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Info Diabetologie

, Volume 13, Issue 3, pp 40–40 | Cite as

Kardiologen interessiert an Diabetesmedikamenten

  • Friederike Klein
aktuell
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Kardiovaskuläre Endpunktstudien der letzten Jahre haben eine Reduktion der kardiovaskularen Mortalität und der Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz durch Diabetesmedikamente des Typs SGLT-2-Hemmer und GLP-1-Rezeptoragonist gezeigt. Nun interessieren sich auch Kardiologen für diese Wirkstoffe.

Die Therapie der Herzinsuffizienz bei Diabetespatienten unterscheidet sich nach den europäischen Leitlinien nicht von der anderer Patienten mit Herzinsuffizienz, erläuterte Privatdozentin Dr. Katharina Schütt, Oberärztin an der kardiologischen Universitätsklinik in Aachen [1]. Aus Sicht der Diabetologie spielt die Kombination Diabetes und Herzinsuffizienz aber eine Rolle: Seit 2018 Jahr empfiehlt die europäische Diabetesgesellschaft EASD im Einklang mit der amerikanischen Diabetesgesellschaft ADA die Wahl der Diabetestherapie — über Lebensstilmaßnahmen und Metformin hinaus — nach den Komorbiditäten zu treffen [2]. Kardiovaskulär vorerkrankte Patienten wie diejenigen mit Herzinsuffizienz sollten vorrangig mit SGLT-2-Inhitoren (Hemmer des Natrium-Glukose-Transporters 2, Gliflozine) mit nachgewiesenem kardiovaskulärem Benefit behandelt werden. In den kardiovaskulären Endpunktstudien von Empagliflozin, Canaglilfozin und Dapagliflozin war der Anteil von Patienten mit Herzinsuffizienz mit etwa 10 % ähnlich. Alle drei SGLT-2-Inhibitoren führten zu einer Reduktion der Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz sowohl bei Patienten mit als auch ohne vorbestehender Herzinsuffizienz.

GLP-1-RA stärker nephroprotektiv

Die ebenfalls die Mortalität der Diabetespatienten günstig beeinflussenden Glucagon-like-Peptid-1-(GLP-1-)Rezeptoragonisten (RA) wirken dagegen stärker nephro- als kardioprotektiv, meinte Schütt. In den kardiovaskulären Endpunktstudien waren diese Inkretinmimektika im Hinblick auf die Krankenhauseinweisung wegen Herzinsuffizienz sicher, das heißt, diese Ereignisse waren nicht häufiger als mit Placebo. Ein echter Vorteil fand sich aber nicht.

Der Nachteil des Dipeptidylpeptidase-4- (DPP-4-)Inhibitors Saxagliptin, der die Hospitalisierungsrate wegen Herzinsuffizienz in der SAVOR-TIMI-53-Studie erhöhte, scheint kein Klasseneffekt der Gliptine zu sein zu sein. Andere Vertreter dieser Inkretinverstärker waren in den entsprechenden Studien sicher, gingen aber ebenfalls nicht mit einem Vorteil hinsichtlich der Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz einher.

Substanzcheck im Überblick

Für die Praxis fasste Schütt zusammen: Bei Patienten mit Diabetes und Herzinsuffizienz sollten Glitazone und Saxagliptin vermieden werden, da sie mit einem zusätzlichen Risiko für diese Patienten einhergehen. Sitagliptin, Alogliptin und Linagliptin scheinen sich hier neutral zu verhalten. Das gilt auch für die GLP-1-RA und Acarbose. Wie eine Insulintherapie die Herzinsuffizienz beeinflusst, ist unklar, Studiendaten sind widersprüchlich. Metformin könnte laut Schütt günstig sein, erste Wahl aufgrund ihres günstigen Effekts auf die Herzinsuffizienz sind die SGLT-2-Inhibitoren.

Der Vorteil der SGLT-2-Inhibitoren hinsichtlich des Endpunkts der Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz wurde in den kardiovaskulären Endpunktstudien auch bei Patienten festgestellt, die keine vorbestehende Herzinsuffizienz hatten. Deshalb werden Substanzen dieser Wirkstoffklasse auch für die Indikation Herzinsuffizienz unabhängig von einer Diabeteserkrankung weiterentwickelt, z. B. Empagliflozin zur Therapie bei Herzinsuffizienz mit/ohne erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF, HFrEF) und Dapaglifozin zur Therapie speziell der HFrEF.

Literatur

  1. 1.
    Ponkowski P et al. Eur Heart J. 2016;37(27):2129–200CrossRefGoogle Scholar
  2. 2.
    Davies MJ et al. Diabetologia. 2018;61(12):2461–98CrossRefGoogle Scholar

Quelle

  1. Diabeteskongress 2019 der DDG vom 29.5.–1.6.2019 in Berlin, Symposium „Herzinsuffizienz u. Diabetes: Neue Mechanismen und klinische Bedeutung“Google Scholar

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© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Friederike Klein
    • 1
  1. 1.

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