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Pädiatrie

, Volume 31, Issue 3, pp 16–16 | Cite as

Fetale singuläre Nabelarterie — was muss der Pädiater beachten?

  • Thomas Hoppen
Literatur kompakt
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Die fetale singuläre Nabelschnurarterie tritt mit einer Inzidenz von etwa 0,5 % auf. Die retrospektive Analyse aller Feten mit einer singulären Umbilikalarterie, die in einer großen pränatalmedizinischen Praxis diagnostiziert wurden, ergab interessante Erkenntnisse — auch für Kinderärzte.

Dr. med. Thomas Hoppen, Koblenz

Über einen Zeitraum von sieben Jahren fand sich an einer großen Ulmer pränatalmedizinischen Praxis bei 1.169 Schwangeren mit Einlingen eine singuläre Umbilikalarterie (SUA) (Abb. 1 und Abb. 2). 989 Feten (84,6 %) zeigten eine isolierte SUA (iSUA) und 180 (15,4 %) wiesen zusätzliche strukturelle und/oder chromosomale Anomalien auf. Diese waren zu 9 % kardiovaskulärer, zu 3,5 % urogenitaler, zu 2,9 % muskuloskelettaler, zu 3 % gastrointestinaler und zu 2,1 % zerebraler Natur (Kombinationen kamen vor). 2,1 % boten chromosomale Auffälligkeiten. Das Geschlechterverhältnis war fast ausgeglichen und mit 64,2 % überwog die einzelne rechte Umbilikalarterie.

Abb. 1

Nabelschnur in der fetalen Sonografie mit Nachweis einer singulären Nabelarterie

© Friebe-Hoffmann U et al. Ultraschall in Med 2019;40:221-9

Abb. 2

Frühgeborenes von 25 + 6 SSW (295 g, intrauterine Wachstumsretardierung) mit singulärer Nabelarterie (und Nabelvene); Situs postpartal vor Katheteranlage

© Dr. Thomas Hoppen

Bei Schwangerschaften mit einer iSUA waren die Lebendgeburtenrate und das Geburtsgewicht signifikant höher als bei solchen mit zusätzlichen Anomalien. Bei Letzteren kam es signifikant häufiger zu einer intrauterinen Wachstumsretardierung (IUGR) und zur Frühgeburt (< 34+0 SSW). Allerdings wurden bei 60 Kindern die Auffälligkeiten erst postpartal entdeckt. Die Autoren folgern, dass bei einer SUA eine intensive fetale Sono-Anatomie stattfinden sollte. Finden sich dabei assoziierte Fehlbildungen, sollte dann eine genetische Testung angeboten werden. Liegt hingegen nur eine iSUA vor, sollte im Wesentlichen eine intermittierende Biometrie zur Früherkennung einer IUGR durchgeführt werden.

Kommentar

Jeder Kinderarzt hat sicherlich während seiner Weiterbildung Neugeborene mit einer einzelnen Nabelschnurarterie erlebt. Nicht immer wird eine SUA aber bereits pränatal erkannt. Auch postnatal muss man den Nabelstumpf manchmal sehr genau inspizieren, um diese Anomalie beispielsweise bei einem extrem kleinen Frühgeborenen nicht zu übersehen (Abb. 2).

Die modernen Möglichkeiten der High-Resolution-Sonografietechnik decken je nach Studie bei Vorliegen einer SUA Malformationsraten von bis zu 50 % bereits pränatal auf. Aber wir wissen noch viel zu wenig von dem, was danach kommt. Die Kombination von pränataler Ultraschalldiagnostik mit einem kontrollierten prospektiven postnatalen Follow-up würde auch die Bedeutung einer angeblichen iSUA für die unmittelbare Perinatalphase und die Langzeitentwicklung Betroffener besser beleuchten. Diese Ergebnisse hätten wiederum Potenzial für eine optimale pränatale Betreuung dieser Feten. Pränatalmedizin und Pädiatrie sollten zur Klärung dieser und anderer Fragen deutlich mehr Hand in Hand arbeiten.

Literatur

  1. Friebe-Hoffmann U et al. Prenatally diagnosed single umbilical artery (SUA) — retrospective analysis of 1169 fetuses. Ultraschall in Med 2019;40:221–9Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Thomas Hoppen
    • 1
  1. 1.

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