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Info Diabetologie

, Volume 13, Issue 3, pp 48–48 | Cite as

Schwangerschaft und Diabetes

News zu Gestationsdiabetes, Eklampsie, Metformin und Co

  • Peter Stiefelhagen
aktuell
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Eine Schwangerschaft ist für eine Frau mit Diabetes immer mit zusätzlichen Risiken assoziiert, ebenso wie für das Kind. Im Rahmen von Studien wurden neue medikamentöse und technologische Strategien geprüft, um diese zu reduzieren — mit unterschiedlichen Ergebnissen.

Gestationsdiabetes wird immer häufiger

In den vergangenen 16 Jahren hat der Gestationsdiabetes in Deutschland um das 5-Fache zugenommen, der präkonzeptionelle Diabetes Typ 1 und 2 um das 2,2-Fache. Die Zunahme des Gestationsdiabetes war nur anfänglich durch die Einführung des generellen Screenings bedingt. Der deutliche Zuwachs in den letzten Jahren ergibt sich durch die Zunahme der Geburten insgesamt, das höhere Lebensalter der Schwangeren, die zunehmende Adipositas bei Schwangeren und die Zunahme der direkten Diagnostik ohne vorgeschaltetes Screening.

Präeklampsie-Prophylaxe mit ASS

Bei einem präkonzeptionellen Diabetes mellitus ist das Risiko für eine Präeklampsie bzw. Eklampsie deutlich erhöht, nämlich um das 3,7-Fache. Eine solche Komplikation ist sowohl kurzfristig als auch langfristig mit einer gesteigerten Morbidität und Mortalität assoziiert. Akut können tonisch-klonische Krämpfe, Hirnblutungen und Hemiparesen auftreten. „Doch auch langfristig ist das kardiovaskuläre Risiko der Mutter erhöht“, so Dr. Helmut Kleinwechter, Kiel. Auch führt die frühe Präeklampsie zu einer fetalen Wachstumsretardierung beim Kind. Die präventive Wirkung von 50–150 mg ASS ist schon seit vielen Jahren bekannt. Dadurch wird die Präeklampsie-Inzidenz um 10 % reduziert, bei Beginn der ASS-Einnahme vor der 16. SSW sogar halbiert. Der Stellenwert der ASS-Prophylaxe wurde jetzt durch die Daten einer großen Metaanalyse bestätigt. Dabei zeigte sich, dass der prophylaktische Effekt von ASS dosisabhängig ist. Daraus leitet sich die Empfehlung ab, mit der ASS-Prophylaxe zwischen der 11. und 14. SSW zu beginnen und zwar in einer Dosierung von 150 mg/Tag und diese bis zur 36. SSW fortzuführen.

Kein Vorteil bei CGM-System bei Schwangeren

Der Frage, ob man Schwangere mit einer hochentwickelten Technologie wie einem CGM-(Continuous Glucose Monitoring)System ausstatten soll, wurde in einer Studie bei 300 Frauen mit einem Typ-1- oder Typ-2-Diabetes nachgegangen. Verglichen wurde dabei CGM mit SMBG (Self Monitoring of Blood Glucose). Primärer Endpunkt war die LGA-(Large for Gestational Age)Rate. Fazit: Es fand sich kein relevanter Unterschied (LGA-Rate bei CMG 31,0 % vs 28,4 % bei SMBG). Das gilt auch für die HbA1c-Werte und weitere mütterliche und neonatale Endpunkte, nur die Eklampsierate war unter CMG niedriger. „Auch wenn CMG Informationen zu glykämischen Fluktuationen zuverlässiger liefert, so lässt sich diese Behandlungsstrategie nicht in einen verbesserten Ausgang der Schwangerschaft umsetzen“, so die Beurteilung von Kleinwechter.

Metformin als Additiv?

ist die zusätzliche Gabe von Metformin neben Diät und Lebensstilintervention für Schwangere sinnvoll? Die Antwort lautet: Nein! Denn in einer Studie verbesserte die additive Gabe von Metformin bis zu 2 g/Tag ab der 10.–20. SSW den Ausgang der Schwangerschaft weder für die Mutter noch das Kind. 16 % der Kinder unter Metformintherapie der Mutter und 14 % unter Placebo hatten ein Geburtsgewicht von > 4.000 g.

Die Gefahren des Rauchens

Die Risiken des Tabakrauchens für die Schwangerschaft, den Fetus und das Neugeborene sind bekannt. Trotzdem rauchen mehr als 1 % der Schwangeren weiter. Rauchen ist mit jüngerem Lebensalter, niedrigem Bildungsniveau und geringem Einkommen assoziiert. In einer populationsbasierten Studie wurde der schädliche Effekt des Rauchens erneut belegt: Die Raten an Frühgeburten betrug bei Raucherinnen mit Diabetes 27,9 %, bei Nichtraucherinnen dagegen nur 17 %. Die Vergleichszahlen bei den Fehlbildungen waren 4,8 % vs. 2,7 %. „Die Effekte eines präkonzeptionellen Diabetes und Tabakrauchens auf die Rate an Frühgeburten und Fehlbildungen sind mehr als additiv und kausal“, so Kleinwechter.

Zurückhaltung bei der Insulinpumpe

Im Rahmen einer randomisierten Studie wurde der Frage nachgegangen, ob bei Typ-1-Diabetikerinnen in der Schwangerschaft eine ICT oder eine Pumpe sinnvoller ist? Die mittleren HbA1c-Werte zeigten im 1. Trimenon keinen Unterschied. Ab der 34. SSW lagen die HbA1c-Werte unter ICT günstiger, es wurden häufiger die Zielwerte erreicht. Frauen mit einer Insulinpumpe hatten häufiger Hochdruckkomplikationen und die Neugeborenen häufiger eine Hypoglykämie, die eine i.v. Gabe von Glukose erforderlich machte. Bei einer Pumpenbehandlung waren hypoglykämieassoziierte Ängste seltener, bei der ICT gaben die Patientinnen häufiger Wohlbefinden an. „Der Beginn einer Insulinpumpentherapie bei Schwangeren mit einem Typ-1-Diabetes sollte äußerst zurückhaltend umgesetzt werden und ausgewählten gut begründeten Einzelfällen vorbehalten bleiben“, so die Empfehlung von Kleinwechter.

Quelle

  1. Diabetes Update 2019, 29.3.2019 in MainzGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  • Peter Stiefelhagen
    • 1
  1. 1.

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