertagen am höchsten und die Prognose desselben am düstersten [1]. Wenn schon ein Infarkt an Feiertagen, dann doch bitte an Ostern oder an Pfingsten, denn da fällt die Prognose einfach besser aus. An Weihnachten scheint der emotionale Stress am größten zu sein. Christbaumschmuck, Festtagsessen und Geschenke, das sind schon Herzensangelegenheiten, die nicht nur eine Partnerschaft und den familiären Frieden, sondern auch das Herz in Gefahr bringen können.

Recht auf ungesunde Ernährung?

Gemeinhin sind alle Feiertage wie auch Ostern außerdem mit einer Gewichtszunahme konnotiert. Dabei wird allerdings vergessen, dass die stärkste Gewichtszunahme nicht zwischen Weihnachten und Neujahr, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten eintritt. Wie dem auch sei, jetzt steht wieder das Thema Gewichtsreduktion, genauer gesagt Diät auf dem Speiseplan der Lebensdiätetik. Auch 2018 ist es der Wissenschaft nicht gelungen, die ideale Abnehmdiät zu definieren. Und was die Experten in Sachen Ernährung im letzten Jahr nicht konnten, können sie in diesem Jahr auch nicht. Heute wird dies und morgen jenes empfohlen. Es ist schon erstaunlich, dass den Menschen bei diesem ständigen Hin und Her nicht die Lust am Essen ganz vergangen ist. Im Gegenteil, es schmeckt ihnen weiterhin alles sehr gut, vor allem die Fleischwaren, wie der jüngste Ernährungsbericht zutage gebracht hat. Ernährungswissenschaftler sind allerdings entsetzt und fordern angesichts dieser grassierenden Unvernunft, dass nur derjenige selbstbestimmt essen dürfen solle, der zwei Kurse zum Thema „Gesünder essen“ an der Volkshochschule mit Erfolg besucht habe.

Es gibt eben kein Recht auf ungesunde Ernährung. Geboten ist vielmehr eine politisch verordnete Beglückung in Sachen Ernährung. Schließlich ist es besser, nichts zu essen, als etwas Schlechtes. Diese These gilt ja bekanntlich auch für andere Lebensbereiche, nämlich den Sex und das Regieren.

© zodebala / iStock

Literatur

  1. 1.
    Mohammad MA et al. BMJ 2018;363:k4811CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Peter Stiefelhagen
    • 1
  1. 1.

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