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Erhöhtes Infektionsrisiko nach kindlicher Leukämie

In einer bevölkerungsweiten retrospektiven Studie aus Kanada zeigte sich, dass das Infektionsrisiko behandelter kindlicher Leukämien in den ersten Jahren zwar abnimmt, aber auch mehr als 5 Jahre nach Abschluss der Therapie noch mäßig erhöht ist.

Die Prognose der kindlichen Leukämien hat sich in den letzten Jahrzehnten beeindruckend verbessert, sodass heute Überlebensraten von 83-94 % bei der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) und 60-65 % bei der akuten myeloischen Leukämie (AML) erzielt werden. Aber auch nach Ende der erfolgreichen Therapie besteht weiterhin ein Risiko für Infektionen, wobei epidemiologische Angaben bisher spärlich waren. Im Rahmen einer retrospektiven, populationsbasierten Kohortenstudie wurden in Kanada die von der Pediatric Oncology Group im Netzwerk POGONIS erfassten Kinder mit ALL und AML analysiert, die 30 Tage nach Therapieende rezidivfrei waren. Sie wurden mit 5:1 gematchten Kindern gleichen Alters, Geschlechts und Region ohne Leukämie verglichen. Eine Stratifizierung erfolgte nach der Primärtherapie mit oder ohne hämatopoetische Stammzelltransplantation (HSCT).

Primärziel war die Häufigkeit von Infektionen, die über einen Zeitraum von ≥ 5 Jahren erfasst wurden. Des Weiteren wurden Klinikaufnahmen und infektionsbedingte Todesfälle bestimmt.

In der Gruppe aller Leukämieüberlebenden (n = 2.204) mit Überwachung für ≥ 5 Jahre stieg das relative Infektionsrisiko (RR) im Vergleich zu den Kontrollpersonen auf 1,51 (95 %-Konfidenzintervall [95 %-KI] 1,45-1,57; p < 0,001) an, war mit 1,77 (95 %-KI 1,69-1,86; p < 0,001) während des 1. Jahres nach Therapieende am höchsten und fiel über 1,65 (Jahre 1-4,99) auf 1,28 nach 5 Jahren ab (95 %-KI 1,21-1,35; p < 0,001).

Bei den 1.853 ALL-Überlebenden stieg das RR im Vergleich zur Kontrollgruppe auf 1,46 (95 %-KI 1,40-1,53; p < 0,01) an, zeigte im 1. Jahr mit 1,76 das höchste Risiko und nach ≥ 5 Jahren mit 1,24 (95 %-KI 1,17-1,32; p < 0,001) den niedrigsten Wert.

Die zusätzliche HSCT steigerte bei den ALL-Patienten (n = 66) das Infektionsrisiko im Untersuchungszeitraum von 1,45 auf 1,92, wobei das RR im 1. Jahr mit 2,37 (95 %-KI 1,79-3,14; p < 0,001) am höchsten war und nach 5 Jahren auf 1,42 (95 %-KI 1,06-1,79; p = 0,009) fiel.

Die Rate der stationären Aufnahmen aller Patienten war mit einer Hazard Ratio von 12,42 stark erhöht, fiel nach 5 Jahren aber auf 1,51 ab. Bei insgesamt wenigen Todesfällen war das Risiko im Vergleich zur Kontrollgruppe massiv erhöht.

Fazit: Kinder mit erfolgreich therapierter ALL oder AML sind über Jahre hinweg wesentlich stärker Infekt-gefährdet als Nicht-Erkrankte. Das RR ist im 1. Jahr nach Therapieende am höchsten und fällt nach ≥ 5 Jahren stark ab, das RR der Gesamtgruppe aller Patienten bleibt aber mit 1,28 mäßig erhöht.

Pelland-Marcotte MC et al. Long-term risk of infections after treatment of childhood leukemia: A population-based cohort study using administrative health data. J Clin Oncol. 2019;37(29): 2651-60

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Correspondence to Dr. med. Brigitte Schalhorn.

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Schalhorn, B. Erhöhtes Infektionsrisiko nach kindlicher Leukämie. Im Fokus Onkologie 23, 47 (2020). https://doi.org/10.1007/s15015-020-2322-5

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