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Orale Mukositis bei Nasopharynxkarzinom-Therapie: Hilfe aus dem Darm?

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Chinesische Wissenschaftler konnten bei Patienten mit Nasopharynxkarzinom durch die Gabe von Probiotika die Radiochemotherapie-bedingte orale Mukositis reduzieren.

Eine orale Mukositis (OM) ist eine häufige, nicht vermeidbare Komplikation einer Radiochemotherapie bei Patienten mit Nasopharynxkarzinom. Die Forscher prüften den Effekt einer Probiotikagabe parallel zur Radiochemotherapie auf die OM-Schwere bei 99 Patienten mit lokal fortgeschrittener Erkrankung. Die Radiochemotherapie umfasste die Bestrahlung mit 70 Gy in 32 Fraktionen und die intravenöse Gabe von Cisplatin (100 mg/m² Körperoberfläche) an den Tagen 1, 22 und 43. Parallel dazu erhielten die Patienten im Verhältnis 2:1 randomisiert ein chinesisches Probiotikaprodukt mit Bifidobacterium longum, Lactobacillus lactis und Enterococcus faecium (Pro-Gruppe, n = 64) oder Placebo (Plac-Gruppe, n = 35). Primärer Endpunkt der Studie war die Inzidenz einer schwergradigen OM (≥ Grad 3) nach den Common Terminology Criteria for Adverse Events (CTCAE), Version 4.0.

Insgesamt reduzierte die Probiotikagabe die Inzidenz der OM in der Pro-Gruppe unter der Bestrahlung im Vergleich zur Plac-Gruppe. Insbesondere eine schwergradige OM (≥ Grad 3) wurde signifikant seltender (15,52 vs. 45,71 %) beobachtet. In der Plac-Gruppe entwickelten alle Patienten eine OM vom Grad 2 und höher (keine OM: 0 %, Grad-1-OM 0 %; Grad-2-OM 54,29 %; Grad-3-OM: 45,71 %). In der Pro-Gruppe dagegen war die OM in der Mehrzahl der Fälle milde ausgeprägt (keine OM: 12,07 %, Grad-1/2-OM: 72,41 %, Grad-3-OM: 15,52 %). Zudem hatte die Probiotikagabe positiven Einfluss auf die verschiedenen Immunzellen: So waren in der Plac-Gruppe die Zahlen der CD4+-T-Zellen (76,59 vs. 52,85 %; p < 0,05), der CD8+-T-Zellen (62,94 vs. 29,76 %; p < 0,05) und der CD3+-T-Zellen (69,72 vs. 45,49 %; p < 0,05) reduziert, währed sie in der Pro-Gruppe nahezu im Normbereich lagen.

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Möglicherweise kann eine Probiotikagabe die strahlentherapiebedingte orale Mukositis bei Patienten mit Nasopharynxkarzinom reduzieren.

Die Untersuchung des Darmmikrobioms mit der Hochdurchsatz-Sequenzierung zeigte bei Patienten der Plac-Gruppe eine gestörte intestinale Diversität, während in der Pro-Gruppe die mikrobielle Diversität in einer ähnlicher Weise erhalten blieb, wie sie vor Radiochemotherapie bestanden hatte und wie sie bei gesunden Personen zu finden ist. Die Forscher führen den geringeren OM-Schweregrad unter der Radiochemotherapie darauf zurück, dass die Probiotikagabe die Modifikation des Mikrobiom des Darms durch die Bestrahlung deutlich reduzierte.

Jiang C et al. A randomized, double-blind, placebo-controlled trial of probiotics to reduce the severity of oral mucositis induced by chemoradiotherapy for patients with nasopharyngeal carcinoma. Cancer. 2019;125(7):1081-90

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Correspondence to Dipl.-Biol. Friederike Klein.

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Klein, F. Orale Mukositis bei Nasopharynxkarzinom-Therapie: Hilfe aus dem Darm? . Im Fokus Onkologie 23, 35 (2020). https://doi.org/10.1007/s15015-019-2307-4

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