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Pädiatrie

, Volume 31, Issue 2, pp 16–16 | Cite as

Die Entwicklung heikle Esser

  • Martin Claßen
Literatur kompakt
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Kinder mit schwierigem Essverhalten werden regelmäßig in den Kinderarztpraxen vorgestellt. Englische Wissenschaftler wollten nun wissen, ob diese Kinder eventuell untergewichtig und klein bleiben oder sogar im Gegenteil später übergewichtig werden.

Dr. med. Martin Claßen, Bremen

Abb. 1

Bei schlechten Essern treten wirkliche Gedeihstörungen eher selten auf.

© PeopleImages / Getty Images / iStock

Aus der großen englischen Längsschnittstudie ALSPAC mit 14.062 Lebendgeborenen wurden im Alter von 38 Monaten per Fragebogen das Vorliegen eines problematischen Essverhaltens („picky eater“) mit eingeschränktem Nahrungsspektrum abgefragt. Das Wachstum und die Gewichtsentwicklung wurden im Alter zwischen 7 und 17 Jahren insgesamt 7-mal registriert und darüber hinaus in 2-jährigen Abständen die Körperfettmasse mit DXA-Scans erfasst.

Zwei Drittel der problematischen Esser waren im Untersuchungszeitraum nicht zu dünn. Bei dieser Gruppe zeigten sich gewisse Defizite in der Köperzusammensetzung. Bei den „very picky children“ lagen die mittlere Höhe, das mittlere Gewicht und der mittlere BMI oberhalb der 50. Perzentile. Allerdings war die Wahrscheinlichkeit bei diesen Kindern, zu einem Messpunkt zu dünn zu sein, etwa doppelt so hoch wie bei den normal essenden Kindern. Darüber hinaus gab es keinen Hinweis auf vermehrtes Übergewicht oder gar Adipositas.

Kommentar

Der englische Begriff „picky eater“ hat kein so anschauliches deutsches Pendant. Eltern und Betreuer machen sich oft große Sorgen um das Gedeihen ihrer Kinder, wenn sie nicht normal essen. Ich vermute, dass die Anspannung der Eltern bei gemeinsamen Mahlzeiten sich auch auf die Atmosphäre auswirkt und das Essverhalten dadurch nicht gerade verbessert wird.

Diese große und langfristig durchgeführte Studie relativiert diese Sorge, weil eine echte Gedeihstörung eher selten auftrat. Die untersuchte Gruppe hatte darüber hinaus ein geringeres Risiko, übergewichtig zu sein. Insofern sollte man zunächst Eltern beruhigen und beraten.

Leider kann die Studie keine Aussagen zu langfristigen Entwicklungen des Nahrungsspektrums nach dem Kleinkindalter machen. Auch Mikronährstoffmangelzustände wurden leider nicht untersucht, die nach meiner Erfahrung bei den „picky eater“ nicht selten nachweisbar sind.

Literatur

  1. Taylor CM et al. Growth and body composition in children who are picky eaters: a longitudinal view. Eur J Clin Nutr 2018 Jul 11Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Martin Claßen
    • 1
  1. 1.

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