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gynäkologie + geburtshilfe

, Volume 23, Issue 6, pp 15–15 | Cite as

Inkontinenz: Einlagenzahl wenig aussagekräftig

  • Thomas Müller
Literatur kompakt
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Eine neue Studie zeigt: Die Ausprägung einer Inkontinenz lässt sich am Gewicht der benutzten Einlagen, kaum jedoch an deren Zahl abschätzen.

Die Zahl der verwendeten Einlagen wird häufig als Maß für die Schwere der Inkontinenz genutzt. Daten einer großen Studie zeigen nun aber: Das bloße Zählen der Einlagen nützt nicht viel.

An der Studie DIAPPER haben rund 14.500 Patienten mit einer Harninkontinenz teilgenommen. Alle wurden kostenfrei mit geeigneten Einlagen versorgt, etwa die Hälfte benötigte Einlagen in Slipform. Die Teilnehmer waren im Schnitt 81 Jahre alt und zu drei Viertel Frauen. Sie wurden dazu angeleitet, ein Inkontinenztagebuch zu führen, in das sie Zahl und Art der verwendeten Einlagen eintrugen. Für die Studie sollten sie zudem über 48 Stunden hinweg die Einlagen vor sowie unmittelbar nach Gebrauch wiegen und das jeweilige Gewicht ebenfalls ins Tagebuch eintragen. Daraus berechneten die Experten anschließend die Menge des verlorenen Urins.

Im Median benötigten die Patienten sechs Einlagen in zwei Tagen. Diese saugten zusammen rund 1.600 g Urin pro Person auf — 1.500 g bei Frauen, 1.900 g bei Männern. Dennoch benötigten Frauen mehr Einlagen — auch, weil Männer häufiger Einlagen mit größerer Kapazität nutzen. So korrelierte der tatsächliche Harnverlust bei Männern stärker mit der Zahl der Einlagen; insgesamt war die Korrelation aber sehr schwach, es ließen sich nur 19 % der Varianz des Harnverlusts über 48 Stunden bei Männern und 11 % bei Frauen mit der Einlagenzahl erklären.

Deutlich stärker korrelierte die Gewichtszunahme der Pads mit dem 48-Stunden-Harnverlust. Allerdings ging die Korrelation mit der Zahl der verwendeten Einlagen zurück. Berücksichtigten die Ärzte zudem Alter, Geschlecht und eine Reihe weiterer Faktoren, ergab sich zwar ein signifikanter Zusammenhang zwischen Einlagenzahl und 48-Stunden-Harnverlust, dieser war jedoch nicht linear. So benötigten Patienten mit einem 48-Stunden-Harngewicht von 2.000–3.000 g mehr Einlagen als solche mit deutlich höherem Harnverlust — vermutlich, weil Letztere Einlagen mit höherer Kapazität nutzten. Plausibel erscheint der Zusammenhang zwischen dem Harngewicht der einzelnen Einlagen und deren Zahl: Bei Patienten mit vielen Einlagen saugten diese im Schnitt etwas weniger Harn pro Einlage auf als bei denen, die in den zwei Tagen weniger Pads benutzten.

Fazit: Sofern das Ausmaß der Inkontinenz genauer bestimmt werden soll, nützt das Zählen der verwendeten Einlagen nur wenig. In diesem Fall sollte die Gewichtsveränderung sämtlicher Einlagen über zwei Tage hinweg bestimmt werden.

Literatur

  1. Sacco E et al. Patient pad count is a poor measure of urinary incontinence compared to 48-hour pad test: results of a large-scale multicentre study. BJU Int. 2018; https://doi.org/10.1111/bju.14566Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Thomas Müller
    • 1
  1. 1.

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