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Immuntherapie auch bei Spinaliom von Vorteil

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Die aktuelle S3-Leitlinie zum Plattenepithelkarzinom gibt keine konkrete Empfehlung zur Therapie fortgeschrittener Fälle mit Fernmetastasen. Nun haben Ärzte aus Tübingen diesbezüglich ihre Praxisdaten ausgewertet.

Die aktuelle S3-Leitlinie zum Plattenepithelkarzinom der Haut (PEK) empfiehlt bei nicht in-sano-resezierbaren Tumoren oder inoperablen Patienten eine Radiotherapie, ebenso postoperativ bei ausgedehntem Lymphknotenbefall. Dagegen enthält die Leitlinie keine konkreten Empfehlungen zur Therapie bei Fernmetastasen. Tübinger Ärzte haben nun in ihren Klinikdaten geschaut, welche Therapien ihre Patienten mit fortgeschrittenen PEK in den vergangenen Jahren erhalten haben und wie lange diese anschließend noch lebten.

Die Ärzte hatten zwischen 2011 und 2018 insgesamt 195 Personen mit einem fortgeschrittenen PEK behandelt. Im Schnitt waren die Patienten bei der Diagnose 78 Jahre alt. 72 % der Patienten waren Männer, 40 % hatten einen Stadium-III-Tumor, 60 % einen im Stadium IV. Zwei Drittel zeigten regionalen Lymphknotenbefall, bei 11 % enthielten die Wächterlymphknoten PEK-Zellen, 16 % wiesen Fernmetastasen auf. 80 % der Tumoren befanden sich im Kopf-Hals-Bereich, im Schnitt betrug deren Dicke 6 mm, ein Drittel hatten noch dickere PEK; rund ein Viertel der Patienten war immunsupprimiert.

Immerhin drei Viertel der Patienten hatten einen primär operierbaren Tumor, bei den übrigen war der Tumor zu ausgedehnt oder an zu ungünstigen Stellen, um operiert zu werden. Fernmetastasen und schwere Begleiterkrankungen hielten die Ärzte bei einigen Patienten ebenfalls davon ab, zu operieren.

Im gesamten Erkrankungsverlauf wurden 57 Patienten systemisch behandelt, von den übrigen 138 wurden 66 erneut operiert, 26 bekamen eine alleinige Radiatio, 46 erhielten eine palliative Behandlung. 20 Patienten mit systemischer Therapie erhielten einen PD-1-Hemmer, die übrigen 37 Betroffenen Kombinationen von Chemotherapeutika.

Im Beobachtungszeitraum starb ein Drittel der Patienten. Das mediane Gesamtüberleben (OS) betrug 42 Monate, 52 % der Patienten lebten noch mindestens drei Jahre lang. Wie erwartet, hatten jüngere Patienten, solche mit relativ dünnen und operablen Tumoren sowie ohne Fernmetastasen die besten Chancen. Faktoren wie eine Immunsuppression, eine Desmoplasie, Lokalrezidive oder eine perineurale Infiltration waren prognostisch hingegen nicht relevant.

Verglichen die Ärzte die systemischen Therapien, so schnitten die Patienten mit Immuntherapien (Erstlinien- oder Folgetherapie) am besten ab. Das OS ließ sich bei solchen Patienten bislang nicht bestimmen, nach einem Jahr waren aber noch 84 % und nach zwei Jahren 76 % von ihnen am Leben, dagegen kamen Patienten mit Chemotherapie auf ein OS von 22 Monaten. Nach einem Jahr lebten noch 65 %, nach zwei Jahren nur noch 40 %.

Von den nicht systemisch behandelten Patienten lebten diejenigen am längsten, die eine OP plus Radiatio erhalten hatten. Von ihnen waren nach drei Jahren noch etwa 70 % am Leben, hingegen nur rund 30 % derjenigen mit alleiniger Radiatio. Dazwischen lagen die Patienten mit Palliativtherapie. Eine alleinige Radiatio scheint also wenig zu nützen.

Fazit: Wann immer möglich sollte bei fortgeschrittenem PEK reseziert werden, so die Studienautoren. Bei inoperablen Tumoren spreche vieles für eine Immuntherapie (First-Line). Diese gehe verglichen mit Chemotherapie mit einem deutlich längeren OS einher. Thomas Müller

Amaral T et al. Advanced cutaneous squamous cell carcinoma: real world data of patient profiles and treatment patterns. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2019; http://doi.org/dhz8

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Correspondence to Thomas Müller.

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Müller, T. Immuntherapie auch bei Spinaliom von Vorteil. hautnah dermatologie 36, 13 (2020). https://doi.org/10.1007/s15012-020-0576-4

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