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Info Diabetologie

, Volume 13, Issue 3, pp 23–23 | Cite as

Fettleber und Typ-2-Diabetes

Verzweigtkettige Aminosäuren mit Diabetesrisiko assoziiert

  • Peter E. H. SchwarzEmail author
journal club
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Leberfett macht Diabetes, evtl. vermittelt durch verzweigtkettige Aminosäuren.

© magicmine / stock.adobe.com

Fragestellung: Welche Rolle spielen verzweigtkettige Aminosäuren, sogenannte (Branched-Chain Amino Acids = BCAAs), beim Mutilieren des Risikos für Typ-2-Diabetes bei Patienten mit einer nicht alkoholischen Fettleber?

Hintergrund: Wir wissen, dass es einen engen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Leberfett und Typ-2-Diabetes gibt. Wir denken, dass eine verfettete Leber zu einer hepatischen Insulinresistenz führt, die wiederum eine periphere Insulinresistenz initiieren kann. Das führt dann zu einer deutlichen Erhöhung des Typ-2-Diabetes-Risikos. Welche Mechanismen dabei allerdings eine Rolle spielen, das wird kontrovers diskutiert. Dabei gilt es zu klären, wie es eigentlich zum Beginn einer nichtalkoholischen Leberverfettung (NAFLD) kommt und wie dieser Prozess fortschreitet, wie aber auch bei manchem Patienten dieser Prozess aufgehalten werden kann oder das Leberfett komplett verschwindet. In einer epidemiologischen Untersuchung haben sich die Autoren um van den Berg et al. diese Fragen gestellt. Ihre Hypothese ist, dass sogenannte verzweigtkettige Aminosäuren (BCAAs) in die Veränderung des Typ-2-Diabetes-Risikos involviert sind als ein Teil der Prozesse, die zur Leberverfettung führen.

Patienten und Methoden: Dazu untersuchten sie 5.791 Studienteilnehmer aus der „Prevention of renal and vascular endstage-disease Study“ (PREVEND) ohne Typ-2-Diabetes at Baseline. Der Fatty-Liver-Index, bestehend aus Triglyzeriden, Gamma-GT, Body-Mass-Index und Taillenumfang, wurde als Surrogatmarker für die NAFLD bestimmt. Einen Fatty Liver Index (FLI) > 60 (Hinweis auf Leberverfettung) hatten 1.671 Studienteilnehmer. Die BCAAs waren positiv mit einem Fatty-Liver-Index von > 60 assoziiert. Während der Beobachtungszeit von im Mittel 7,3 Jahren entwickelten 276 Studienteilnehmer einen Typ-2-Diabetes. Davon hatten 194 einen Fatty-Liver-Index von über 60. Regressionsanalysen ergaben, dass beides, der Fatty-Liver-Index von über 60 (OR = 3,46) und das Auftreten von verzweigtkettigen Aminosäuren (BCAAs) (OR = 1,19) mit dem Auftreten eines Typ-2-Diabetes im Beobachtungszeitraum assoziiert waren. Es zeigte sich, dass der Einfluss der NAFLD auf das Diabetesrisiko zu einem substanziellen Teil über das Auftreten der BCAAs vermittelt war.

Schlussfolgerungen: Die Autoren schlussfolgern, dass ein erhöhter Fatty-Liver-Index und erhöhte Plasmaspiegel der BCAAs mit Typ-2-Diabetes assoziiert sind.

Kommentar von Prof. Dr. med. Peter Schwarz

Ein Teufelskreis aus mitochondrialer Fehlfunktion und Leberfett

Nun ist es erst mal eine statistische Hochrechnung, dass das Auftreten verzweigtkettiger Aminosäuren unter Umständen das Risiko für Typ-2-Diabetes vermittelt — ausgelöst durch Leberfett. Wie soll man das verstehen? Diese Aminosäuren haben wichtige Transportfunktionen für Mitochondrien. Mitochondrien wiederum sind ein wichtiger Regulator des Leberstoffwechsels. Erhöhte Spiegel der BCAAs sind ein Zeichen für mitochondriale Fehlfunktion, die wiederum pathogenetisch für das Auftreten von Leberfett sind. Leberfett wiederum stört den Abbau der BCAAs, sodass sich ein Teufelskreis in der Leber in Gang setzen könnte. Schaut man sich das von außerhalb an, ist unklar, was nun Henne und was Ei ist, weil beide Mechanismen einander potenzieren und damit das Diabetesrisiko erhöhen. Die Studie zeigt aber sehr schön, dass eine Leberverfettung und möglicherweise das Auftreten der BCAAs entscheidende Risikomodulatoren für Typ-2-Diabetes sind. Spannend wäre jetzt die Antwort auf die Frage, wie denn diese Mechanismen beeinflusst werden können. Welche Ernährung vielleicht die BCAAs reduziert, welchen Einfluss Bewegung und Sport hat. Interessant wäre auch festzustellen, ob leberfettreduzierendes Fasten sich auf die BCAAs auswirkt.

Prof. Dr. med. Peter E. H. Schwarz

Originalie

  1. van den Berg EH, Flores-Guerrero JL, Gruppen EG et al. Non-Alcoholic Fatty Liver Disease and Risk of Incident Type 2 Diabetes: Role of Circulating Branched-Chain Amino Acids. Nutrients. 2019;11(3);  https://doi.org/10.3390/nu11030705CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Med. Klinik IIITU DresdenDresdenDeutschland
  2. 2.Paul Langerhans Institut Dresden, German Center for Diabetes ResearchDresdenDeutschland

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