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Okklusiva oder Nervengift: Was hilft am besten gegen Kopfläuse?

Gegen Kopfläusen gibt es im Wesentlichen zwei Therapieoptionen: Nervengifte oder Okklusiva. Ärzte von den Philippinen untersuchten in einer Metaanalyse, welche der beiden Behandlungen besser wirkt.

Zur Behandlung von Patienten mit Kopflausbefall (Pediculosis capitis) gibt es zwei häufig angewendete Strategien: eine Therapie mit Nervengiften wie Pyrethrin, Permethrin oder Malathion, was die Tierchen zuverlässig abtötet, oder eine Therapie mit topischen Okklusiva. Diese verstopfen die Exkretions- und Atmungsorgane der Läuse, was den unerwünschten Bewohnern ebenso den Garaus macht. Die chemische Keule muss in der Regel zweimal im Abstand von sieben bis zehn Tagen angewandt werden, um frisch geschlüpfte Nympfen zu erwischen, natürliche Okklusiva wie Kokosöl zum Teil häufiger, da sie den Eiern weniger anhaben können, berichten Ärzte von den Philippinen. Nachteile der nerventoxischen Mittel sind wiederum Nebenwirkungen und Resistenzbildung.

Neuere physikalisch wirkende Pedikulozide wie Dimetikone (Silikonöl) töten häufig auch die Eier ab und müssen nur einmal aufgetragen werden. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) emphiehlt Dimetikone daher in einem Ratgeber als Mittel der ersten Wahl bei Kindern mit Kopfläusen und rät von neurotoxischen Therapeutika ab. Sie verweist jedoch auf die recht unterschiedliche Wirksamkeit von Dimetikonen, die von den Kriech- und Spreiteigenschaften der Mittel abhängt.

Die Studienautoren haben nun mittels Literaturrecherche die Evidenz für die verschiedenen neurotoxischen und physikalischen Mittel eruiert.

Sie fanden insgesamt 16 Studien zur vergleichenden Anwendung von physikalischen und neurotoxischen Mitteln bei Patienten mit Kopfläusenmit insgesamt knapp 1.800 Studienteilnehmern. Rund 80 % der Studien waren randomisiert-kontrolliert. Im physikalischen Arm wurden zu drei Viertel synthetische und Einkomponenten-Okklusiva verwendet. In der Regel erhielten die Probanden zwei Anwendungen im Abstand von sieben bis neun Tagen. Der Therapieerfolg wurde meist durch Auskämmen bestimmt.

In einigen der Studien schnitten die neurotoxischen, in anderen die physikalischen Mittel besser ab. Unterm Strich war die Heilungsrate unter Okklusiva jedoch signifikant höher als mit neurotoxischen Wirkstoffen (70 % vs. 61 %). Die Okklusiva wirkten vor allem dann besser, wenn sie synthetisch hergestellt wurden und die Heilungsrate unter neurotoxischen Mitteln recht gering war. So bemängeln die Studienautoren, dass fünf von sieben Studien mit einer niedrigen Heilungsrate unter neurotoxischen Mitteln von einer einzigen Arbeitsgruppe stammten, die ihre Probanden alle aus der gleichen Region bezogen. Hier könnten möglicherweise Resistenzen vorgelegen haben.

Unerwünschte Wirkungen traten unter Okklusiva weniger als halb so oft auf wie unter neurotoxischen Substanzen (3,1 % vs. 7,3 %), der Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant. Am häufigsten wurden Augen- und Hautreizungen beschrieben.

Die Studienautoren resümieren, dass Okklusiva ähnlich gut oder besser wirken als neurotoxische Mittel. Eine Überlegenheit der Okklusiva zeige sich wohl vor allem dort, wo Resistenzen gegen die neurotoxischen Mittel vorliegen.

Fazit: In einer Metaanalyse war die Heilungsrate bei Patienten mit Kopfläusen unter (vor allem synthetischer) okklusiv wirkenden Pedikuloziden um rund ein Fünftel höher als unter solchen mit neurotoxischem Wirkmechanismus. Okklusiva scheinen den neurotoxischen Substanzen vor allem in Regionen mit Resistenzen überlegen zu sein. Thomas Müller

Flores-Genuino RNS et al. Occlusive versus neurotoxic agents for topical treatment of head lice infestation: A systematic review and meta-analysis. Pediatr Dermatol. 2019; http://doi.org/dh2d

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Müller, T. Okklusiva oder Nervengift: Was hilft am besten gegen Kopfläuse?. hautnah dermatologie 36, 15 (2020). https://doi.org/10.1007/s15012-020-0577-3

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