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Info Diabetologie

, Volume 13, Issue 3, pp 50–50 | Cite as

„A bissl Mikrobiom muss sein“

Stuhlkonsistenz erlaubt Rückschlüsse auf die Darmflora

  • Sarah L. Pampel
aktuell

Sage mir, was bei dir rauskommt, und ich sage dir, wie stoffwechselgesund du bist? Nein, ganz so einfach ist es nicht. Aber es gibt Hinweise darauf, dass häufiger Durchfall stoffwechselungünstige Bakterien im Darm fördern könnte.

Grundsätzlich gilt: Je artenreicher es zugeht bei den Bakterien im Darm, dem intestinalen Mikrobiom, desto (stoffwechsel-)gesünder ist der Gastgeber. Als besonders prägend für den Stoffwechsel haben sich bislang vier sogenannte Enterotypen herausgestellt, die durch den Lebens- und Ernährungsstil mitbeeinflusst werden. Die dominanten Bakterienstämme sind dabei entweder Prevotella, was als besonders ungünstig für den Stoffwechsel gilt, Bacteroides (Typ 1 und 2) oder Ruminococcus. Bacteroides und Ruminococcus werden im Hinblick auf das Diabetesrisiko als eher günstig eingeschätzt. Nun hatte eine Studiengruppe die plastische Idee zu prüfen, ob die vorherrschende Stuhlkonsistenz Rückschlüsse auf die Artenvielfalt und -zusammensetzung des Mikrobioms zulässt [1]. Und obwohl die Studie bereits 2016 publiziert wurde, war sie Prof. Michael Stumvoll von der Universitätsklinik Leipzig ob ihrer Originalität eine Erwähnung beim Diabetes Update 2019 in Mainz wert. Das Forscherteam um Dr. Doris Vandeputte aus Leuven in Belgien griff nämlich auf die Bristol Stool Scale (BSS) zurück [2]. Diese Skala wurde ursprünglich für die Reizdarmforschung Mitte der 1990er-Jahre von Briten entwickelt, wie Stumvoll berichtete. Sie beschreibt die Konsistenz und die Optik des Stuhlgangs und lässt auf die Transitzeit im Kolon schließen (▶Abb. 1). Je weicher, desto höher die Ziffer von 1 bis 7 — und desto schneller die Transitzeit. 1 und 2 deuten auf Verstopfung hin, 5 bis 7 entsprechen zunehmendem Durchfall. Die Hypothese der Wissenschaftler war nun, dass sich allein mithilfe der BSS auch Hinweise aufs Mikrobiom generieren lassen.

1

Die Bristol Stool Scale (BSS) von 1995.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bristol_Stuhlformen_Skala.svg

Durchfall fördert ungünstige Bakterien

In der Studie wurde bei 53 gesunden Frauen nach Assoziationen zwischen der BSS (Selbsteinschätzung!) und der Mikrobiom-Zusammensetzung gesucht, das Letztere unter anderem berechnet anhand eines 16S-rDNA-Profiling der Stuhlproben. Und siehe da, die Stuhlkonsistenz allein lasse laut Stumvoll schon Aussagen über relevante Mikrobiomparameter zu. Denn ein beschleunigter Darmtransit — also ein höher bezifferter BSS-Typ mit weicherem Stuhl — führte zu einem von Prevotella dominierten Enterotyp, einer geringeren Artenvielfalt und innerhalb der Ruminococcus/Bacteroides-Gruppe gab es je nach vorherrschender Stuhlkonsistenz Verschiebungen, die auf einen Einfluss der Transitzeit auf das Wachstum bestimmter Stämme schließen lassen. Prevotella als eher darmwandständiges Bakterium wird von einem erhöhten Washout des Darms offenbar weniger beeinflusst. Kurz: Sehr weicher Stuhl fördert eher die ungünstigen Prevotella und festerer Stuhl fördert eher die stoffwechselgünstigeren Ruminococcus/Bacteroides — wobei auch dieser Zweig der Mikrobiomforschung noch am Anfang steht. Stumvoll extrahiert aus den Erkenntnissen der Studie denn auch zunächst keinen Alltagsnutzen, aber ein Argument für die Berücksichtigung der Stuhlkonsistenz als Kovariate in zukünftigen Mikrobiomstudien.

▶ Das Diabetes Update 2020 findet am 20. und 21. März trotz des Brandes in der Rheingoldhalle in Mainz statt.

Literatur

  1. 1.
    Vandeputte D, Falony G, Vieira–Silva S et al. Stool consistency is strongly associated with gut microbiota richness and composition, enterotypes and bacterial growth rates. Gut. 2016;65(1):57–62CrossRefGoogle Scholar
  2. 2.
    Lewis SJ, Heaton KW. Stool form scale as a useful guide to intestinal transit time. Scand J Gastroenterol. 1997;32(9):920–4CrossRefGoogle Scholar

Quelle

  1. Diabetes Update, 29.3.2019 in MainzGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Sarah L. Pampel
    • 1
  1. 1.

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