gynäkologie + geburtshilfe

, Volume 23, Issue 2, pp 13–13 | Cite as

Schutz des Kindes durch Influenza-Impfung der Schwangeren

  • Tino F. Schwarz
Literatur kompakt
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Trotz ausdrücklicher Empfehlung wird die Influenza-Impfung von Schwangeren nur zurückhaltend umgesetzt. Eine prospektive Studie belegt jetzt die Effektivität der Impfung vor und während der Schwangerschaft sowie postpartal hinsichtlich des dadurch induzierten Schutzes des Kindes.

Kleinkinder sind eine Risikogruppe für schwere Verläufe einer Influenza. Allerdings steht für Kinder unter sechs Monaten kein Influenza-Impfstoff zur Verfügung. Daher wird die Grippeimpfung für Personen im direkten Umfeld mit Säuglingen und Kleinkindern empfohlen. In vielen Ländern, wie auch Deutschland, wird die Grippeimpfung für Schwangere mit hoher Priorität empfohlen, um Influenza-bedingte Komplikationen bei der Frau wie auch beim Kind zu verhindern. Allerdings ist die Datenlage zur Wirksamkeit der Grippeimpfung von Schwangeren bezogen auf die Schutzrate bei Kindern unter sechs Monaten nicht eindeutig.

In einer prospektiven Kohortenstudie aus Japan wurden jetzt 3.441 Kinder, die vor der Grippesaison 2013–2014 geboren wurden, hinsichtlich der Schutzrate vor Influenza nach einer mütterlichen Impfung untersucht. Die Daten bezüglich einer Grippeimpfung vor der Saison 2013–2014 wurden bei den Frauen mittels eines Fragebogens erhoben. Zudem wurden die Mütter nach dem Ende der Grippesaison bezüglich der Diagnose einer Influenza oder einer Hospitalisierung der Kinder wegen Influenza befragt. 39 % der Frauen wurden vor und 27 % während der Schwangerschaft geimpft. Insgesamt wurde bei 71 (2 %) Kindern eine Influenza diagnostiziert und 13 (0,4 %) bedurften einer Hospitalisierung. Es zeigte sich, dass es durch eine mütterliche Impfung, insbesondere pränatal, zu einer Abnahme des Risikos für eine Influenza bei den Kindern kam. Die Effektivität der pränatalen Impfung betrug 61 % (95%-Konfidenzintervall [95%-KI] 16–81 %) und 53 % (95%-KI; -28–83 %) bei der postpartalen Impfung. Durch die mütterliche Impfung konnte auch das Risiko einer Influenza-bedingten Hospitalisierung gesenkt werden. Wegen der niedrigen Fallzahl von hospitalisierten Kindern ließ sich jedoch hierfür keine statistische Signifikanz ermitteln.

Induziert wird der Schutz der Kinder einerseits durch passiv übertragene maternale Antikörper. Ein weiterer Grund dürfte in der impfinduzierten Protektion der Mutter zu sehen sein, wodurch das Risiko für den Säugling, sich mit Grippe zu infizieren, abnimmt. Die Autoren plädieren ausgehend von den Ergebnissen der Studie für eine Influenza-Impfung von Schwangeren sowie postpartal, um die Kinder vor einer Influenza zu schützen.

Kommentar

Trotz der seit mehreren Jahren bestehenden eindeutigen Empfehlung der Ständigen Impfkommission wird derzeit nur ein geringer Teil der Schwangeren gegen Grippe geimpft. Gerade die aktuelle Grippe-Epidemie belegt die dringende Notwendigkeit der konsequenten Umsetzung der Grippe-Impfempfehlung auch für Schwangere. Neben dem passiven antikörpervermittelten Schutz der Kinder nimmt das Risiko einer mütterlichen Infektion durch die Impfung und somit die Gefahr der Ansteckung des Kindes ab.

Prof. Tino F. Schwarz

Literatur

  1. Ohfuji S et al. Protective effect of maternal influenza vaccination on influenza in their infants: a prospective cohort study. J Infect Dis 2018; 217: 878–86CrossRefGoogle Scholar

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© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Tino F. Schwarz
    • 1
  1. 1.Institut für Labormedizin und ImpfzentrumKlinikum Würzburg Mitte Standort JuliusspitalWürzburgDeutschland

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