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Pädiatrie

, Volume 31, Issue 4, pp 73–73 | Cite as

Kind und Kittel

Ärztinnen mit Nachwuchs im Nachteil

  • Margarethe Urbanek
Praxis konkret
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Frauen in Heilberufen haben häufiger als Männer das Gefühl, sich im Laufe ihres Lebens zwischen Kind und Karriere entscheiden zu müssen. Das verdeutlichen die Ergebnisse einer aktuellen Studie.

© pressmaster / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodellen)

Wenn es um Kinder geht, sind die Unterschiede zwischen Frauen und Männern in Heilberufen noch immer immens. Das geht aus der kürzlich veröffentlichten Studie „Kind und Kittel“ der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) hervor.

In einer aktuellen Studie wurden 500 Heilberufler mit eigenen Kindern, darunter 250 Haus- und Fachärzte, zu ihrer Situation im Arbeitsalltag befragt.

Ziel der Studie war es, „zu ermitteln, welche Arbeitsbedingungen von Heilberuflern als familienfreundlich angesehen werden“, erklärt Daniel Zehnich, Leiter des Bereichs Gesundheitsmärkte und Gesundheitspolitik bei der apoBank. Für die Studie befragt wurden 500 Heilberufler, die leibliche Kinder haben — zu gleichen Teilen Haus-, Fach- und Zahnärzte sowie Apotheker.

Arbeitsumfeld entscheidend

Die Anstellung in einem MVZ oder einer Berufsausübungsgemeinschaft werteten 84 % der befragten Ärzte als familienfreundliche Option; für 63 % würde das auch dann noch gelten, wenn sie selbst Mitinhaber wären.

In Krankenhäusern dagegen sehen viele die Vereinbarkeit von Familie und Karriere gefährdet: Die Anstellung als Facharzt dort wird lediglich von 32 % als familienfreundlich wahrgenommen, bei Ober- und Chefarztstellen sind es sogar nur noch 25 %. Als familienunfreundlich gilt das Umfeld bei Frauen insofern, als fast jede zweite Umfrageteilnehmerin schon einmal das Gefühl hatte, sich zwischen Kind und Karriere entscheiden zu müssen — bei den Männern war es dagegen nur knapp jeder Fünfte. Über zwei Drittel erkennen zudem eine Bevorzugung kinderloser Ärztinnen. Dabei scheinen Männer bemerkenswerterweise dieses Problem häufiger festzustellen als Frauen.

Perspektiven für die Zukunft

Deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern zeigen sich auch bei der Verteilung der Elternzeit. Über 90 % der befragten Ärztinnen hatten Elternzeit genommen — im Schnitt 15 Monate. Bei ihren männlichen Kollegen waren es nur 45 %, die im Schnitt auch nur vier Monate zuhause waren.

Beim beruflichen Wiedereinstieg sehen zwei Drittel der Studienteilnehmer das größte Problem in der zu geringen Flexibilität an der Arbeitsstelle. Fehlende Betreuungsangebote kritisieren 62 %. Erkannt werden außerdem fachliche Wettbewerbsnachteile sowie finanzielle Hürden. Emotionale Probleme (51 %) sowie die fehlende Unterstützung des Arbeitgebers (48 %) erschweren den beruflichen Wiedereinstieg zusätzlich.

Die Ergebnisse der Studie liefern eine Basis für mögliche künftige Ausgestaltungen der Arbeitsbedingungen in Heilberufen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken: 92 % der Studienteilnehmer wünschen sich kompatible Kinderbetreuungsangebote, kaum weniger außerdem flexiblere Arbeitszeitmodelle und Teilzeitangebote. Ebenfalls genannt werden Entlastungen durch Delegation und Digitalisierung oder Jobsharing in Führungspositionen.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Margarethe Urbanek
    • 1
  1. 1.

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