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Pneumo News

, Volume 11, Issue 7, pp 42–42 | Cite as

Neue Einsatzgebiete?

Exazerbationsprophylaxe mit Low-dose-Azithromycin

  • Beate Schuhmacher
aktuell
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In zwei weiteren Indikationen deuten sich lungenprotektive Effekte einer Langzeittherapie mit Azithromycin in niedriger Dosierung an: bei erstmaliger Pseudomonas-aeruginosa-Infektion von Vorschulkindern mit zystischer Fibrose und bei primärer Ziliendyskinesie.

Ein Kongressbesucher testet die Handhabung eines Bronchoskops in der „Game Zone“.

© ERS 2019

Bei zystischer Fibrose (CF) ist die Low-dose-Therapie mit Azithromycin bereits in der Leitlinie von 2017 verankert. Sie soll in Erwägung gezogen werden, wenn sich eine chronische Infektion mit Pseudomonas aeruginosa (PA) etabliert hat (Empfehlungsgrad A). Die Empfehlung beruht auf randomisierten kontrollierten Studien, in denen die Makrolidbehandlung (250 bzw. 500 mg an drei Tagen der Woche) vor allem bei PA-positiven Patienten eine Zunahme der FEV1 und einen Rückgang der Exazerbationshäufigkeit bewirkte. Die Studienteilnehmer mussten allerdings mindestens sechs Jahre alt sein. „Bei der ersten Kolonisation bzw. Infektion mit PA sind CF-Patienten aber im Mittel zwischen zwei und fünf Jahre alt“, stellte Prof. Keith Grimwood von der Griffith University in Southport klar. Diese Wissenslücke ist inzwischen durch die OPTIMIZE-Studie geschlossen worden. Wie Grimwood beim europäischen Pneumologenkongress berichtete, senkt Low-dose-Azithromycin auch bei Kindern unter sechs Jahren die Rate an akuten Exazerbationen.

„CF-Patienten unter drei haben am stärksten profitiert“

Die Studienteilnehmer im Alter zwischen sechs Monaten und 18 Jahren, die Hälfte davon unter sechs Jahren, und mit einer frisch diagnostizierten PA-Infektion hatten außer der üblichen Therapie mit inhalativem Tobramycin niedrig dosiertes Azithromycin (n = 110) oder Placebo (n = 111) erhalten. Die auf 18 Monate angelegte Studie wurde nach elf Monaten aufgrund der Unterschiede im primären Endpunkt vorzeitig beendet. Azithromycin hatte bis dahin das Exazerbationsrisiko um 44 % reduziert, den größten Nutzen hatten die unter Dreijährigen. Die Häufigkeit von PA-Infektionen wurde durch das Makrolid allerdings nicht beeinflusst. Schwere Nebenwirkungen waren laut Grimwood nicht häufiger als unter Placebo, insbesondere wurden weder Hörminderungen noch EKG-Veränderungen festgestellt. Ein Risiko der Behandlung, auf das auch in der CF-Leitlinie hingewiesen wird, ist die Entstehung einer Makrolidresistenz.

Worauf die Wirkung von Low-dose-Azithromycin beruht, ist noch nicht geklärt. Die Dosierung ist niedriger als für eine antibiotische Therapie erforderlich. Vermutet werden vor allem antiinflammatorische und immunmodulierende sowie antivirale Effekte.

Exazerbationsrate bei PCD halbiert

Diese Wirkungen können auch Patienten mit primärer Ziliendyskinesie (PCD) zugutekommen, wie eine weitere auf dem Kongress präsentierte Studie zeigt. Für die seltene und prognostisch sehr ungünstige genetische Erkrankung gibt es bislang keine evidenzbasierten Therapieempfehlungen, wie Dr. Helene Kobbernagel von der Universität Kopenhagen berichtete. In der randomisierten placebokontrollierten Studie BESTCILIA gelang es, durch eine sechsmonatige Therapie mit niedrig dosiertem Azithromycin die Rate an Atemwegsexazerbationen zu halbieren (von 1,37 auf 0,63 Episoden). Gleichzeitig kam es zu einem Rückgang von pathogenen Bakterien im Sputum. Ein Effekt auf die Lungenfunktion konnte im Studienzeitraum nicht festgestellt werden.

An der Studie hatten 90 Patienten zwischen 7 und 50 Jahren teilgenommen, 49 hatten Azithromycin erhalten. Kobbernagel sprach sich dafür aus, „die Erhaltungstherapie bei PCD-Patienten mit häufigen Exazerbationen in Betracht zu ziehen“. Damit lasse sich der Bedarf an Antibiotika in voller Dosierung reduzieren und möglicherweise auch der Lungenfunktionsverlust aufhalten.

Neue Leitlinienempfehlung bei schwerem Asthma

Ein Versuch mit einer Dauertherapie mit Low-dose-Azithromycin wird in der neuen ERS/ATS-Leitlinie zum schweren Asthma erstmals auch in dieser Indikation empfohlen, um die Exazerbationslast zu senken. Zielgruppe sind Erwachsene, die trotz Stufe-5-Therapie dauerhaft symptomatisch oder unkontrolliert sind. Ausdrücklich abgeraten wird dagegen von einer längerfristigen Azithromycintherapie für asthmakranke Kinder und Jugendliche.

Literatur

  1. Jahreskongress der European Respiratory Society, Madrid, 28.9.–2.10.2019Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Beate Schuhmacher
    • 1
  1. 1.

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