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Pädiatrie

, Volume 31, Issue 5, pp 65–65 | Cite as

Warnsignale bei akuter Atemnot

  • Elke Oberhofer
Medizin aktuell Kongress kompakt
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Respiratorische Notfälle sind gerade im Kleinkindalter äußerst häufig. Um zu beurteilen, ob ein kritischer Zustand vorliegt und welche Therapiestrategie einzuschlagen ist, empfahl Dr. Lisa Gild, Universitätsklinikum Tübingen, in jedem Fall die ABCDE-Regel anzuwenden: Danach wird zunächst beurteilt, ob die Atemwege frei und sicher sind (A für Airway) und ob eine suffiziente Atmung vorliegt (B für Breathing). Zusätzlich gilt es jedoch, auch die anderen Punkte — C für Circulation, D für Disability und E für Exposure/Environment — abzuarbeiten, um sicherzugehen, dass nichts übersehen wird. „Es ist nicht immer nur ein A- oder B-Problem“, so Gild. Vor lauter Fokussierung etwa auf laute Atemgeräusche könne man zum Beispiel übersehen, dass das Kind aufgrund der heftigen Perspiration einen ausgeprägten Volumenmangel habe.

Ein wichtiges Warnsignal bei Kindern ist die Abnahme der Atemfrequenz oder Atemarbeit bei gleichzeitig abnehmender Vigilanz. Aber auch eine für das Alter zu hohe Atemfrequenz sowie der Einsatz der Atemhilfsmuskulatur oder sichtbare juguläre Einziehungen beim Atmen weisen auf Probleme hin.

Zeigt der Patient einen Stridor, ist zu klären, ob dieser inspiratorisch, exspiratorisch oder eventuell biphasisch ist. Beim inspiratorischen Stridor liegt die Ursache oberhalb des Jugulums, die wichtigsten Differenzialdiagnosen sind bei zunehmender Häufigkeit:
  • Epiglottitis,

  • bakterielle Tracheitis,

  • Fremdkörper,

  • Anaphylaxie oder

  • viraler Krupp.

Für einen exspiratorischen Stridor (manchmal auch nur Giemen als Zeichen einer bronchialen Obstruktion) verantwortlich sind am häufigsten Asthma oder eine obstruktive Bronchitis. Aber auch ein unterhalb des Jugulums sitzender Fremdkörper kann die Ausatmung behindern, ebenso wie eine zum Beispiel durch eine RSV-Infektion bedingte Bronchiolitis oder — auch hier — eine Anaphylaxie.

Der biphasische Stridor ist, wie Heinzel betonte, auch dann sehr ernst zu nehmen, wenn die Vitalparameter zunächst kein Problem darstellen: Dieses Symptom könne „das erste und einzige Zeichen für eine Verschlechterung“ darstellen.

Kinder mit einer Obstruktion der Atemwege benötigen grundsätzlich ein Kortikoid, und zwar bevorzugt als Saft (Dexamethasonsaft, z. B. Infectodexakrupp® 0,4 ml/kg, gewichtsadaptiert), wenn dies nicht möglich ist, auch rektal (z. B. Klismacort®, Rectodelt® 100 mg). „Schneiden Sie Zäpfchen niemals durch!“, warnte Heinzel: „Der Wirkstoff ist immer entweder vorne oder hinten.“ Bei unteren Obstruktionen wird ein Beta-Mimetikum verabreicht (z. B. Salbutamol® 10–20 Tr., altersunabhängig), bei oberen Obstruktionen Epinephrin (z. B. Suprarenin® 2–5 ml pur oder Infectokrupp inhal®).

Sehr wichtig ist es laut Heinzel, sich rasch darüber im Klaren zu werden, ob es sich ursächlich um ein Oxygenierungsproblem handelt oder „ob das Kind nicht richtig schnauft.“ Im ersten Fall mache es zum Beispiel keinen Sinn, das Kind assistiert zu beatmen; im zweiten Fall bringe es nichts, den Sauerstoff über die Nasenbrille immer weiter aufzudrehen, wie es in praxi oft geschehe.

©robertmandel / Getty Images / iStock

Intubationen werden in der Kindernotfallmedizin heute nur noch nachrangig empfohlen. Als supraglottischer Atemwegssicherung sind heute Larynxmasken State of the Art, und zwar, so der Pädiater ausdrücklich, nicht nur in der Anästhesie, sondern auch in der Kindernotfallmedizin. Auch diese Maßnahme erfordere Übung, allerdings, so Heinzel, „ist die Lernkurve hier deutlich steiler als bei der Intubation!“

Literatur

  1. Heinzel O. Herausforderung Kindernotfall — die ersten 10 Minuten richtig machenGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Elke Oberhofer
    • 1
  1. 1.

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