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Diagnostische Schwierigkeiten beim Bluthochdruck

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In der Hypertoniebehandlung haben sich im vergangenen Jahr keine umwälzenden neuen Entwicklungen ergeben. Die kürzlich veröffentlichten neu aufgelegten Leitlinien sowohl der US-amerikanischen als auch der Europäischen Fachgesellschaft müssen nun erst einmal ihre Praxistauglichkeit über einen längeren Zeitraum unter Beweis stellen. Die Entwicklung in der praktischen Hypertoniediagnostik ist allerdings nach wie vor in Bewegung, für die Praxis ist der Stellenwert der neu eingeführten Methode der unbeobachteten Blutdruckmessung noch nicht abschließend zu beurteilen.

In der täglichen Hypertoniediagnostik stellt sich seit der SPRINT-Studie die unbeobachtete Messung des Blutdrucks ("unattended blood pressure") als eine zusätzliche Methodik dar, neben der konventionellen Praxisblutdruckmessung und der häuslichen Blutdruckmessung, sieht man von der bislang als Goldstandard betrachteten 24-h-Blutdruckmessung einmal ab. Es gibt aber durchaus diskrepante Befunde, die entweder für oder gegen die Einführung dieser Methode in der täglichen Praxis sprechen.

Man ging bislang davon aus, dass die unbeobachtet gemessenen Blutdruckwerte deutlich niedriger liegen als der konventionell gemessene Praxisblutdruck. Wie T. Westhoff zeigt, ist es aber offenbar nicht einfach, eine allgemein gültige Differenz zwischen konventionellen Praxisblutdruckwerten und unbeobachtet gemessenen Blutdruckwerten festzulegen. Auf der anderen Seite weist M. Middeke auf die unbestrittene Bereicherung unserer Möglichkeiten der Blutdruckmessung durch die unbeobachteten Messungen hin. Unter diesen Gesichtspunkten ist die Pro- und Kontra-Diskussion von besonderer Aktualität, um den künftigen Stellenwert dieser Methode für den Praxisalltag einzuschätzen.

Der Beitrag von M. Babic und M. van der Giet beschäftigt sich mit einem Stiefkind der praktischen Hypertoniediagnostik, der maskierten Hypertonie. Anders als ihr Gegenstück, die Weißkittelhypertonie, ist die maskierte Hypertonie bislang ein eher unterdiagnostiziertes Phänomen. Da definitionsgemäß beim Besuch in der Sprechstunde die maskierte Hypertonie mit normalen Blutdruckwerten einhergeht, bedarf es eines besonderen Augenmerks auf diejenigen Risikofaktoren, die den Verdacht auf eine maskierte Hypertonie lenken. Die vorliegende Übersicht gibt einen sehr brauchbaren Algorithmus wieder, der geeignet ist, die Aufmerksamkeit für die maskierte Hypertonie anhand von Risikofaktoren zu schärfen.

Der Beitrag von A. Reshetnik widmet sich dem Thema Gefäßalterung. Diese kann Ursache einer Hypertonie sein, speziell auch der isolierten systolischen Hypertonie. Eine beschleunigte Gefäßalterung kann aber auch Folge einer länger bestehenden Hypertonie sein. Die Gefäßalterung ist letztlich einer der entscheidenden Faktoren, die die Prognose der betroffenen Patienten bestimmt. Auf der anderen Seite sind die Methoden zur Bestimmung der Gefäßalterung keineswegs für den Praxisalltag bzw. die Routine überall verfügbar. Die Übersicht zeigt, welche Parameter zusätzlich zur Blutdruckmessung uns erlauben, die Gefäßalterung zu quantifizieren.

Von besonderer Aktualität ist auch der Beitrag von M. van der Giet zu Fragen der Arzneimittelsicherheit im Bereich der Hypertonie. Die aktuellen Diskussionen um toxische Substanzen in bestimmten Valsartan-Präparaten sowie die Debatte um die Kanzerogenität von Hydrochlorothiazid sind uns allen sehr gut bekannt.

Ich wünsche allen Lesern dieses Hypertonieschwerpunktes, dass sie auch in diesem Jahr wertvolle Anregungen aus den Beiträgen ziehen können, und so eine Hilfestellung für die praktische Hypertoniebehandlung erhalten.

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"Anders als die Weißkittelhypertonie ist die maskierte Hypertonie bislang ein eher unterdiagnostiziertes Phänomen."

Prof. Dr. Walter Zidek

MEOCLINIC GbH, Berlin

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Correspondence to Prof. Dr. med. Walter Zidek.

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Zidek, W. Diagnostische Schwierigkeiten beim Bluthochdruck. CV 20, 3 (2020). https://doi.org/10.1007/s15027-019-0008-8

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