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gynäkologie + geburtshilfe

, Volume 24, Issue 1, pp 14–14 | Cite as

Antikonzeption: umfassende Aufklärung gefordert

  • Dagmar Kraus
Literatur kompakt

Verhütungsmethoden abseits der Pille werden von jungen Frauen und Mädchen eher selten genutzt. Dabei würden sich bei einer entsprechenden Aufklärung deutlich mehr für eine andere Methode als die Pille entscheiden, wie eine aktuelle Erhebung aus Deutschland zeigt.

Das Umfrageergebnis der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2015 darf als Erfolg gewertet werden. Demnach gaben 96 % der Jugendlichen an, bei ihrem letzten Geschlechtsverkehr verhütet zu haben. Erwartungsgemäß lagen dabei hormonelle orale Kontrazeptiva mit einem Anteil von 70 % weit vorne. Gleichzeitig berichtete ein nicht unerheblicher Teil der befragten jungen Frauen aber auch über Unregelmäßigkeiten bei der Einnahme oder über Nebenwirkungen wie Zwischenblutungen (30 %) und abnehmendes sexuelles Verlangen (15 %).

Warum nutzen trotzdem so viele Mädchen die Pille? Liegt es eventuell an der fehlenden Information über Alternativen? Eine große prospektive Studie aus den USA, das Contraceptive CHOICE Project, legt genau das nahe. Die Gynäkologin Patricia G. Oppelt und ihre Kollegen von der Universität Erlangen-Nürnberg wollten wissen, ob sich das in Deutschland so ähnlich verhält und initiierten darauf die Studie „Thinking About Needs in COntraception (TANCO)“. Im Rahmen dieser befragten sie 2.699 Mädchen zwischen 14 und 19 Jahren nach der aktuellen Form der Verhütung und der Zufriedenheit damit. Zudem wollten die Gynäkologen wissen, wie gut sich die Mädchen informiert fühlen, welche anderen Verhütungsmethoden die sie kennen und inwieweit sie über deren Anwendungs- und Funktionsweise Bescheid wissen. Parallel wurden deren Gynäkologen befragt.

Auch in diesem Kollektiv führten die kombinierten oralen Kontrazeptiva mit einem Anteil von 86 % die Rangliste an, gefolgt von Kondomen mit einem Anteil von 4 %. Mehr als zwei Drittel glaubten, gut über das Thema Verhütung Bescheid zu wissen. Die Gynäkologen schätzten den Wissensstand von 59 % ihrer Patientinnen als gut bis sehr gut ein.

Tatsächlich konnten die Mädchen im Durchschnitt mehr als fünf verschiedene Verhütungsmethoden aufzählen. Mit Blick auf die Wirkungsweise machten sich aber deutliche Defizite bemerkbar.

Weiterhin ergab sich, dass 57 % aller Befragten mehr Informationen zu einer Langzeitverhütung wünschten. Der Bedarf an umfassender Information sei enorm und werde von Frauenärzten teils unterschätzt, so Oppelt.

Fazit: Bei jungen Frauen in Deutschland wurden deutliche Wissensdefizite über die Wirkmechanismen verschiedener Verhütungsmethoden offenkundig.

Literatur

  1. Oppelt PG et al. Situation of Adolescent Contraceptive Use in Germany. Geburtsh Frauenheilk. 2018;78:999–1007CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Dagmar Kraus
    • 1
  1. 1.

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