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Info Diabetologie

, Volume 13, Issue 3, pp 10–10 | Cite as

Diabetes und HIV bremsen

Weltweite Lebenserwartung bei guter Gesundheit steigt — trotz Diabetes

  • Heinrich HolzgreveEmail author
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Die Unterschiede bei der Lebenserwartung und Krankheiten sind erheblich.

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Fragestellung: Wie hat sich die Lebenserwartung der Weltbevölkerung seit 1990 entwickelt?

Hintergrund: Die Daten über die Lebenserwartung in einzelnen Regionen und Nationalstaaten werden regelmäßig aktualisiert. Daraus versucht man neue oder verbesserte Ansätze für Gesundheitsmaßnahmen abzuleiten. Allerdings ist die reine Lebenszeit wenig geeignet für die Analyse von speziellen Mängeln und die Implementation wirksamer Strategien. Sehr viel hilfreicher ist die genaue Kenntnis all jener Krankheiten, Schäden und Verletzungen, die die Lebenszeit verkürzen. Dieser Aspekt ist bislang nur in zwei Studien in Australien untersucht worden. Da die Gesundheitssysteme weltweit stark differieren, könnte man durch einen weltweiten Vergleich die Aussagekraft und Zuverlässigkeit für zielgerichtete Innovationen verbessern.

Patienten und Methoden: In der Global-Burden-of-Disease-Studie wurden zwischen 1990 und 2013 weltweit in 187 Ländern außer den demografischen Daten die ursachenspezifische Mortalität sowie Art und Dauer von 306 kurz- und langfristigen Krankheiten analysiert. Daraus resultiert eine unglaublich große Datenfülle.

Ergebnisse: Ein zentraler Begriff ist die Lebenserwartung ab Geburt in Gesundheit (health adjusted life expectancy at birth in Jahren = HALE0). Zwischen 1990 und 2013 stieg dieser Wert um 5,31 bzw. 5,73 Jahre bei Männern bzw. Frauen, vorwiegend aufgrund des Rückgangs von ansteckenden, neonatalen und ernährungsbedingten Krankheiten und Erkrankungen von Schwangeren. Erwartungsgemäß gibt es zwischen den einzelnen Ländern große Unterschiede. In 176 von 187 Ländern nahm der Wert zu, am stärksten z. B. in Nicaragua, Kambodscha, Äthiopien um ca. 14 Jahre. In 11 von 187 Ländern, vor allem in Südafrika, kam es zu einer Abnahme um 4 bis 11 Jahre. Die Hauptursache dieses Negativtrends sind HIV-Infektionen.

In Zentraleuropa hat die Lebenserwartung ab Geburt in Gesundheit um 4,73 Jahre zugenommen. Diese insgesamt erfreuliche Entwicklung ist das Resultat vornehmlich von zwei gegenläufigen Einflüssen: die deutliche Verbesserung durch Rückgang ischämischer Herzerkrankungen wird durch Zunahme des Diabetes erheblich gebremst.

Schlussfolgerung: In den letzten 23 Jahren hat die Lebenserwartung bei guter Gesundheit weltweit um 5,49 Jahre zugenommen.

Kommentar von Prof. Dr. med. Heinrich Holzgreve

Diabetes bremst steigende Lebenserwartung

Bei vielen Menschen steht oben auf der Wunschliste ein langes Leben. Dabei drohen aber Alterskrankheiten und Gebrechlichkeit. Erstrebenswert ist deshalb Langlebigkeit bei guter Gesundheit. Erfreulicherweise ist genau dies bei globaler Betrachtung in den letzten zwei Jahrzehnten eingetreten. Allerdings sind die Unterschiede hinsichtlich der Lebenserwartung und jener Krankheiten, die diese einschränken, erheblich. Der wichtigste Störfaktor ist der Diabetes, der in 16 von 21 Weltregionen, darunter auch in Europa, an erster oder zweiter Stelle steht. Diesem folgen an den beiden ersten Positionen HIV-Infektionen in 10 von 21 Regionen, vor allem in Afrika und Lateinamerika. Da vor allem junge Menschen erkranken und sterben, ist der Einfluss auf die mittlere Lebenserwartung naturgemäß groß.

Prof. Dr. med. Heinrich Holzgreve

Originalie

  1. Chen H, Chen G, Zheng X et al. Contribution of specific diseases and injuries to changes in health adjusted life expectancy in 187 countries from 1990 to 2013: retrospective observational study. BMJ. 2019;364:l969CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.MünchenDeutschland

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