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Assistierte Reproduktion

Erhöhtes Krebsrisiko für Kinder, die aus der Kälte kommen

Schon länger wird über Schwangerschaftsrisiken nach assistierten Reproduktionsverfahren berichtet, wenig ist dagegen zu den Langzeitfolgen bei den Kindern bekannt. Im Rahmen einer retrospektiven Kohortenstudie haben dänische Onkologen nun die Daten von über einer Million in Dänemark zwischen 1996 und 2012 geborenen Kindern analysiert [Hargreave M et al. JAMA 2019; 322: 2203-10]. In der Kohorte waren Behandlungen mit Clomifen, Gonadotropin, Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH)-Analoga, humanem Choriongonadotropin (hCG), Progesteron und Östrogen sowie In-vitro-Fertilisation (IVF), intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) und der Transfer zuvor eingefrorener Embryonen durchgeführt worden. Letztlich waren 16,1 % der Kinder mithilfe reproduktionsmedizinischer Maßnahmen zur Welt gekommen.

Bei 2.217 Kindern der Gesamtkohorte wurde innerhalb von durchschnittlich 11,3 Jahren eine Krebserkrankung diagnostiziert (u. a. 29,2 % Leukämien, 24,3 % ZNS-Tumoren, 10,9 % Lymphome, 5,9 % Tumoren des sympathischen Nervensystems). Weder die mütterliche Infertilität noch eine der medikamentösen Fertilitätsbehandlungen der Frau ließen beim Vergleich mit der Kontrollgruppe einen eindeutigen Einfluss auf das spätere Krebsrisiko der Kinder erkennen.

Ein Unterschied allerdings war klein, aber statistisch signifikant: Innerhalb der Beobachtungszeit erkrankten 2,4-mal mehr Kinder, die nach embryonaler Tiefkühlphase in den Mutterleib übertragen worden waren, an Krebs als in der Kontrollgruppe (Kinder fertiler Mütter). Die Inzidenzrate lag bei 44,4/100.000 Personenjahre (PJ) gegenüber 17,1/100.000 PJ nach IVF und 23,1/100.000 PJ nach ICSI. Das Leukämierisiko war rund dreimal und das Risiko für einen Tumor des sympathischen Nervensystems rund achtmal höher als in der Kontrollgruppe.

Kinder, die aus tiefgefrorenen Embryonen entstanden sind, waren oft größer und schwerer als Kinder, die als frische Embryonen transferiert wurden. Möglicherweise nehme die Kryokonservierung des Embryos Einfluss auf die embryonale Entwicklung, spekulieren die Autoren. Übermäßiges fetales Wachstum könne epigenetische Veränderungen begünstigen und das Krebsrisiko im Kindesalter erhöhen. Dr. Christine Starostzik

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© Friso Gentsch / dpa

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Starostzik, C. Erhöhtes Krebsrisiko für Kinder, die aus der Kälte kommen. gynäkologie + geburtshilfe 25, 10 (2020). https://doi.org/10.1007/s15013-020-2982-4

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