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gynäkologie + geburtshilfe

, Volume 23, Issue 6, pp 48–48 | Cite as

62. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe

Frauenheilkunde: wissenschaftlich fundiert und qualitativ hochwertig

  • Kathrin von Kieseritzky
Medizin aktuell
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Wie vielseitig die Frauenheilkunde ist, spiegelte sich im Programm des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) wider. Zwei Kriterien standen bei allen Vorträgen und Diskussionen gleichermaßen im Fokus: Wissenschaftlichkeit und Qualität.

Mammakarzinom: „Die beste Medizin ist diejenige, die die Patientin nimmt.“

Die Studienergebnisse sagen es eindeutig: Bei prämenopausalen Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs und niedrigem Risiko geht die endokrine Monotherapie mit Tamoxifen mit einer guten Prognose einher. Die Patientinnen mit hohem Rezidivrisiko hingegen profitieren nach der Chemotherapie von einer zusätzlichen ovariellen Suppression in Kombination mit Tamoxifen oder Exemestan. Dies bringt deutliche Vorteile hinsichtlich des brustkrebsfreien Überlebens [Saha P et al. J Clin Oncol. 2017;35:3113-22]. So weit so gut. Doch wie Prof. Elmar Stickeler aus Aachen ausführte, reicht die bloße Betrachtung von Studienergebnissen bei der Wahl der Therapie im Einzelfall nicht aus. So zeigt sich vor allem bei jüngeren Patientinnen im Verlauf bei der Einnahme von Tamoxifen eine schlechte Compliance, ein großer Teil der Frauen bricht die Behandlung vorzeitig ab.

Der Grund ist die hohe Rate an Nebenwirkungen, die die Lebensqualität enorm beeinträchtigen, wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, vaginale Trockenheit und Depression. Die Langzeitauswirkungen der endokrinen Therapie bei jungen Frauen seien, so Stickeler, noch weitgehend unbekannt. Hinzu komme, dass trotz des Einsatzes von Aromatasehemmern hohe endogene Östrogenspiegel vorkommen könnten. Deshalb müsse gerade bei jungen Brustkrebspatientinnen mit hohem Rezidivrisiko die Art der endokrinen Therapie gründlich abgewogen werden.

Im City Cube in Berlin kamen Gynäkologen aus ganz Deutschland zum Kongress zusammen.

© Regina Hadjar

Zulassung versus Zusatznutzen

Ein Medikament, das die Zulassung für eine Indikation erhält, schneidet in der Zusatznutzenbewertung nicht automatisch gut ab, wie Prof. Achim Wöckel, Würzburg, darlegte. So werden im Arzneimittelzulassungsverfahren die Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von Wirkstoffen überprüft. Das Nutzungsbewertungsverfahren hingegen bildet die Grundlage für die Preisgestaltung von Arzneimitteln.

Der Zusatznutzen ist primär auf Basis patientenrelevanter Endpunkte nachzuweisen. Hierbei geht es besonders um die Verbesserung des Gesundheitszustandes, eine kürzere Krankheitsdauer, ein längeres Leben, weniger Nebenwirkungen und eine bessere gesundheitsbezogene Lebensqualität. Dies bedeutet, dass der gerade in Studien beim metastasierten Mammakarzinom oft gewählte Endpunkt des progressionsfreien Überlebens in der Zusatznutzenbewerbung endscheidend durch patientenrelevante Faktoren ergänzt werden muss. Deshalb ist es nach Ansicht von Wöckel notwendig, patientenrelevante Faktoren besser zu definieren und zu erfassen, um entsprechende Tools entwickeln zu können. Eine Verordnung trotz fehlenden oder fraglichen Zusatznutzens sei allerdings möglich, wenn das Wirtschaftlichkeitsgebot eingehalten werde.

Literatur

  1. Präsentation „Aktuelle Kontroversen bei der Therapie des Mammakarzinoms“Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Kathrin von Kieseritzky
    • 1
  1. 1.

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