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Pneumo News

, Volume 11, Issue 6, pp 57–57 | Cite as

Prospektive Phase-III-Studie

NSCLC: Pluspunkte für prophylaktische Gehirnbestrahlung

  • Peter Leiner
aktuell
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Bei Patienten mit nichtkleinzelligem Lungenkarzinom geht die prophylaktische Bestrahlung des Gehirns mit einer Verlängerung des progressionsfreien Überlebens einher. Außerdem kommt es seltener zu Hirnmetastasen als bei Patienten ohne die Bestrahlung. Einen Einfluss auf die Gesamtüberlebenszeit hatte die Prophylaxe in einer aktualisierten prospektiven Studie dagegen nicht.

Wird bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem NSCLC das Gesamtüberleben durch eine prophylaktische Gehirnbestrahlung verlängert?

© Jolygon / Getty Images / iStock

Die Erfolge in der Behandlung von Patienten mit nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) haben dazu geführt, dass die Patienten länger leben als früher. Dies geht allerdings mit einer erhöhten Rate an Gehirnmetastasen einher. Es wird geschätzt, dass dies bei 55 % der NSCLC-Patienten der Fall ist. Sie ist damit ähnlich hoch wie bei Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs, bei denen nach Angaben von Dr. Alexander Sun von der Universität Toronto in Kanada und seinen US-Kollegen die prophylaktische Bestrahlung des Gehirns zum Standard geworden ist. Es wurde bereits beobachtet, dass diese Prävention bei Patienten mit NSCLC die Rate an Hirnmetastasen verringert, doch ein Effekt auf das Gesamtüberleben wurde bisher nicht gesehen.

Deshalb hat die NRG Oncology/Radiation Therapy Oncology Group (RTOG), die an Forschungen des US-nationalen Krebsinstituts beteiligt ist, eine Studie vorgenommen — die größte ihrer Art —, in der nach primärer Therapie die prophylaktische Bestrahlung erfolgte. Primärer Endpunkt der prospektiven Phase-III-Studie war das Gesamtüberleben. Sekundäre Endpunkte waren das progressionsfreie Überleben sowie die Rate an Hirnmetastasierungen. Jetzt haben Sun und seine Kollegen aktualisierte Langzeitdaten dieser Studie vorgestellt.

Insgesamt 340 Patienten im Alter von durchschnittlich 61 Jahren nahmen an der Studie teil. Sie waren im Stadium IIIA/B nach der lokalen Bestrahlung mit/ohne Operation sowie mit oder ohne Chemotherapie ohne Krankheitsprogression. 163 Patienten erhielten eine präventive Bestrahlung, 177 Patienten wurden nur beobachtet. Prophylaktisch bestrahlt wurde mit einer Dosis von 2 Gy/Fraktion fünf Tage pro Woche bis zu einer Gesamtdosis von 30 Gy. Das mediane Follow-up bei allen Studienteilnehmern lag bei 2,1 Jahren (0,1–12,6 Jahre), bei denen, die überlebten, bei 9,2 Jahren.

Wie die Onkologen berichten, gab es beim primären Endpunkt Gesamtüberleben zwischen den beiden Studiengruppen keinen signifikanten Unterschied. In der Verumgruppe lebten nach fünf bzw. zehn Jahren noch 24,7 bzw. 17,6 % der Patienten, in der Kontrollgruppe 26,0 bzw. 13,3 % (Hazard Ratio [HR]: 0,82; 95%-Konfidenzintervall: 0,63–1,06; p = 0,12). Zumindest numerisch entspreche das Ergebnis der Studienhypothese (HR: 0,8), so die Wissenschaftler. Sie weisen darauf hin, dass aufgrund der Tatsache, dass nur etwa ein Drittel der geplanten Studiengröße erreicht wurde, die erzielte Effektstärke nur bei 45 % lag.

Beim sekundären Endpunkt krankheitsfreies Überleben gab es hingegen sehr wohl einen signifikanten Unterschied. Nach fünf bzw. zehn Jahren lebten noch 19,0 bzw. 12,6 % in der Verumgruppe ohne Krankheitsprogression, in der Kontrollgruppe 16,1 bzw. 7,5 %. Das entspricht einer um 24 % niedrigeren Progressionswahrscheinlichkeit in der Verumgruppe (HR: 0,76; 95%-Konfidenzintervall: 0,59–0,97; p = 0,3). Einen ebenfalls signifikanten Unterschied beobachteten die Ärzte bei der Rate der Hirnmetastasen nach fünf bzw. zehn Jahren (16,7 versus 28,3 %), entsprechend einer Verringerung der Wahrscheinlichkeit für Metastasen um 57 % (HR: 0,43; 95%-Konfidenzintervall: 0,24–0,77; p = 0,003).

Schließlich stellte sich in einer Subgruppenanalyse heraus, dass bei Patienten ohne chirurgische Behandlung des Lungenkarzinoms die prophylaktische Bestrahlung des Gehirns Gesamt- und progressionsfreies Überleben verlängert und die Rate an Hirnmetastasen reduziert. Die multivariable Regressionsanalyse ergab in dieser Subgruppe, dass sowohl Gesamtüberleben (HR: 0,73; p = 0,04) als auch progressionsfreies Überleben (HR: 0,70; p = 0,01) durch die prophylaktische Bestrahlung verlängert wurden. Zugleich sei die Metastasierungsrate verringert worden (HR: 0,34; p = 0,002), so Sun und seine Kollegen.

Quelle

  1. Sun A et al. Prophylactic Cranial Irradiation vs Observation in Patients With Locally Advanced Non-Small Cell Lung Cancer A Long-term Update of the NRG Oncology/RTOG 0214 Phase 3 Randomized Clinical Trial. JAMA Oncol. 2019;  https://doi.org/10.1001/jamaoncol.2018.7220Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Peter Leiner
    • 1
  1. 1.

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