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gynäkologie + geburtshilfe

, Volume 24, Issue 2, pp 47–47 | Cite as

Interessenskonflikte und Fehlinformationen bei bioidentischen Hormonen

  • Ingo Schroeder
Medizin aktuell
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In der Publikumspresse und im Internet werden Biohormone oft als eine nebenwirkungsfreie Lösung der Probleme angepriesen. Bei einer Auswertung von 100 internationalen Websites, die bioidentische Hormone (BIH) anbieten oder bewerben, findet sich auf einem Viertel der Homepages sogar fälschlicherweise die Behauptung einer vor Brustkrebs schützenden Wirkung durch BIH. 62 % der Seiten empfehlen „custom-compounded“ Hormone, also individuell hergestellte Mischungen, und informieren nicht darüber, dass es auch behördlich zugelassene BIH gibt. Prof. Petra Stute, Bern/Schweiz, kann daher die Verwirrung mancher Patientinnen gut nachvollziehen.

Was sind bioidentische Hormone?

Nach einer Definition der Endocrine Society sind BIH Substanzen, welche die gleiche chemische und molekulare Struktur wie die vom menschlichen Körper produzierten Hormone haben. Estron, Estriol, Estradiol, Progesteron und Testosteron sind BIH. Nicht bioidentisch, sondern synthetische Hormone, sind zum Beispiel Medroxyprogesteronacetat, Norethisteron oder Levonorgestrel.

Schadensbegrenzung durch Aufklärung

Es sei bedenklich, wenn eigentlich gesundheitsbewusste Frauen auf einmal ihre Sicherheitsbedenken über Bord werfen und individuell hergestellte BIH bevorzugen, die nicht einmal einen Beipackzettel vorweisen können, sagte Stute. Die Formel „bioidentisch“ rufe bei manchen Frauen die Assoziation eines Zaubertranks hervor, der natürlich und gesund sei und der zugleich eine verloren gegangene Identität zurückgeben könne. Frauen vor möglicher Scharlatanerie zu schützen sei daher eine wichtige Aufgabe der Frauenärzte.

Exemplarisch zitierte Stute eine französische prospektive Kohortenstudie [Fournier A et al. Breast Cancer Res Treat. 2014; 145: 535-43], die das Brustkrebsrisiko unter einer Therapie mit Estrogen plus Progesteron/Dydrogesteron untersuchte. In Abhängigkeit von der Therapiedauer stieg das Mammakarzinomrisiko an. Bei einer Anwendungsdauer von im Schnitt 8,7 Jahren betrug die Hazard Ratio 1,31 (95%-Konfidenzintervall 1,15–1,48). Die in einer Hormonersatztherapie eingesetzten BIH beziehungsweise synthetischen Hormone haben zwar unterschiedliche Charakteristika, aber die Aufklärung bezüglich des Mammakarzinoms unterscheidet sich nur marginal.

Literatur

  1. Präsentation: „Bioidentische Hormone“Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Ingo Schroeder
    • 1
  1. 1.

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