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Pneumo News

, Volume 10, Issue 6, pp 22–22 | Cite as

Untere Atemwegsinfekte

Procalcitonin-Bestimmung hilft nicht, den Antibiotikaeinsatz zu senken

  • Peter Dovjak
  • Hans Jürgen Heppner
journal club
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Fragestellungen: Können bei Patienten mit Hinweisen auf eine Infektion des unteren Respirationstraktes durch zusätzliche Procalcitonin-Spiegelbestimmungen die Antibiotikaverordnungen und die damit verbundenen unerwünschten Nebeneffekte verringert werden?

Hintergrund: Die Überbehandlung von Infektionen des unteren Respirationstraktes mit Antibiotika verursacht eine Erhöhung der Resistenzsituation und erhöht unnötig die Gesundheitsausgaben. Procalcitonin steigt bei bakteriellen Infektionen höher an als bei viralen. Die Spiegelbestimmung verbunden mit Therapieleitlinien konnte in europäischen Studien die Antibiotikaverschreibungsrate reduzieren. Die Methoden waren jedoch sehr restriktiv für die Ärzte, die Umsetzung in der klinischen Routine unklar.

Patienten und Methoden: Für die Multicenterstudie wurden in 14 Spitälern in den USA Patienten ab dem 18. Lebensjahr mit der Verdachtsdiagnose einer Infektion des unteren Respirationstraktes stationär aufgenommen und randomisiert vor Beginn einer eventuellen Antibiotikatherapie gemäß des klinischen Eindruckes des behandelnden Arztes (Kontrollgruppe) oder nach zusätzlicher Information des behandelnden Arztes (Interventionsgruppe) über den aktuellen Procalcitoninspiegel (Antibiotika ab einem Wert von 0,25 μg/l) mit einer Therapieempfehlung versehen. Die Anzahl an Behandlungstagen mit Antibiotika wurde gemessen und Patienten 30 Tage nachverfolgt.

Ergebnisse: Von November 2014 bis Mai 2017 konnten 1.430 Patienten untersucht werden. Davon hatten 19 % eine Pneumonie, 24,2 % eine akute Bronchitis, 31,9 % eine Exazerbation einer chronischen Atemwegserkrankung und 39,3 % eine Exazerbation eines Asthma bronchiale (mehr als eine Diagnose möglich). Es wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen bezüglich der Anzahl an Behandlungstagen mit Antibiotika festgestellt.

Schlussfolgerung: Die Autoren schließen aus den Ergebnissen, dass die zusätzliche Bestimmung des Procalcitoninspiegels zur Beurteilung der Indikation einer Antibiotikabehandlung bei klinischer Diagnose eines Infektes der unteren Atemwege keinen Vorteil hat.

Kommentar von Prim. Dr. Peter Dovjak und Univ.-Prof. Dr. med. Hans Jürgen Heppner

Liegt die Ursache der Diskrepanz zu früheren Studien im Design?

Diese Ergebnisse stehen im Widerspruch zu bisherigen Daten aus Studien mit Atemwegsinfekt-Patienten. In einer Cochrane-Metaanalyse von Schuetz P et al. konnte durch die procalcitoningesteuerte Antibiotikatherapie bei Atemwegserkrankungen die Mortalität, die Nebenwirkungsrate und der Antibiotikaverbrauch gesenkt werden [1]. Dieser Widerspruch wird mit Unterschieden des Therapiesettings, Studiendesigns (restriktive Methodenvorschriften im Vergleich zur klinischen Routine im Rahmen der vorliegenden Studie) und unterschiedlichen Patientenkollektiven erklärt. Die Kliniker in der vorliegenden Studie hatten in der Kontrollgruppe eine niedrigere Verordnungsrate von Antibiotika als in den bisher publizierten Studien.

Prim. Dr. Peter Dovjak

Univ.-Prof. Dr. med. Hans Jürgen Heppner

Literatur

  1. 1.
    Schuetz P, Wirz Y, Sager R et al. Procalcitonin to initiate or discontinue antibiotics in acute respiratory tract infections. Cochrane Database Syst Rev. 2017;10:CD007498PubMedGoogle Scholar

Originalie

  1. Huang DT, Yealy DM, Filbin MR et al. Procalcitonin-Guided Use of Antibiotics for Lower Respiratory Tract Infection. ProACT Investigators. N Engl J Med. 2018 Jul 19;379(3):236–49. doi: 10.1056/NEJMoa1802670.CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Salzkammergutklinikum GmundenGmundenÖsterreich
  2. 2.Lehrstuhl für GeriatrieUniversität Witten/HerdeckeSchwelmDeutschland

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