Advertisement

Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 7–8, pp 58–58 | Cite as

Dermatologische Vorteile des Ehelebens

  • Christine Starostzik
Dermatoonkologie Literatur kompakt
  • 62 Downloads

Verheiratete gehen mit einem Melanom früher zum Arzt und sind eher bereit, notwendige Untersuchungen durchführen zu lassen, als Unverheiratete, Geschiedene oder Witwer. So werden bei verwitweten Patienten z. B. 3-mal häufiger T4-Läsionen festgestellt als bei verheirateten.

Bei verheirateten Personen wird ein Melanom häufiger in früheren Stadien entdeckt.

© shironosov / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodellen)

Wie erfolgreich ein Melanom behandelt werden kann, hängt vor allem davon ab, in welchem Stadium es dem Arzt präsentiert wird. Etwa 85 % der neu diagnostizierten Melanome befinden sich im Stadium I oder II. Wenn sich die Veränderung allerdings z. B. an einer Stelle des Körpers befindet, die man selbst gar nicht überblicken kann, ist man auf die Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen angewiesen. In einer retrospektiven populationsbasierten Studie haben Cimarron Sharon und Kollegen nun untersucht, welchen Einfluss der Ehepartner auf die frühe Diagnose eines Melanoms hat. Hierzu nutzten sie die Daten von insgesamt 52.063 Patienten (58,8 % Männer und 41,2 % Frauen) aus 18 Krebsinstituten (SEER-Datenbank), bei denen zwischen Januar 2010 und Dezember 2014 ein kutanes Melanom diagnostiziert worden war.

Bei 45,7 % der verheirateten Patienten wurde das Melanom in Stadium T1a diagnostiziert. In einem so frühen Stadium suchten Patienten mit anderem Familienstand signifikant seltener einen Arzt auf (43 % der Unverheirateten, 39 % der Geschiedenen und 32,2 % der Verwitweten). Ein Melanom im Stadium T4a präsentierten dagegen 5,6 % und im Stadium T4b 9,4 % der verwitweten Patienten gegenüber 2,6 bzw. 3,3 % der Verheirateten. Auch Geschiedene und Unverheiratete gingen signifikant häufiger als Verheiratete erst in einem so späten T-Stadium zum Arzt. Nach Berücksichtigung verschiedener Störfaktoren wie Alter, Geschlecht, Tumorlokalisation, Einkommen und Bildungsniveau blieb der Zusammenhang zwischen dem Familienstand und dem höheren T-Stadium zum Zeitpunkt des Arztbesuchs signifikant. Gegenüber den verheirateten Patienten war das Risiko, sich erst im nächsthöheren T-Stadium beim Arzt vorzustellen, bei unverheirateten Patienten um 32 % höher, bei geschiedenen um 38 % und bei verwitweten um 70 %.

Verheiratete eher bereit zu Biopsie

Offenbar unterstützt der Ehepartner aber auch die Patientenentscheidung für eine diagnostische Abklärung: Denn unabhängig vom Tumorstadium und anderen Faktoren waren verheiratete Patienten eher bereit, sich bei einer Breslow-Dicke > 1 mm der empfohlenen Biopsie des Sentinellymphknotens zu unterziehen. Dieser Untersuchung stimmten nur 48,8 % der Verwitweten zu, 74,9 % der Geschiedenen, 74,0 % der Verheirateten und 73,6 % der Unverheirateten. Nach Berücksichtigung von Alter, Lokalisation des Primärtumors und T-Stadium ergab sich bei den Verheirateten die größte Bereitschaft für eine Lymphknotenbiopsie. Bei den Unverheirateten war sie um 41 % geringer, bei den Geschiedenen um 13 % und bei den Verwitweten um 31 %. Der Anteil der positiven Lymphknoten von histologisch untersuchten Patienten lag bei den Verheirateten wiederum signifikant niedriger als bei Unverheirateten, Geschiedenen oder Verwitweten (14,9 vs. 18,9 %; 17,8 %; 15,7 %). Nach Berücksichtigung von T-Stadium, Tumorlokalisation und Patientenalter verlor sich allerdings die Signifikanz für den Unterschied zu den Eheleuten für alle 3 Gruppen.

Aus den Ergebnissen ihrer Studie folgern Sharon und Kollegen, dass bei Beratungen zu den diagnostischen Prozeduren bei einem vorliegenden Melanom sowie für Screening-Empfehlungen künftig der Familienstand mitberücksichtigt werden sollte.

Fazit: Verheiratete Patienten kommen dieser retrospektiven Untersuchung zufolge häufiger mit einem T1a-Tumor zum Arzt, verwitwete häufiger mit einem T4b-Tumor. Verheiratete sind eher zu einer empfohlenen Biopsie des Sentinellymphknotens bereit.

Literatur

  1. Sharon C E et al. Association of Marital Status With T Stage at Presentation and Management of Early-Stage Melanoma. JAMA Dermatol. 2018;154(5):574–80.CrossRefPubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Christine Starostzik
    • 1
  1. 1.

Personalised recommendations