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gynäkologie + geburtshilfe

, Volume 24, Issue 2, pp 12–12 | Cite as

Erhöhte Infektionsrate sowie Frühgeburtlichkeit bei Schwangeren mit multipler Sklerose

  • Tino F. Schwarz
Literatur kompakt
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Frauen mit multipler Sklerose bedürfen in der Schwangerschaft einer besonderen ärztlichen Betreuung. Eine große Studie belegt jetzt, dass es bei ihnen häufiger zu Infektionen kommt. Auch ist ihr Risiko für eine Frühgeburt deutlich erhöht. Ein kongenitales Schädigungsrisiko besteht aber nicht.

In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert.

© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com

Die multiple Sklerose (MS) manifestiert sich meist im Alter von 20 bis 40 Jahren und betrifft damit Frauen im gebärfähigen Alter beziehungsweise in der Familienplanung. Aus diesem Grunde sind Untersuchungen zur Sicherheit von Schwangerschaften bei MS-Patientinnen wichtig. Bisher gibt es allerdings nur wenige Studien zu dieser Fragestellung. So fand man etwa eine erhöhte Rate an Kaiserschnitten sowie Frühgeburtlichkeit bei MS-Patientinnen im Vergleich zu Frauen ohne MS. Hinweise auf kongenitale Schädigungen liegen nicht vor. Alle bisherigen Studien umfassten jedoch lediglich kleinere Kohorten.

Um 20–30 % erhöht scheint das Risiko für Frühgeburtlichkeit bei MS-Patientinnen.

© Martin Valigursky/Fotolia (Symbolbild mit Fotomodell)

Eine neue amerikanische Untersuchung basiert auf zwei großen Datenbanken (Truven Health MarketScan Database, Nationwide Inpatient Sample), die zusammen Befunde von Schwangerschaften aus den Jahren 2007–2015 umfassen. Insgesamt konnten hierdurch Daten von etwa fünf Millionen Geburten ausgewertet werden. Die Prävalenz der MS betrug in beiden Datenbanken 0,06 beziehungsweise 0,13 %. Insgesamt konnten so etwa 3.875 Schwangerschaften von MS-Patientinnen ausgewertet werden.

Frauen mit MS wiesen ein erhöhtes Risiko für Infektionen (relatives Risiko [RR] 1,22; 95 %-Konfidenzintervall [95 %-KI] 1,16–1,27) sowie für eine Frühgeburtlichkeit (RR 1,19; 95 %-KI 1,04–1,35 bzw. 1,30; 95 %-KI 1,16–1,44) während der Schwangerschaft auf. Bei den Infektionen betraf dies überwiegend Harnwegsinfektionen. Frauen mit MS wiesen somit ein um 20–30 % erhöhtes Risiko für eine Frühgeburtlichkeit auf. Für andere geburtshilfliche Komplikationen oder kongenitale Schädigungen fand sich hingegen kein erhöhtes Risiko bei MS-Patientinnen. Frauen, bei denen es während der Schwangerschaft zu einem Krankheitsschub kam, wiesen im Vergleich zu MS-Patientinnen ohne einen Schub keine erhöhte Komplikationsrate auf.

Kommentar

Diese Studie an dem bisher größten Kollektiv von Schwangeren mit MS belegt ein erhöhtes Risiko für Infektionen, insbesondere Harnwegsinfektionen, während der Schwangerschaft. Zudem bestätigte die Auswertung ein um 20–30 % erhöhtes Risiko für eine Frühgeburtlichkeit. Andere geburtshilfliche Komplikationen oder kongenitale Schädigungen der Kinder konnten hingegen ausgeschlossen werden. Die Ergebnisse dieser Studie müssen bei der Betreuung von schwangeren MS-Patientinnen berücksichtigt werden.

Prof. Tino F. Schwarz Institut für Labormedizin und Impfzentrum Klinikum Würzburg Mitte Standort Juliusspital Würzburg

Register zu MS und Kinderwunsch

Kennen Sie das deutschsprachige Multiple Sklerose und Kinderwunsch Register (DMSKW)? Seit 2006 werden im Rahmen des DMSKW im Sinne einer Beobachtungsstudie Informationen von Schwangeren mit multipler Sklerose gesammelt.

Weitere Informationen finden Sie hier: www.ms-und-kinderwunsch.de

Literatur

  1. MacDonald SC et al. Pregnancy outcomes in women with multiple sclerosis. Am J Epidemiol. 2019;188:57-66CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Tino F. Schwarz
    • 1
  1. 1.Institut für Labormedizin und ImpfzentrumKlinikum Würzburg Mitte Standort JuliusspitalWürzburgDeutschland

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