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Info Diabetologie

, Volume 12, Issue 6, pp 12–12 | Cite as

Weniger Gefäßtote

Erfolgreiche Diabetestherapie verschiebt Sterblichkeitsursachen

  • Heinrich Holzgreve
journal club
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Fragestellung: In den letzten 30 Jahren sank bei Diabetespatienten die Inzidenz der klassischen diabetischen Folgekomplikationen. Haben sich dadurch bei ihnen auch die häufigsten Mortalitätsursachen verändert?

Hintergrund: Diabetiker sind überwiegend durch kardiovaskuläre Todesursachen bedroht. In den letzten drei Jahrzehnten haben Fortschritte in der Therapie zu einem deutlichen Rückgang dieser dominierenden Komplikationen geführt. Es sind aber auch noch andere Diabetesfolgen gefürchtet, z. B. renale, infektiöse, maligne, respiratorische und hepatische Erkrankungen, die auch oft zum Tod führen.

Patienten und Methoden: Die repräsentativen Daten stammen aus US-amerikanischen Registern, in denen von 1985 bis 2015 insgesamt 677.060 Erwachsene jenseits des 18. Lebensjahres mit ihren Krankheits- und Todesdaten erfasst sind. Darunter befinden sich 50.200 Diabetiker.

Ergebnisse: Wie die Tabelle (▶Tab. 1) eindrucksvoll belegt, haben Gesamtmortalität und die Sterblichkeit infolge vaskulärer, maligner und sonstiger, d. h. nicht vaskulärer und nicht maligner Ursachen, bei Diabetikern in den letzten drei Jahrzehnten erheblich und jeweils hochsignifikant abgenommen. Allerdings ist auch die Sterblichkeit bei Nichtdiabetikern mit Ausnahme der sonstigen Ursachen signifikant, aber quantitativ geringer zurückgegangen. Dadurch haben sich die Unterschiede zwischen Diabetikern und Nichtdiabetikern zwar verringert und verschoben, aber nicht ausgeglichen. So ging bei Diabetikern die Mortalitätsrate aus vaskulären Ursachen von 47,8 % in 1988 auf 34,1 % in 2015 zurück, während gleichzeitig die sonstigen Ursachen von 33,5 % auf 46,5 % zunahmen.
T1

Ursachenspezifische Todesfälle pro 1000 Patientenjahre zwischen 1988 und 2015 bei Diabetikern und Nichtdiabetikern

  

Gesamt

Vaskulär

Malignome

Sonstige*

Diabetiker

1988 – '94

23,1

11,0

4,4

7,7

Diabetiker

2010 – '15

15,2

5,2

3,0

7,1

Nichtdiabetiker

1988 – '94

11,8

5,2

3,2

3,4

Nichtdiabetiker

2010 – '15

9,3

2,9

2,4

4,0

*nicht vaskulär und nicht maligne

Schlussfolgerung: Die großen Erfolge in der Diabetestherapie haben zu einer Verschiebung der Todesursachen geführt und verlangen auf Dauer eine Anpassung der Behandlungsstrategien bei diesen Patienten.

Kardiovaskuläre Probleme beenden noch immer häufiger das Leben von Menschen mit Diabetes, aber es gibt Verbesserungen.

© Sebastian Kaulitzki / Fotolia

Kommentar von Prof. Dr. med. Heinrich Holzgreve

Anpassung ans neue diabetische Krankheitsspektrum nötig

Typ und Umfang der klassischen Diabeteskomplikationen und die todesursachenspezifische Mortalität haben sich in den letzten Jahrzehnten, überwiegend durch die erfolgreiche Therapie verändert. Nach dem starken Rückgang der kardiovaskulären Komplikationen hat fast die Hälfte aller Todesfälle bei Diabetikern weder eine vaskuläre noch eine maligne Ursache. Die Krebssterblichkeit blieb im gesamten Zeitraum mit 16 bis 20 % ziemlich stabil. Andere Todesursachen wie Nierenkrankheiten, Influenza, Pneumonie, Sepsis, chronische Lebererkrankungen und Unfälle sind bei Diabetikern aber weiterhin deutlich häufiger als in der Allgemeinbevölkerung. Die Autoren fordern eine Anpassung an die neue Entwicklung.

Prof. Dr. med. Heinrich Holzgreve

Literatur

  1. Gregg E W, Cheng Y J, Srinivasan M et al. Trends in causespecific mortality among adults with and without diagnosed diabetes in the USA: an epidemiological analysis of linked national survey and vital statistics data. Lancet 2018;391:2430–40.CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.MünchenDeutschland

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