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gynäkologie + geburtshilfe

, Volume 23, Issue 6, pp 16–16 | Cite as

Zervixkarzinom: Minimalinvasive unterliegt offener radikaler Hysterektomie

  • Peter Leiner
  • Kim Jené
Literatur kompakt
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Frauen mit einem Zervixkarzinom im Frühstadium profitieren im Hinblick auf krankheitsfreies und Gesamtüberleben eher von einer offenen Operation als von einer minimalinvasiven radikalen Hysterektomie.

Bisherige wissenschaftliche Publikationen ließen vermuten, dass bei Frauen mit einem Zervixkarzinom der Therapieerfolg nach einem minimalinvasiven Eingriff gleichwertig dem einer offenen Operation ist. US-Onkologen überprüften dies nun in einer prospektiven randomisierten Studie mit 631 Patientinnen (mittleres Alter 46 Jahre) mit Zervixkarzinom im Stadium IA1, IA2 oder IB1: 319 Frauen mit minimalinvasivem Eingriff, 312 mit einer offenen Operation. Mit mehr als 84 % erfolgten die meisten minimalinvasiven Eingriffe laparoskopisch, die übrigen roboterassistiert. Ursprünglich war die Teilnahme von 740 Patientinnen geplant. Primärer Endpunkt der Studie war das krankheitsfreie Überleben (DFS) nach 4,5 Jahren.

Bei den Tumoren überwogen Plattenepithelkarzinome (ca. 67 %) und Adenokarzinome (25,6 % offene Operation, 27,3 % minimalinvasiv). Das Gros der Patientinnen hatte Karzinome im Stadium IB1 (ca. 92 %, Tumordurchmesser ≤ 4 cm, kein Lymphknotenbefall).

Weil sich die Ergebnisse nach einer minimalinvasiven Operation als schlechter herausstellten, empfahl das „data and safety monitoring committee“, die Studie vorzeitig zu beenden, was die Aussagekraft leicht einschränkt.

Zum Analysezeitpunkt konnten Überlebensdaten zum primären Endpunkt nach 4,5 Jahren von 59,7 % ausgewertet werden. Die Rate für das DFS nach 4,5 Jahren war in der Gruppe mit minimalinvasiver Operation deutlich niedriger (86 % vs. 96,5 %, 95 %-Konfidenzintervall [95 %-KI] —16,4 bis —4,7). Das untere Ende des Konfidenzintervalls beinhaltete die Nichtunterlegenheitsgrenze von —7,2 Prozentpunkten, also konnte die Nichtunterlegenheit nicht festgestellt werden. Nach drei Jahren hatte der Anteil der Frauen ohne Krankheitszeichen bei 91,2 % versus 97,1 % zugunsten der offenen Operation gelegen (Hazard Ratio [HR] für Rezidiv oder Tod durch das Zervixkarzinom 3,74; 95 %-KI 1,63–8,58; p = 0,002; Tab. 1). Auch im Hinblick auf das Gesamtüberleben (OS) schnitt die offene Operation deutlich besser ab (3-Jahres-OS-Rate 93,8 % vs. 99,0 %; HR für Gesamtmortalität 6,0; 95 %-KI 1,77–20,3).

Tab. 1

Proportional-Hazard-Modelle entsprechend der randomisierten Behandlung

Ergebnis

Offene Operation

Minimalinvasive Operation

HR versus offene Operation (95 %-KI)

p-Wert

 

Zahl der Ereignisse/Zahl der Patientinnen

Rezidiv oder Tod durch Zervixkarzinom (adjustierte Analyse)*

7/282

27/295

4,39 (1,88–10,20)

< 0,001

Rezidiv oder Tod durch jedweden Grund

8/312

32/319

3,88 (1,79–8,41)

 

Lokoregionales Rezidiv+

4/312

18/319

4,26 (1,44–12,60)

 

Tod durch jedweden Grund

3/312

19/319

6,00 (1,77–20,30)

 

Tod durch Zervixkarzinom+

2/312

14/319

6,56 (1,48–29,00)

 

HR = Hazard Ratio; 95 %-KI = 95 %-Konfidenzintervall; *adjustiert für Alter, Body-Mass-Index, Krankheitsstadium, lymphovaskuläre Invasion, Lymphknotenbeteiligung, ECOG-Performancestatus; + die Analyse wurde auf Basis konkurrierender Risiken durchgeführt — konkurrierende Risiken für lokoregionäres Rezidiv: Fernmetastasierung und Tod durch jedweden Grund; konkurrierendes Risiko für Tod durch Zervixkarzinom: Tod nicht durch ein Zervixkarzinom

Diese und eine weitere Studie zu dem Thema [Melamed A et al. N Engl J Med. 2018;379:1905-14] kommentierte Dr. Amanda N. Fader von der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore im New England Journal of Medicine gemeinsam [Fader AN. N Engl J Med. 2018;379:1955-7]. Sie diskutiert zwar, dass selektierte Patientinnensubgruppen noch immer von einem weniger invasiven Ansatz profitieren könnten, konstatiert aber auch, dass die Operateure — bis weitere Daten vorliegen — vorsichtig agieren, ihre Patientinnen im Hinblick auf die Ergebnisse beraten und bei jeder Betroffenen individuell Risiko und Nutzen der minimalinvasiven und der offenen Operationsweise abwägen sollten.

Fazit: In dieser Studie war die minimalinvasive radikale Hysterektomie bei den Frauen mit frühem Zervixkarzinom mit einer geringeren Rate für das krankheitsfreie Überleben sowie das Gesamtüberleben assoziiert als die offene abdominelle radikale Hysterektomie.

Stellungnahme von AGO und AGE

Nachdem die Daten der LACC-Studie und einer weiteren Studie auf dem Kongress der Society of Gynecologic Oncology 2018 vorgestellt worden waren, hat die Kommission Uterus eine Stellungnahme formuliert und unter anderem folgenden Hinweis gegeben: „Die Kommission Uterus der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) und die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Endoskopie (AGE) weisen die Kollegenschaft darauf hin, dass aufgrund der in der LACC-Studie gefundenen onkologischen Überlegenheit der offenen radikalen Hysterektomie die Operationsmethode ‚Laparoskopie versus abdominelle Chirurgie’ klar und offen mit der Patientin diskutiert werden soll — auch wenn diese Studie noch keinen Peerreview-Prozess durchlaufen hat und nicht final publiziert worden ist.“ Derzeit wird ein aktualisierter Kommentar verfasst.

Literatur

  1. Ramirez PT et al. Minimally Invasive versus Abdominal Radical Hysterectomy for Cervical Cancer. N Engl J Med. 2018;379:1895–904.CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Peter Leiner
    • 1
  • Kim Jené
    • 1
  1. 1.

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