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Pädiatrie

, Volume 31, Issue 3, pp 19–19 | Cite as

Viel Vitamin D führt nicht zu weniger Allergien

  • Martin Claßen
Literatur kompakt
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Eine hoch dosierte Supplementation mit Vitamin D in den ersten 12 Lebensmonaten reduziert nicht das Risiko für Allergien. Vielmehr scheint sich sogar das Risiko für gewisse Sensibilisierungen zu erhöhen.

In der Rubrik „Literatur kompakt“ referieren und kommentieren diese Experten für Sie die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur.

Dr. med. Martin Claßen, Bremen

Vitamin D spielt nicht nur bei der Knochengesundheit eine große Rolle, sondern erfüllt auch im Immunsystem verschiedene Aufgaben. Bisher gab es widersprüchliche Daten in Hinblick auf die Bedeutung von Vitamin D für das Allergierisiko.

Eine randomisierte prospektive Studie aus Finnland untersuchte nun an 975 Kindern den Effekt einer Supplementation von Vitamin D in einer Dosis von 400 IE versus 1.200 IE ab einem Alter von 2 Wochen. Im Alter von 12 Monaten wurden die IgE-Antikörper gegen eine Reihe von Aeroallergenen und Nahrungsmittelproteinen gemessen und nach der Manifestation einer atopischen Erkrankung gesucht.

In Bezug auf die Sensibilisierungen fand sich in den beiden Dosierungsgruppen weder gegen inhalative (Odds-Ratio [OR]: 0,98; 95 %-Konfidenzintervall [KI]: 0,66–1,46) noch gegen nutritive Allergene (OR: 0,76; 95 %-KI: 0,34–1,71) eine signifikante Differenz. Eine manifeste atopische Erkrankung inklusive obstruktiver Bronchitis trat in beiden Gruppen gleich häufig auf. Allerdings ergab sich für die Ausprägung einer Kuhmilchallergie ein Nachteil für die Gruppe mit 1.200 IE Vitamin D (OR: 2,23; 95 %-KI: 1,00–4,96). Darüber hinaus hatten Kinder mit höherem Vitamin-D-Spiegel im Nabelschnurblut (≥ 100 nmol/l) eine höhere Rate von Nahrungsproteinsensibilisierungen (OR: 2,00; 95 %-KI: 1,19–3,39) als die mit einem niedrigeren Spiegel (75–99,9 nmol/l).

Kommentar

Auch im Fall Vitamin D gilt nicht: „Viel hilft viel“ — zumindest in Bezug auf allergische Erkrankungen in dem hier betrachteten relativ kurzen Beobachtungszeitraum von 12 Monaten. Das aktuell in Deutschland gängige Regime der Vitamin-D-Supplementation fußt ebenfalls auf der niedrigeren der beiden Studiendosierungen. Zudem bestätigt diese Arbeit andere Untersuchungen, wonach eine höher dosierte Vitamin-D-Supplementation in der Schwangerschaft das Risiko für atopische Erkrankungen nicht vermindert, sondern im Gegenteil eher erhöht. Von unkontrollierter Einnahme rezeptfreier Vitaminsupplemente in der Schwangerschaft sollte deswegen abgeraten werden.

Allerdings deuten andere Daten darauf hin, dass ein Vitamin-D-Mangel bei älteren Kindern eine Rolle in der Pathogenese von inflammatorischen Erkrankungen (M. Crohn, rheumatische Erkrankungen) haben kann. Dies würde nahelegen, dass auch jenseits des ersten Lebensjahres die Vitamin-D-Spiegel einer gewissen Aufmerksamkeit bedürfen.

In diesem Bereich fehlen aber leider große prospektive Studien wie die hier kommentierte. Auf jeden Fall sollten wir Pädiater auf den positiven Effekt von Bewegung draußen hinweisen — nicht nur in Bezug auf Vitamin D!

Literatur

  1. Rosendahl J et al. High-dose Vitamin D supplementation does not prevent allergic sensitization of infants. J Pediatr 2019; pii:S0022-3476(19)30245-8Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Martin Claßen
    • 1
  1. 1.

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