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Info Diabetologie

, Volume 13, Issue 3, pp 46–46 | Cite as

Für eine Zukunft ohne Diabetes

Zehn Jahre erfolgreiche Forschung im DZD

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Um Erkenntnisse und Ergebnisse aus der Diabetesgrundlagenforschung möglichst schnell vom Labor in klinische Studien und zum Patienten zu bringen, wurde auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) gegründet. Nun feiert es 10-jähriges Jubiläum. Was wurde bisher erreicht?

„Die Entstehung von Diabetes ist komplex und führt durch ein langjähriges Zusammenspiel von Genen, Lebensstil und Umweltfaktoren zur Erkrankung. Nur wenn wir dies verstehen, können wir neue Ansätze entwickeln, um die Stoffwechselkrankheit behandeln oder vermeiden zu können“, beschreibt Prof. Martin Hrab? de Angelis, Vorstand und Gründungsmitglied des DZD, die Intention des Zentrums. Im DZD arbeiten mehr als 400 exzellente universitäre und außeruniversitäre Experten in Disziplinen wie Grundlagenforschung, Epidemiologie, Versorgungsforschung und Klinik gemeinsam an neuen personalisierten Präventions- und Therapiekonzepten. Ein Ziel des DZD ist es, neue Erkenntnisse schneller und effizienter in wirksame Diagnose- und Behandlungsmethoden zu überführen (Translation). Um das zu erreichen, betreibt das DZD bereichsübergreifende Forschungsprojekte zu den drängendsten Fragen der Diabetesforschung. Schwerpunkte sind: Diabetesprävention, Ursachen und Behandlung der nichtalkoholischen Fettlebererkrankung, Insulinwirkung und -resistenz im Gehirn, Protektion und Regeneration der Inselzellen, Typ-1-Diabetes, Diabeteskomplikationen sowie der Einfluss von Epi-/Genetik auf die Diabetesentstehung.

Grundlagen für innovative Therapie-Ansätze

Mit seinen Arbeiten hat das DZD in 10 Jahren wichtige Grundlagen für innovative Verfahren gelegt. So können Multi-Hormone neue Optionen gegen Typ-2-Diabetes eröffnen. DZD-Experten entwickelten u. a. ein Dreifach-Hormon, das die Wirkungen von GLP-1, GIP und Glukagon in sich vereint. Im Tiermodell senkt es Blutzucker, Appetit und Körperfett drastisch, verbessert auch die Kalorienverbrennung und reduziert die Leberverfettung.

Messung der Reaktionen des Gehirns auf Essensreize.

© Deutsches Zentrum für Diabetesforschung e.V.

Bundesweite klinische Multicenterstudien des DZD zeigen, dass es mehrere Subtypen des Prä- und manifesten Typ-2-Diabetes gibt, die auf Lebensstiländerung und Therapie sehr individuell ansprechen. Die Erkenntnisse helfen, eine personalisierte Prävention und Therapie zu entwickeln.

Beim Typ-1-Diabetes sowie beim fortgeschrittenen Typ-2-Diabetes gehen die Insulin produzierenden Betazellen zugrunde. Das DZD arbeitet an einem künstlichen Pankreas (Bioreaktor), bei dem die Inselzellen mit einer Teflon-Membran umgeben sind, die Hormone und Nährstoffe passieren lässt, aber den Kontakt zu den Immunzellen unterbindet. So könnten Xeno-Transplantationen und der Verzicht auf Immunsuppressiva möglich sein.

Hinweise zum individuellen Diabetesrisiko gibt der vom DZD entwickelte DIfE — Diabetes-Risiko-Test® (http://drs.dife.de). Er ermöglicht die Risikoabschätzung für Erwachsene, innerhalb der nächsten 5 Jahre an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Bei erhöhtem Risiko kann gegengesteuert werden. Vom DZD entdeckte Biomarker können künftig helfen, die Diagnostik zu verbessern.

Am Beginn des Typ-1-Diabetes steht meist eine fehlgeleitete Immunreaktion gegen Insulin. Um die Manifestation bei Kindern mit erhöhtem genetischem Risiko zu vermeiden, arbeiten DZD-Experten an einer Art Desensibilisierung. Die Kinder erhalten täglich etwas Insulinpulver, um das Immunsystem zur Toleranz körpereigenen Insulins zu trainieren. Das Verfahren wird derzeit in der kontrollierten Studie POInT geprüft.

Diabetesgene und epigenetische Faktoren

Es ist DZD-Forschern gelungen, mehr als 50 neue Gene zu identifizieren, die mit dem Stoffwechsel assoziiert sind. Neben dem genetischen Code beeinflusst der Lebensstil, wie stark Gene abgelesen und ihre Informationen umgesetzt werden (Epigenetik). Analysen des DZD deuten darauf hin, dass durch Fehlernährung verursachte Adipositas und Diabetes über Eizellen und Spermien epigenetisch vererbt werden.

Gehirn und Fettleber: Beitrag zur Diabetesentstehung

DZD-Experten fanden heraus, dass veränderte Reaktionen im Gehirn an der Entstehung der Ganzkörper-Insulinresistenz beteiligt sind. Sie zeigen zudem, dass sich Gestationsdiabetes auch auf das Ungeborene auswirkt. So ist die fetale Hirnreaktion nach einer Mahlzeit der Mutter verlangsamt. Evtl. haben diese Kindern schon in utero eine Insulinresistenz des Gehirns, was die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht/Typ-2-Diabetes erhöhen kann.

Auch das Leberfett fördert Stoffwechselprobleme. Die Leberzellen produzieren vermehrt Fetuin-A. Es bindet an Insulinrezeptoren von Muskel- und Fettzellen und trägt so zur Insulinresistenz bei. Adipöse Patienten mit NAFLD neigen durch erhöhte Fettverbrennung zur verstärkten Aktivität der Leber-Mitochondrien, die dann signifikant sinkt und es entsteht schädlicher oxidativer Stress.

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© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • DZD

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