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hautnah dermatologie

, Volume 35, Issue 6, pp 14–14 | Cite as

Timolol verkürzt die Therapiezeit bei infantilen Hämangiomen

  • Miriam Sonnet
Literatur kompakt
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Gemäß Leitlinie ist orales Propranolol das Mittel der Wahl zur Therapie von komplizierten infantilen Hämangiomen. Um die Zeit der Propranolol-Gabe zu verkürzen, kann zusätzlich der Betablocker Timolol topisch auf die Läsion aufgetragen werden.

In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert.

© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com

Die Gabe von oralem Propranolol, einem Betablocker, zur Behandlung von infantilen Hämangiomen (IH) ist nicht unproblematisch. Zwar sind die Nebenwirkungen meist temporär und überwiegend harmlos, dennoch kann es unter anderem zu Brachykardie und Blutdruckabfall kommen. In der Literatur finden sich vermehrt Studien, in denen topisches Timolol, ebenfalls ein Betablocker, IH effizient verringern kann. Dennoch sehen manche Experten den Einsatz eher skeptisch, denn selbst bei kleinen Dosen Timolol kann dieses im Blut und im Urin der Kinder nachgewiesen werden. Es gibt bisher nur wenige Daten über die simultane Therapie aus Propranolol und Timolol — Ärzte aus den USA haben für ein retrospektives Review immerhin die von 559 IH-Patienten auswerten können. Sie klassifizierten diese nach fünf Therapiekategorien: orales Propranolol alleine (P), topisches Timolol alleine (T), Propranolol und dann Timolol (PT), topisches Timolol, dann Propranolol und dann wieder Timolol (TPT) sowie Timolol und dann Propranolol (TP).

Infantiles Hämangiom

© macroart / iStock

Patienten der PT-Gruppe erhielten orales Propranolol im Vergleich zu den anderen Gruppen am kürzesten (Median 7,5 Monate vs. P: 9,7 vs. TPT: 9,2 vs. TP: 7,7). Verglichen mit Patienten, die nur orales Propranolol erhalten hatten, waren die Probanden des PT-Arms bei Beendigung der Propranolol-Therapie zudem im Median 1,7 Monate jünger (12,3 vs. 14 Monate; p = 0,007). Keiner der 29 Patienten des PT-Arms musste im Anschluss die Propranolol-Therapie erneut durchführen. Auch im TP-Arm (n = 25) war das der Fall. Mit alleiniger Propranolol-Gabe wiederholten jedoch 13 von 101 Probanden (12,9 %) die Behandlung — aufgrund eines erneuten Wachstums des Hämangioms, einer Verdunkelung der Läsion oder der Unzufriedenheit der Eltern. Im TPT-Arm (n = 23) wiederum startete ein Teilnehmer die Therapie mit Propranolol erneut.

Timolol scheint auch die Raten einer anschließenden Lasertherapie oder plastischen Operation zu verringern. So mussten sich vier der 219 mit Propranolol behandelten Patienten (Gruppen P, PT, TP und TPT) im Anschluss sowohl einer Lasertherapie, als auch einer plastischen Operation unterziehen. In der T-Gruppe war eine solche Kombi-Nachbehandlung bei keinem der 301 Probanden nötig. Lediglich elf Patienten (3,7 %) des T-Arms erhielten im Anschluss eine alleinige Laserbehandlung, mit Propranolol mussten 23 Teilnehmer (10,5 %) gelasert werden.

Fazit: Die sequenzielle Therapie aus oralem Propranolol gefolgt von topischem Timolol könnte durch die Verkürzung der Propranololgabe mögliche Nebenwirkungen des systemischen Betablockers minimieren. Timolol kann die Wirkung von Propranolol aufrechterhalten und ein erneutes Wachstum von Hämangiomen verhindern. Die Autoren können eine systemische Absorption von Timolol jedoch nicht ausschließen. Sie gehen aber davon aus, dass die Effekte lokal begrenzt sind.

Literatur

  1. Mannschreck DB et al. Topical timolol as adjunct therapy to shorten oral propranolol therapy for infantile hemangiomas. Pediatr Dermatol. 2019; 36: 283–9CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Miriam Sonnet
    • 1
  1. 1.

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