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Im Fokus Onkologie

, Volume 22, Issue 2, pp 51–51 | Cite as

PSA-Screening ohne Einfluss auf die Prostatakrebsmortalität?

  • Peter Leiner
Uroonkologie Literatur kompakt
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Nach fast 17 Jahren Beobachtungszeit besteht in der PLCO-Studie bei Prostatakrebspatienten kein Unterschied zwischen den Sterberaten von PSA-gescreenten Patienten und jenen ohne PSA-Screening. Das geht aus dem aktuellen PLCO-Report hervor.

In der PLCO(Prostate, Lung, Colorectal and Ovarian)-Studie werden u. a. der Nutzen des PSA-Screenings und der digitalen rektalen Untersuchung bei Patienten mit Prostatakarzinom (PCA) geprüft. Seit dem Ende des Screenings 2006, dessen Ergebnisse 2009 veröffentlicht wurden [Andriole GL et al. N Engl J Med. 2009;360(13):1310-9], gab es regelmäßige Reports, etwa zur Mortalität. Der aktuelle, insgesamt bereits vierte Bericht zum Verlauf der Studie deckt inzwischen einen Zeitraum von fast 17 Jahren Nachbeobachtung ab. Trotzdem konnte bislang kein Überlebensvorteil für die Gruppe, bei denen ein PSA-Screening durchgeführt wurde, festgestellt werden.

An 10 Einrichtungen in den USA waren zwischen 1993 und 2001 knapp 76.683 Männer im Alter von 55 bis 74 Jahren zu etwa gleichen Teilen einer Gruppe mit beziehungsweise ohne Screening auf ein PCA zugeordnet worden. Im Interventionsarm erfolgte 6-mal ein jährlicher PSA-Test und 4-mal eine jährliche digitale rektale Untersuchung. PSA-Werte über 4 ng/ml galten als pathologisch, ebenso Knotenbildung oder Verhärtung der Prostata als Ergebnis der digitalen rektalen Untersuchung. Kritiker der PLCO-Studie hatten wiederholt bemängelt, dass auch etwa jeder zweite Teilnehmer des Kontrollarms mindestens 1 PSA-Test erhalten hatte. Das waren 52 % der Männer im sechsten Studienjahr.

Primärer Endpunkt der aktuellen Auswertung war die PCA-spezifische Mortalität. Dabei stützten sich die Forscher ab 2009 auf die Daten des National Death Index. Sekundäre Endpunkte waren u. a. Gesamtmortalität und PCA-Inzidenz. Das mediane Follow-up beim Studienparameter PCA lag in der Screening- respektive Kontrollgruppe bei 15,3 respektive 15,1 Jahren, beim Parameter Mortalität bei 16,9 bzw. 16,7 Jahren. Im Screeningarm starben 333 Männer infolge eines PCA, in der Kontrollgruppe 352, was einer Rate von 5,5 respektive 5,9 pro 10.000 Personenjahre entspricht. Im Vergleich zum Kontrollarm lag das relative Risiko, an den Folgen eines PCA zu sterben, nicht signifikant bei 0,93 (95 %-Konfidenzintervall 0,81–1,08; p = 0,38).

Insgesamt gab es in der PLCO-Studie bei Männern mit einem PSA-Screening 5.574 Neuerkrankungen, bei Männern ohne Screening 5.287. Dies entspricht 106,3 bzw. 101,1 Neuerkrankungen pro 10.000 Personenjahre. Seit Beginn der Screeningstudie war die Inzidenz gestiegen, was nach Ansicht der Forscher auf eine mögliche Überdiagnostik hinweist.

Allerdings gab es Unterschiede, je nachdem welcher Gleason-Score erhoben wurde. Da die Wahrscheinlichkeit für eine Diagnose bei Gleason-Score 2–6 stieg, bei einem Score von 8–10 dagegen abnahm, gehen die Mediziner davon aus, dass die mögliche Überdiagnose auf die Patienten mit niedrigem Gleason-Score begrenzt war. Dass eine Reduktion der Inzidenz der Fälle mit Gleason-Score 8–10 zu einer signifikanten Minderung der krebsspezifischen Mortalität führt, halten sie nicht für möglich. Angaben zur Gesamtmortalität wurden nicht gemacht, da entsprechende Daten zu den anderen 3 Tumorentitäten der PLCO-Studie noch nicht verfügbar sind.

Jährliche PSA-Tests und rektale Untersuchungen scheinen die Mortalität von Prostatakarzinompatienten kaum zu beeinflussen.

© Sherry Young / stock.adobe.com

Fazit: Bis zum jetzigen, vierten PLCO-Report mit einem Follow-up von fast 17 Jahren unterscheidet sich die Mortalität in den 2 Studienarmen (mit und ohne PSA-Screening) nicht. Die PCA-Inzidenz ist im Screeningarm mit einem relativen Risiko von 1,05 nur leicht erhöht, wobei bei Männern mit Gleason-Score 2–6 eine Überdiagnostik vermutet wird. Beim Parameter Mortalität ist das relative Risiko stetig von 1,11 auf 0,93 gesunken. Der Unterschied zur Kontrollgruppe ist nicht signifikant. Im Gegensatz zur Anfangsphase der Studie stützten sich die Ärzte jetzt allerdings auf Sterbedaten des National Death Index.

Literatur

  1. Pinsky PF et al. Extended follow-up for prostate cancer incidence and mortality among participants in the Prostate, Lung, Colorectal and Ovarian randomized cancer screening trial. BJU Int. 2018; https://doi.org/10.1111/bju.14580Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Peter Leiner
    • 1
  1. 1.

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