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Piet Mondrian (1872–1944)

Pionier der Farbfeldmalerei

  • Joachim Gunkel
Bildbetrachtung
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Von dem Maler Piet Mondrian kennt man die typischen bunten Rasterbilder mit den Grundfarben Blau, Rot und Gelb. Wie das Titelbild dieser Ausgabe beweist, konnte er auch anders.

Auf seinem frühen expressiven Gemälde „Andacht“ blickt ein junges Mädchen im Profil in leuchtenden Farben ohne Konturen gemalt nach oben. Das intensiv rote Haar ist wie das Kleid und der Hintergrund in ondulierenden Pinselstrichen aufgetragen, die an die Malweise von Vincent van Gogh erinnern. Das weiße Kleid wird wie auch der Hintergrund von blauen und gelben Linien durchzogen. Dabei hat Mondrian die Linie selbst als Farbe eingesetzt. Der Körper des Mädchens und die Umgebung scheinen ineinander überzugehen. Sowohl der ungewöhnliche Titel als auch die Darstellung des Mädchenportraits können durch den Lebenslauf des Malers erklärt werden.

Religiöser Hintergrund

Piet Mondrian wurde als Pieter Cornelis Mondriaan jr. am 7. März 1872 als zweites von fünf Kindern bei Utrecht geboren. Der Vater war Lehrer und strenger Calvinist. Er und sein Onkel, der Maler Frits Mondriaan, gaben ihm Zeichenunterricht. 1892 zog er zum Studium an der Kunstakademie nach Amsterdam und trat einer radikalen protestantischen Kirchengemeinde bei. In dieser Zeit entstand eine ganze Reihe religiöser Illustrationen.

Piet Mondrian „Komposition mit großer roter Fläche, Gelb, Schwarz, Grau und Blau“ (1921)

1905 richtete er sich sein erstes Atelier ein und malte vorwiegend Landschaften in der Tradition der niederländischen Malerei. Er stellte Sonnenuntergänge, Mondnächte, das Meer mit Dünen dar und begann, Blumenbilder zu malen. Wie alle großen Maler kopierte er die alten Meister. Zunehmend verband Mondrian aber neue Farbexperimente mit der alten Landschaftsmalerei und setzte schlichte rote, blaue und gelbe Farben ein. Mit diesen farbigen Landschaften, vor allem mit seinen zahlreichen (farbigen) Meer- und Dünenbildern, wurde Mondrian in Holland schnell bekannt. Und er machte sich einen Namen als Vertreter der Avantgarde, der sogenannten klassischen Moderne.

Mit dem frühen unerwarteten Tod seiner Mutter 1909 aber verschwanden die hellen Farben seiner Bilder, die Dünenlandschaften erhielten düsterleuchtende Farben. Es entstanden Traumgestalten unter theosophischen Vorstellungen. Eine Verlobung wurde aufgelöst, seitdem blieb er allein.

Geometrische Gemälde

Kurz vor seinem 40. Geburtstag verließ er Amsterdam und brach nach Paris auf, um den großen Maler Pablo Picasso kennenzulernen und von ihm zu lernen. Ein neues Leben sollte beginnen und so nannte er sich ab 1911 nun Piet Mondrian. Lange Zeit vermied er seine leuchtenden Primärfarben Blau, Rot sowie Gelb und bevorzugte die Farben Grau, Braun und Schwarz. Von Picasso und Georges Braque lernte er, dass man seine Farben in schwarze Linien als Grundgerüst legen kann. Zunächst waren es kubistische Bilder mit gebogenen und sich kreuzenden Linien. Für Mondrian wurde und war die große Linie die allererste Notwendigkeit für ein Bild, erst hinterher käme die Farbe.

Piet Mondrian „Andacht“ (1908)

Ab 1917 entstanden dann weiße Gemälde, auf denen nur ein paar einzelne bunte Quadrate und schwarze Linien auf weißem Grund zu sehen waren; Gemälde, die auf dem Reißbrett eines Architekten stammen könnten. Er demonstrierte mit dieser formalen Strenge eine völlig neue moderne Malweise. Ab 1919 setze Mondrian dann in das Rasternetz seine leuchtenden Primärfarben ein. Damit wurde er zum Pionier der Farbfeldmalerei. Die bunten Rasterbilder sind zu seinem Markenzeichen geworden. Und er entdeckte, dass durch die Eingeschlossenheit der Farben in das Rasternetz die Intensität der Farben gewann, die er zunehmend in immer größere Bildfelder füllte. An den scheinbar so einfachen Bildern arbeitete er lange und ununterbrochen und zog sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Sein Atelier inszenierte er als imaginären Raum. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg ging Mondrian zunächst nach London und 1940 nach New York. In seinen letzten Bildern malte er die Linien seiner Rasterbilder bunt und fragmentiert. 1944 starb er in New York an einer Lungenentzündung.

Copyright information

© Urban & Vogel 2015

Authors and Affiliations

  • Joachim Gunkel
    • 1
  1. 1.

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