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Pädiatrie

, Volume 31, Issue 4, pp 16–16 | Cite as

Gentamicin und Meropenem können das NEC-Risiko bei Frühgeborenen erhöhen

  • Thomas Hoppen
Literatur kompakt
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Eine Antibiotikatherapie könnte eine nekrotisierende Enterokolitis (NEC) bei Frühgeborenen mit sehr niedrigem Geburtsgewicht fördern. In einer Fallkontrollstudie aus Dublin wurde diese Fragestellung nun differenziert untersucht.

Dr. med. Thomas Hoppen, M.A. Koblenz

Von 371 Frühgeborenen mit sehr niedrigem Geburtsgewicht (VLBW; Geburtsgewicht unter 1.500 g) die zwischen Januar 2012 und Dezember 2014 in der Neonatologie des Coombe Women and Infants University Hospital in Dublin behandelt wurden, entwickelten 22 mit einem Geburtsgewicht von im Mittel nur 728 ± 162 g eine NEC IIA oder höher (modifizierte Kriterien nach Bell). Jeder Fall in der Studiengruppe wurde in etwa zwei Kontrollen zugeordnet. Primäre Frage war die nach einem differenzierten Zusammenhang zwischen Antibiotikaexposition und NEC. Es zeigte sich, dass die Frühgeborenen, die eine NEC entwickelten, zuvor einer statistisch signifikant häufigeren Anzahl von Antibiotikakursen und -applikationstagen ausgesetzt gewesen waren. Die Unterschiede zwischen Fällen und Kontrollen waren signifikant auffällig hinsichtlich der Dauer der Gentamicin- und Meropenem-Exposition.

Kommentar

Muttermilch und Probiotika spielen eine positive Rolle bei der NEC-Prävention. Von weiterer Bedeutung sind daneben auch ein frühzeitiger Nahrungsbeginn und zügiger Nahrungsaufbau, ein früher PDA-Verschluss, ein restriktiver Einsatz von Nabelvenenkathetern und Katecholaminen sowie einige andere Faktoren — vielleicht auch ein off-label-Einsatz von Macrogol. Eine frühe Antibiotikaexposition ist hingegen ein Risikofaktor für die Entwicklung einer nekrotisierenden Enterokolitis bei Frühgeborenen. Ein initialer empirischer Antibiotikakurs für ≥ 5 Tage trotz steriler Blutkultur erhöht das Risiko für die Entwicklung einer NEC (Abb. 1). Die Studie belegt, dass die kumulative Gesamtzahl der Tage der Antibiotikaexposition mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer NEC verbunden ist. Insbesondere Gentamicin und Meropenem kommt demnach ein signifikanter Stellenwert für die Inzidenz einer NEC bei VLBW-Frühgeborenen zu.

Abb. 1

Röntgen in Linksseitenlage: Frühgeborenes mit NEC, freie intraabdominelle Luft nach bereits eingetretener Perforation

© T. Hoppen

Literatur

  1. Raba AA et al. Are antibiotics a risk factor for the development of necrotizing enterocolitis — case-control retrospective study. Eur J Pediatr. 2019 Jun;178(6):923–928CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Thomas Hoppen
    • 1
  1. 1.

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