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Pädiatrie

, Volume 31, Issue 5, pp 62–62 | Cite as

Deutschland — ein Jodmangelland

  • Beate Fessler
Medizin aktuell Kongress kompakt
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Die Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS, Welle 2, 2014–2017), die bei 3.327 Kindern und Jugendlichen Jod im Spontanurin bestimmt hat, zeigt eine mediane Jodausscheidung von 88,8 μg/L, die damit unterhalb der Empfehlung der WHO von 100 bis 199 μg/L liegt. Lediglich bei Jungen im Alter zwischen drei und sechs Jahren wurde ein noch ausreichender Wert von 105,5 μg/L gemessen. Damit gilt Deutschland wieder als Jodmangelgebiet, anders als noch in den Achtziger- und Neunzigerjahren.

Insgesamt sind in KIGGS Welle 2 58,2 % der Kinder und Jugendlichen nicht ausreichend versorgt. In der KIGGS-Basisuntersuchung (2003–2006) vor 11 Jahren lag der Anteil bei 41,5 %, die mediane Jodausscheidung bei 116,2 μg/L gegenüber der aktuell gemessenen von 88,8 μg/L. Ein Rückgang um 23 %, betonte Michael Thamm vom Robert-Koch-Institut, Berlin: „Der Trend ist ungünstig. Das ist ein Anlass zur Sorge.“ Es gebe keinen Grund zur Annahme, dass sich dieser Trend ohne Intervention ändern könnte. Thamm wies zudem darauf hin, dass das Risiko einer Überversorgung mit Jod verschwindend gering ist. Lediglich bei 0,8 % wurde eine solche überhöhte Jodausscheidung gemessen.

Grund für den Mangel sei die zunehmend seltenere Verwendung von Jodsalz in der Lebensmittelindustrie, unter anderem weil viele Verbraucher Zusatzstoffe ablehnen. Dabei sind laut Prof. Dr. Thomas Remer vom Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Universität Bonn, industriell gefertigte Lebensmittel die wichtigste Quelle von Salz in der Nahrung, nämlich zu 77 %. Das im Haushalt verwendete Salz macht dagegen nur 10 % aus. Remer forderte eine Anhebung des Jodierungsgrades von Speisesalz in Deutschland. In der Schweiz habe ein Anstieg von 20 μg auf 25 μg pro Gramm Salz zu einer Verbesserung und Stabilisierung der Jodversorgung bei Kindern geführt. Zudem sollte der Rückgang in der Verwendung von Jodsalz in verarbeiteten Lebensmitteln gestoppt werden.

Wie wichtig eine gute Jodversorgung für die Entwicklung ist, erläuterte der Kinderarzt Klaus-Peter Liesenkötter aus Berlin. So ist das neurokognitive Outcome, ermittelt anhand von IQ-Testungen im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren, stark von der mütterlichen Jodversorgung abhängig. Ein milder bis moderater Jodmangel in der frühen Schwangerschaft geht mit einem später reduzierten verbalen IQ einher. Auch für Schulkinder ist Jod wichtig: So zeigte eine neuseeländische prospektive placebokontrollierte Studie bei 10- bis 13-Jährigen, dass die Gabe von täglich 150 μg Jodid über ein halbes Jahr die kognitiven Funktionen signifikant verbessert. Last but not least konnte auch ein Zusammenhang zwischen Jodmangel und der Entwicklung eines ADHS hergestellt werden.

Literatur

  1. Thamm M, Remer T, Liesenkötter M. Deutschland — ein Jodmangelland? Aktuelle Ergebnisse zur nationalen JodversorgungGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  • Beate Fessler
    • 1
  1. 1.

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